Weltumsegelung

Kalte Tage im Norden der USA

Johannes Erdmann und Cati Trapp sind mit "Maverick too" wieder einmal spät dran. Der Winter steht vor der Tür, und die Heizung ist kaputt

Johannes Erdmann am 18.11.2015
Johannes Erdmann am Rad der "Maverick too"

Johannes Erdmann am Rad der "Maverick too" 

Der kleine Ort Irvington am Rande der Chesapeake Bay liegt in etwa auf Höhe von Lissabon. Eigentlich sind wir damit viel näher an der Sonne als ihr Leser in Deutschland. Aber auch hier ist es lausig kalt. Der goldene Herbst, der bis vor zwei Tagen noch die Wälder mit bunten Farben geschmückt und für angenehme Temperaturen um 15 Grad gesorgt hat, ist fast vorüber, der Winter kommt. Gestern war morgens sogar schon Frost an Deck. Also wird es wieder einmal Zeit zu flüchten. Zurück in den Süden.

Die Werftzeit hier im Norden Virginias hat, wie es so üblich ist, viel mehr Zeit verschlungen als geplant. Das Schiff musste nach 15 Monaten im Wasser endlich mal wieder an Land, um einen neuen Unterwasseranstrich zu bekommen. Die drei Schichten selbsterodierendes Antifouling waren längst abgewaschen. Und dann war da noch die Kleinigkeit eines kompletten Motortauschs, für den viele Teile (da metrisch) aus Europa beschafft werden mussten.

"Maverick too" an einem Privatsteg am Rande der Chesapeake Bay

"Maverick too" an einem Privatsteg am Rande der Chesapeake Bay

Entsprechend erleichtert waren wir vergangene Woche, als wir nach vier Wochen an Land zurück ins Wasser kamen und den Hafen von Deltaville im Kielwasser lassen konnten. Doch bevor es weiter nach Süden geht, wollten wir noch zwei Freunde in Irvington besuchen. Hein und Siggi habe ich vor einigen Jahren einmal für die YACHT porträtiert (Heft 19/2010), und seitdem waren wir immer per E-Mail in Kontakt geblieben, bis wir vergangenen Monat mit dem Boot in die unmittelbare Nähe ihres Hauses kamen. Seitdem sind wir fast ständig bei ihnen zu Hause und lauschen tollen Geschichten aus vergangenen Tagen. Denn die beiden sind zwischen den Jahren 1963 und 66 mit ihrem nur 20 Fuß langen Holzboot um die Welt gesegelt.

Der neue Motor ist installiert und läuft.

Der neue Motor ist installiert und läuft

Es ist also sicherlich gut zu verstehen, dass wir hier gerade nicht mehr wegkommen – zu spannend sind die Geschichten und zu herzlich ihre Gastfreundschaft. Wir liegen direkt neben ihrem aktuellen, 40 Fuß langen Boot an einem Privatsteg im Carter Creek. Eigentlich sollte es heute weiter nach Süden gehen. Aber starke Südwinde (Beaufort 5 bis 8) und viel Regen für heute und morgen haben die Entscheidung leicht gemacht: Wir bleiben noch zwei Tage und legen Freitagmorgen ab. Zurück durch die Chesapeake Bay nach Norfolk und dann wieder hinein in den Dismal-Swamp-Kanal, die bessere Alternative zum stürmischen Cape Hatteras. Und dann geht es jeden Tag ein Stück weiter nach Süden. Und hoffentlich wird es damit auch immer ein bisschen wärmer.

Im Moment haben wir noch Landstrom, und ein kleiner Heizlüfter hält die Kajüte warm. Wenn wir wieder unter Dampf sind, werden wir vielen Nächte ohne Strom und Wärme vor Anker oder an den kostenlosen Docks des Intracoastal Waterway verbringen. Das werden kalte Tage, denn unsere alte Webasto-Heizung geht schon seit dem Reisebeginn nicht mehr. Ich habe schon alles durchgemessen, aber offenbar hat die Platine einen Fehler, denn das Gebläse springt nicht an.

"Maverick too" am Steg.

"Maverick too" am Steg

Bis es wieder wärmer wird, werden wir sicherlich zwei oder drei Wochen unterwegs sein. Kommende Woche steht noch ein großer Tag bevor, mein 30. Geburtstag. Eigentlich wollten wir ihn auf den Bahamas unter Palmen feiern oder zumindest mit Freunden in Florida. Aber nun werden wir vermutlich irgendwo im Intracoastal Waterway vor Anker liegen. Egal wo – ich freue mich drauf, die nächsten zehn Jahre in Erinnerung zu haben, dass es irgendwo an der Ostküste der USA passiert ist, mitten auf unserer großen Reise.

Im Moment planen wir, bis nach Florida hinunterzusegeln und zu motoren und dann schnellstmöglich vorbei an Kuba nach Belize und nach Mittelamerika. Eine Ecke, in die nur wenige Blauwassersegler gelangen. Wir werden davon berichten.

Johannes macht Fotos von unseren Gastgebern.

Johannes macht Fotos von unseren Gastgebern

Aber erstmal stehen uns noch ein paar kalte Wochen in Faserpelz und Thermo-Unterwäsche bevor. "Long-Johns", wie die Amis die langen Unterhosen nennen. Aber genau wie im letzten Jahr kann es nur besser werden, denn mit jeder Meile kommen wir der Sonne ein Stückchen näher.

Weitere Infos zur Reise: www.zu-zweit-auf-see.de

Johannes Erdmann am 18.11.2015

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