Volvo Ocean Race

Skipper im Fokus: "Wir wollen alle gewinnen!"

Zwei Tage vor dem Start der 13. Auflage des bekanntesten Mannschaftsrennens um die Welt haben sich die Skipper in Alicante zur Pressekonferenz getroffen

Tatjana Pokorny am 20.10.2017
Volvo Ocean Race 2017/2018
Pedro Martinez/VOR

45.000 Seemeilen, 12 Etappen, 11 Häfen, 8 Monate und 7 Teams: Das ist das Volvo Ocean Race 2017/18 in Zahlen. Der Startschuss zur ersten Etappe der 13. Auflage des bekanntesten Meeres-Marathons für Segel-Mannschaften fällt am Sonntag um 14 Uhr in der spanischen Hafenstadt Alicante und wird live auf der Homepage der Veranstalter übertragen. Am Freitag trafen sich die Skipper in Alicante zur letzten großen Pressekonferenz.

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Top-Favorit Mapfre und Co-Favorit Brunel im Fokus: Wer macht das Rennen bei der 13. Auflage des Volvo Ocean Race?

Den verbindenden Satz sprach Team Brunels Skipper und Rekordteilnehmer Bouwe Bekking aus: "Wir wollen alle gewinnen. Dafür sind wir hier." Bekking, der viele Jahre in Hamburg gelebt hat und für eine Reihe deutscher Eigner im Einsatz war, startet zum achten Mal in das Rennen seines Lebens und führt eine interessant kombinierte Mannschaft ins Feld. Neben der großen Erfahrung, die er selbst und sein mit allen Wassern gewaschener Navigator Andrew Cape (sechs Teilnahmen) mitbringen, sind prominente America's-Cup-Stars und Olympioniken an Bord, allen voran der Neuseeländer Peter Burling.

Zwei Tage vor dem Startschuss zur ersten Etappe am 22. Oktober stellten sich die Skipper den Fragen in Alicante

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"Golden Boy" Peter Burling: Kann er mit Brunel nach Olympia-Gold und America's-Cup-Triumph die Triple-Krone erringen?

Bekking erzählt: "Wir waren spät dran mit unserer Kampagne, doch das hat uns auch Möglichkeiten beschert. Der America's Cup war gerade beendet, als ich mit der J-Class vor Bermuda segelte. Ich bin über Carlo Huisman gestolpert, der mit Team New Zealand America's Cup gesegelt hat. Durch ihn kam ich mit Peter Burling in Kontakt. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Und kurze Zeit später hatten wir den 'Golden Boy' an Bord, den vermutlich vorher schon einige andere Projekte angefragt hatten. Er hat die Olympischen Spiele gewonnen, den America's Cup. Dazu haben wir noch Kyle Langford, der den Cup ja auch zweimal gewonnen hat, bevor er ihn an Neuseeland verlor." Burling, Huisman und Langford, so Bekking, hätten im Vergleich zu ihnen, den "Old School Boys", eine andere Herangehensweise: "Sie agieren mit großer Intensität, bringen neue Ideen auf den Tisch. Die verwerfen wir dann oder setzen sie um. Bei ihnen dreht sich alles ums Leistungsvermögen." Bekking stellte klar: "Wir haben eine gute Chance, dieses Rennen zu gewinnen."

Top-Favorit aber ist das Team Mapfre von Skipper Xabi Fernandez. Mit Mapfre startet zum zehnten Mal ein spanisches Team in das Rennen um die Welt – doch noch nie konnte ein spanisches Team siegen. Fernandez sagte: "Natürlich bemerken wir, dass uns die Leute als Favoriten sehen. Doch das spielt für uns keine Rolle. Wir haben uns sehr gut vorbereitet. Aber wir wissen auch, wie lange und hart dieses Rennen ist."

Neben Mapfre und Brunel gilt auch Charles Caudreliers Dongfeng Race Team als Mit-Favorit. Der Franzose hat das Rennen als Crew-Mitglied auf "Groupama" schon einmal gewonnen und bei der letzten Auflage als neuer Skipper mit starken Leistungen beeindruckt. Er sagt: "Wenn du Skipper bist, dann lässt der Druck nie nach. Aber ich mag das. Ich habe ein starkes Team um mich herum. Ich bin ein glücklicher Skipper."

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Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier am Steuer

Für eine der heiteren Noten der Pressekonferenz sorgte David Witt. Der nie um deutliche Worte verlegene Skipper des Außenseiter-Teams Sun Hung Kai/Scallywag sagte auf die Frage, warum er bei diesem Rennen dabei sei: "Ich glaube, es ist der beste Teamsport der Welt. Ich habe ein gutes kommerzielles Angebot bekommen. Und ich habe keinen besseren Weg zum Abnehmen gefunden." 

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David Witt in Aktion: Der Australier führt Außenseiter Sun Hung Kai/Scallywag ins Rennen

Die einzige Skipperin im Rennen, Großbritanniens Solo-Segel-Institution Dee Caffari, die ein Team mit 50 Prozent Männern und 50 Prozent Frauen um die Welt führen wird und den Planeten schon dreimal einhand umrundet hatte, bevor sie bei der letzten Volvo-Auflage mit SCA dabei war, sagte: "Es macht einen großen Unterschied, ob du allein oder mit einem Team um die Welt segelst. Mit einem Team kannst du alles teilen, und hast mehr Hände, wenn was los ist. Die Intensität in einem Team motiviert mich. Und das Bewusstsein, dass du zu jeder Zeit 100 Prozent gibst. Die Jungs hier (Red.: Caffari schaut auf dem Podium der Pressekonferenz ihre männlichen Konkurrenten an) werden jeden Fehler bestrafen, den du machst. Diese Intensität zieht mich an. Alle reden von Turn the Tide on Plastic als unerfahrenes Team. Es stimmt, dass viele meiner Segler zum ersten Mal dabei sind. Aber sie sind sehr versierte Segler und wissen, wie man ein Boot schnell macht."

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"Turn the Tide on Plastic"-Skipperin Dee Caffari in der Mitte von Charlie Enright (r., Vestas 11th Hour Racing) und Mapfre-Skipper Xabi Fernandez

AkzoNobels neuer neuseeländischer Skipper Brad Jackson sagte nach den dramatischen Tagen im Team und der vorläufigen Ablösung von Skipper Simeon Tienpont: "Ich habe die Rolle übernommen, weil es notwendig war. Es war kein Traum von mir, Skipper zu werden, ich hatte danach kein Verlangen. Aber die Situation hat sich ergeben, und ich nehme das gern an. Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich dafür nicht die volle Unterstützung des Segel-Teams, der Landmannschaft und unseres Partners gehabt hätte." Charlie Enright, amerikanischer Skipper für Vestas 11th Hour Racing, sagte: "Bei der letzten Auflage war Jugend unser Ding. Für dieses Mal haben wir uns Erfahrung dazugeholt. Niemand startet in dieses Rennen, um Vierter zu werden. Wir auch nicht."

Tatjana Pokorny am 20.10.2017

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