Volvo Ocean Race

Mapfre dominiert, Brunel mit neuer Kraft

Die Spitzenreiter im Volvo Ocean Race haben auch das Hafenrennen vor Guangzhou gewonnen. Team Brunel lässt Worten Taten folgen und erkämpft Platz zwei

Tatjana Pokorny am 03.02.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
Pedro Martinez/Volvo Ocean Race

Peter Burling steuert Team Brunel im Hafenrennen vor Guanghzou auf Platz zwei hinter Mapfre und vor AkzoNobel

Bouwe Bekking hat es vor dem Rennen angekündigt, sein nur siebenköpfiges Team hat es umgesetzt: "Wir wollen in der Wertung der Hafenrennen den Abstand zu den beiden führenden Booten verkürzen." Heute hat sich das gelbe Boot unter niederländischer Flagge mit Platz zwei im Hafenrennen vor Guanghzou in China tatsächlich gut in Szene setzen können. Nur das spanische Team Mapfre, das die Gesamtwertung im Volvo Ocean Race anführt, war einmal mehr schneller und übernahm mit dem Sieg in chinesischen Gewässern nun auch die Führung in der In-Port-Wertung.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Wieder einmal auf und davon: Das spanische Team Mapfre führt nach dem Sieg vor Guangzhou sowohl die Gesamtwertung als auch die Wertung der Hafenrennen an

Das war möglich, weil gleichzeitig die vorherigen In-Port-Spitzenreiter und Lokalmatadoren ausgerechnet beim Heimspiel doppelt patzten: Charles Caudreliers Dongfeng Race Team leistete sich vor Guanghzou einen Frühstart, musste – wie auch das Team Sun Hung Kai / Scallywag – zur Startlinie umkehren und zur Aufholjagd ansetzen. Während sich jedoch das Team von David Witt unter Hongkongs Flagge sauber bereinigte und am Ende bis auf Platz vier vorstieß, blieb das rote Dongfeng-Boot auch noch in der Ankerleine der Startbegrenzungsmarke hängen. Als sich hingegen Caudreliers Team endlich aus der misslichen Situation befreit hatte, war der Rest der Flotte bereits Hunderte Meter enteilt.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Lieferte sich ein packendes Duell mit Team Brunel um Platz zwei: Simeon Tienponts Team AkzoNobel im Hafenrennen vor Guangzhou

Sein Team unterlag Landsmann Bouwe Bekking und Team Brunel im Duell um Platz zwei vor Guangzhou knapp: Simeon Tienpont und seine Mitstreiter berichten vom Hafenrennen in chinesischen Gewässern

Der siegreiche Mapfre-Skipper Xabi Fernández sagte nach dem Start-Ziel-Sieg seines Teams: "Es war das erwartet anspruchsvolle und komplizierte Rennen auf dem Fluss. Wir hatten einen sehr guten Start, und es ist uns gelungen, mit Wind und Strömung im Rhythmus zu bleiben. So konnten wir davonziehen." Hinter Mapfre hatte sich ein spannendes Duell um Platz zwei zwischen den beiden holländischen Booten entwickelt: Team Brunel mit Olympiasieger und America's-Cup-Gewinner Peter Burling, dem Skipper Bouwe Bekking teilweise das Steuer überlassen hatte, und Simeon Tienponts Team AkzoNobel rangen miteinander. Mehrmals wechselte in diesem mitreißenden Schlagabtausch über drei Runden die Führung, bis Team Brunel auf dem letzten Amwind-Abschnitt leicht davonziehen konnte und diesen Vorsprung zur Entscheidung im Kampf um Platz zwei und zum Verkürzen des Rückstandes auf das nun in der In-Port-Wertung nur noch zweitplatzierte Dongfeng Race Team nutzte.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Symbolbild für einen gründlich verpatzten Segeltag: Die Lokalmatadoren von Charles Caudreliers Dongfeng Race Team eröffneten das Hafenrennen vor heimischem Publikum mit einem Frühstart. Beim Versuch der Bereinigung blib das Team auf dem roten Boot dann in der Ankerkette der Startbegrenzung hängen…

"Das ist natürlich ein sehr schönes Ergebnis", freute sich Bouwe Bekking, "wir haben ein wirklich gutes Rennen bestritten. Wir haben gute Manöver gefahren und waren schnell. Wobei Letzteres eben am wichtigsten ist." Der zweite Platz schmeckte dem achtmaligen Rekordteilnehmer und seiner Mannschaft umso süßer, weil auch sie nach dem Start zur Linie zurückgekehrt waren. Peter Burling erklärte das Missverständnis: "Wir waren der Startlinie sehr nah gekommen. Dann haben wir einen Funkspruch missverstanden. Also kehrten wir um, bis wir kapierten, dass wir nicht zu den Frühstartern gehörten. Das hat uns natürlich einige Zeit gekostet. Doch wir haben dann eine ziemlich gute Kreuz hingelegt, die erste Marke als Vierte erreicht. Danach konnten wir Gas geben und uns noch einige Boote schnappen." Dass vor allem die Vormwind-Abschnitte für Team Brunel auffallend gut liefen, schreibt Bekking seiner auf sechs Männer und eine Frau reduzierten Crew zu. "Wir haben mit zwei Leuten weniger gesegelt und waren einfach schneller."

Charles Caudreliers enttäuschte Männer und Frauen, die gerade vor heimischen Publikum im Hafenrennen mit dem offiziellen Titel "Dongfeng In-Port Race" so gern gepunktet hätte, konnten aller Anstrengungen zum Trotz kein Boot mehr einholen und mussten sich mit dem sechsten und letzten Platz hinter Sun Hung Kai / Scallywag und Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic begnügen. "Manchmal kämpfst du so hart, wie du kannst, aber es gibt kein Zurück mehr", sagte Caudrelier nach dem Zieldurchgang. Das dänisch-amerikanische Team Vestas 11th Hour Racing hatte in Folge der Kollision mit einem Fischerboot, bei dem kurz vor Ende der vierten Etappe ein chinesischer Fischer ums Leben gekommen war, auf die Teilnahme an diesem Hafenrennen verzichtet. Das blaue Boot wird noch repariert. Zu den laufenden Ermittlungen gibt es keine neuen Informationen. Das Team beantwortet keine Fragen zu dem Unglück, will das Untersuchungsergebnis abwarten.

Die Volvo-Ocean-Race-Flotte wird den Hafen von Guangzhou am Montag mit Kurs auf Auckland wieder verlassen, auf der anstehenden fünften Etappe aber noch einen Zwischenstopp in Hongkong einlegen. Dort wird der Startschuss am 7. Februar um 13 Uhr Ortszeit fallen.

Zwischenstand In-Port-Wertung (Hafenrennen)

  1. Mapfre (32 Punkte)
  2. Dongfeng Race Team (27 Punkte)
  3. Team Brunel (23 Punkte)
  4. Team AkzoNobel (21 Punkte)
  5. Sun Hung Kai / Scallywag (13 Punkte)
  6. Vestas 11th Hour Racing (12 Punkte)
  7. Turn the Tide on Plastic (10 Punkte)
Tatjana Pokorny am 03.02.2018

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