Volvo Ocean Race

Skipper von Bord: Skandal im Team AkzoNobel

24 Stunden vor dem ersten In-Port Race zum Auftakt der 13. Auflage scheint mit Simeon Tienpont der erste Skipper gefeuert. Ob es dabei bleibt?

Tatjana Pokorny am 14.10.2017
Simoen Tienpont
MAT/VOR

Blickt seiner Premiere als Skipper des Teams AkzoNobel hier noch optimistisch entgegen: Simeon Tienpont

Am sportlichen Erfolg kann es nicht gelegen haben, denn Simeon Tienpont hatte sein Team AkzoNobel zuletzt im Prolog auf Platz drei und damit aufs Podium geführt. Die 13. Auflage des Rennens um die Welt beginnt am Samstag mit der ersten Hafen-Wettfahrt vor Alicante und den ersten wichtigen Punkten für die Team-Konten. Simeon Tienpont aber soll laut einem Team-Statement, das einigen holländischen und amerikanischen Medien vorliegt, schon dieses Hafenrennen nicht mehr miterleben. Der Niederländer, der sein Team vor mehr als einem Jahr als erstes für diese Auflage des Volvo Ocean Race so stolz gemeldet hatte, ist offensichtlich gefeuert.

VOR 2017/2018

Das holländische Team AkzoNobel im Einsatz. Hier mit Skipper Simeon Tienpont (l.) am Grinder

In dem Team-Statement, das Online-Medien wie "Sailing Anarchy" und "Sailing Illustrated" veröffentlicht haben, hieß es: "Infolge eines Vertragsbruchs hat Simeon Tienpont seine Rolle als Skipper des Teams AkzoNobel im Volvo Ocean Race 2017/18 am Freitag, den 13. Oktober, aufgegeben. Gleichzeitig hat AkzoNobel als Eigner und Titelpartner des Teams AkzoNobel dem Team seine volle Unterstützung für die Teilnahme am Volvo Ocean Race 2017/18 zugesichert." Eine Vorstellung des Nachfolge-Skippers soll laut Statement in Kürze erfolgen. Klar ist aber auch, dass Tienpont das Team und das Rennen seines Lebens nicht freiwillig verlassen hat. Laut mehreren Berichten soll er sogar am Freitagabend noch um Einigung gekämpft haben.

Simoen Tienpont

AkzoNobel-Skipper Simeon Tienpont: schon vor dem ersten In-Port Race von Bord? 

In der Szene wird unter anderem heftig darüber spekuliert, ob nun Tienpont oder sein Arbeitgeber mit ihren Handlungen Vertragsbruch begangen haben. Dass die anderen Teammitglieder in der Nacht zum Samstag nicht zu Kommentaren bereit waren, dürfte mit ihren vertraglichen Auflagen, aber auch andauernden Verhandlungen und internen Team-Diskussionen zu erklären sein. Zwei Crew-Mitglieder hatten das Team bereits zuvor verlassen: Annemieke Bes wurde inzwischen vom Team Sun Hung Kai/Scallwag verpflichtet, und auch der Spanier Roberto "Chuny" Bermúdez de Castro ist nicht mehr mit von der Partie.

Tienpont hatte seine Volvo-Ocean-Race-Premiere im Rennen 2005/06 gefeiert und vor zwei Jahren nach der dramatischen Riff-Kollision des Teams Vestas Wind noch zwei Etappen für die Dänen bestritten. Im America's-Cup-Team von Larry Ellisons Oracle Team USA schien Tienpont 2012 in den Bleiballast-Skandal verwickelt zu sein, wurde aber im Gegensatz zu seinem Landsmann Dirk de Ridder damals freigesprochen. Zweimal hat der 35-jährige Tienpont den Cup mit Oracle und Skipper Jimmy Spithill gewonnen.

Sein Ziel für das 13. Volvo Ocean Race hatte er immer wieder betont: "Ich kann es kaum erwarten zu starten. Ich werde alles tun, um das Rennen zu gewinnen." Das könnte ihm nun als AkzoNobel-Skipper versagt bleiben. Damit hätte das Rennen nach dem ebenfalls schon vor dem Start angekündigten zeitnahen Abgang von Volvo-Ocean-Race-Manager Mark Turner seinen zweiten prominenten Rauswurf zu verkraften – wenn der geschasste Holländer nicht doch noch einen Weg zurück auf sein Boot findet. Als alternative Skipper oder mindestens Interims-Nachfolger kämen aus dem Team beispielsweise der erfahrene sechsmalige Weltumseger Brad Jackson oder der starke Steuermann Nicolai Sehested in Frage.

Wie das Ringen um den richtigen Kurs im Team AkzoNobel ausgeht, wird das erste offizielle Hafenrennen zeigen, das am Samstag um 14 Uhr deutscher Zeit beginnt und hier live übertragen wird.

VOR 2017 Prologue

Das holländische Team AkzoNobel im Verfolgermodus

Tatjana Pokorny am 14.10.2017

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