Volvo Ocean Race

Zieht AkzoNobel auf und davon?

Kurz vor Etappenhalbzeit haben alle Boote über Nacht Distanz auf die Holländer verloren. Gleichzeitig kursieren neue Bilder vom kaputten Vestas-Boot

Tatjana Pokorny am 14.02.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
Rich Edwards/VOR

Etappe 6, Tag 8: AkzoNobel führt die Flotte an

Etappe 6 von Hongkong nach Auckland bleibt heftig umkämpft. Doch über Nacht konnte sich Simeon Tienponts Team AkzoNobel ein wenig von den Verfolgern absetzen, hatte am Mittwochmorgen mehr als 20 Seemeilen Vorsprung vor David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag. Dahinter liefern sich auch zu Beginn des achten Tages des gut 6000 Seemeilen langen Pazifik-Abschnitts das drittplatzierte spanische Team Mapfre und das viertplatzierte Dongfeng Race Team weiterhin ein spannendes Duell. Aktuell trennen die beiden roten Boote nur 1,6 Seemeilen. Dahinter ist Bouwe Bekkings Team Brunel etwas zurückgefallen. Obwohl das gelbe Boot sich im Duell mit den Spaniern in der vergangenen Nacht gut in Szene hat setzen können, blieb Bekkings Crew kurze Zeit später unter einer Wolke hängen. Die Mannschaft musste mit ansehen, wie die Rivalen in Rot enteilten, und bemüht sich nun, den Rückstand von rund zehn Meilen möglichst schnell wieder zu egalisieren.

Die Übersicht über den Rennverlauf am Morgen des achten Tages der sechsten Etappe von Hongkong nach Auckland

Volvo Ocean Race 2017 / 2018

Dongfengs Steuerfrau Carolijn Brouwer zählt zu jenen Athleten bei dieser 13. Auflage des Volvo Ocean Race, die sich Hoffnungen darauf machen dürfen, den Meeres-Marathon als erste Frau gewinnen zu können. Das ist das erklärte Ziel der Holländerin

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Dongfengs erfahrener Navigator Pascal Bidégorry denkt darüber nach, wie sein Dongfeng Race Team noch mehr Druck auf Mapfre ausüben kann

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Trost von der nassen Vorschiffsfrau Liz Wardley für die trockene Steuerfrau und Skipperin Dee Caffari: Ihr junges und vergleichsweise wenig erfahrenes Team Turn the Tide on Plastic jagt dem Feld einmal mehr auf dem sechsten und letzten Rang hinterher

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Mapfres so prominenter wie erfahrener und sympathischer spanischer Navigator Juan Vila (Mitte) hat auf Kurs Auckland alle Hände voll zu tun

Dabei soll weiterhin die neue Segelgarderobe helfen, von der Team Brunel auf dieser sechsten Etappe sichtlich profitiert. Frisch und schnell sind das neue Großsegel, Masttopp Code Zero, Fractional Code Zero und ein leichtes Vorsegel. Dennoch weist das gelbe Boot in bestimmten Bereichen weiterhin Speed-Probleme auf, wie Bouwe Bekking in einem seiner Blogs von Bord berichtete: Auf Backbordbug könne das Schiff nicht ganz die Höhe laufen, die von den beiden roten Booten (Mapfre und Dongfeng) erreicht wird.

Keinerlei Geschwindigkeitsprobleme hat zurzeit Simeon Tienponts Team AkzoNobel. Die Mannschaft um den 36-jährigen Yachtkonstrukteur und Ingenieur aus Dirksland in den Niederlanden demonstriert ihre Stärke und bleibt nach mutiger strategischer Positionierung auf Kurs Auckland vorerst das Maß der Dinge. Für AkzoNobels Navigator Jules Salter ist es bereits das vierte Rennen um die Welt. Der 49-jährige Brite zählt zu den Besten seines Fachs und blieb Tienpont auch nach den anfänglichen Personalquerelen und heftiger Auseinandersetzung mit dem Sponsor treu. Salter gilt als extrem erfahren und ruhig. Am Mittwoch wurde ihm die Ehre einer namentlichen Erwähnung in einer Pressemitteilung des Dongfeng Race Teams zuteil, das sich eine kleine heitere Spitze in Richtung der führenden Holländer nicht verkneifen konnte.

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Die Laune im Team von AkzoNobel könnte aktuell kaum besser sein. Links im Bild: Wachführer Chris Nicholson

In der Meldung hieß es: "Am beängstigsten ist es, dass Jules Salter – der britische Navigator von AkzoNobel und berühmt dafür, nicht das Geringste zu herzuschenken – heute lächelnd an Bord des holländischen Bootes gesichtet wurde. Das ist sehr ungewöhnlich. Aber er weiß natürlich, dass mit der beginnenden Doldrums-Passage in den kommenden 24 bis 36 Stunden und in den leichten nördlichen Winden auch viel Potenzial für einen Neustart der Flotte entsteht." Darüber hinaus verweist das Dongfeng Race Team auf den Wirbelsturm Gita, der die typischen Passatwinde der südlichen Hemisphäre durcheinanderwirbeln und die Annäherung an Neuseeland zu einer eher untypischen Angelegenheit mit offenem Ausgang machen könnte.

Zu Salter hat sich AkzoNobel-Skipper Tienpont mit dem Australier Chris Nicholson nach dem holprigen Renn-Auftakt einen weiteren extrem erfahrenen Mann an Bord geholt. Sein erstes Volvo Ocean Race hatte Nicholson 2001/02 auf "Amer Sports One" an der Seite von Skipper und Haudegen Grant Dalton bestritten. Es folgten Einsätze auf "Movistar" (2005/06), mit dem Team Puma Ocean Racing (2008/09), auf "Camper" (2011/12) und mit "Vestas Wind" (2014/15), deren spektakuläre Riff-Kollision Nicholson als Skipper mitzuverantworten hatte. AkzoNobel unterstützt der sechsmalige 49er- und 505er-Weltmeister Chris Nicholson als Wachführer.

Während die sechs Boote Neuseeland entgegenstreben und wohl heute noch ihr Halbzeit-Bergfest feiern können, sorgt an Land das Team Vestas 11th Hour Racing für neue Schlagzeilen. Nicht etwa, weil es endlich Fakten zum Unglück vor Hongkong gibt, bei dem laut offiziellen Angaben ein chinesischer Fischer ums Leben gekommen war, sondern weil neue Bilder des stark beschädigten Rumpfes des blauen Bootes kursieren. YACHT online verzichtet bewusst darauf, diese Bilder aus unbekannter Quelle zu zeigen, die der Nachrichtenblog "Sailing Anarchy" mit einem Kurzkommentar veröffentlicht und auch der US-Blog "Sailing Illustrated" zum Thema einer Live-Sendung gemacht hatten. Die Bilder und die nun erstmals in Gänze zu sehenden Schäden am Rumpf, der auch von unten auf großer Fläche aufgerissen ist, lassen erahnen, wie dramatisch die Kollision zwischen der blauen Volvo-Yacht und dem Fischerboot, das in der Folge gesunken war, verlaufen sein muss. An den Spekulationen über Umstände und den genauen Verlauf aber will sich YACHT online ohne neue relevante Fakten weiterhin nicht beteiligen.

Tatjana Pokorny am 14.02.2018

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