Volvo Ocean Race

Kielproblem und Wassereinbruch: Dongfeng-Crew muss kämpfen

So hatte sich Charles Caudreliers Crew den Weihnachts-Endspurt nicht vorgestellt. Jetzt ist klar, warum Dongfeng im Spitzenduell mit Mapfre zurückgefallen ist

Tatjana Pokorny am 23.12.2017
Volvo Ocean Race 2017/2018
Martin Keruzore/Dongfeng Race Team

Es hatte einige Tage so ausgesehen, als würde das spanische Team Mapfre nach Übernahme der Führung am vergangenen Mittwoch Charles Caudreliers französisch-chinesischem Dongfeng Race Team durch bessere Positionierung und schnelleres Segeln Meile um Meile enteilen. Seit heute ist klar, warum Caudreliers Crew zuletzt immer weiter zurückgefallen war: Ein schweres Problem mit der Kielaufhängung und Wassereinbruch haben für bange Stunden an Bord des weihnachtlich rot-weißen Volvo 65 gesorgt. Inzwischen hat die Mannschaft das Problem durch eine Notreparatur unter Kontrolle gebracht und segelt aktuell mit bestmöglicher Geschwindigkeit dem Ziel entgegen. Doch die Sorgen enden damit nicht. Wird alles bis in den am Abend des 23. Dezember noch rund 400 Seemeilen entfernt liegenden Etappenhafen Melbourne halten? Wie schnell wird der Schaden an Land nachhaltig behebbar sein? Und wie wird es im Rahmen der für den kurzen Pitstop verschärften Regeln funktionieren?

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Alle Strapazen dieser brutalen Sturm-Etappe und die aktuellen Sorgen um das Boot stehen ihr ins Gesicht geschrieben: Dongfeng-Seglerin Carolijn Brouwer

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Noch 24 Stunden kämpfen: Die mehrfache Nacra17-Weltmeisterin Marie Riou am Grinder. Ihr Team will trotz Bruch an Bord Platz zwei auf dieser Etappe verteidigen

In einem Pitstop-Hafen dürfen nicht mehr als zwei Shore-Crew-Mitglieder am Boot arbeiten. Es dürfen theoretisch auch keine Ersatzteile eingesetzt werden. Bereits am 2. Januar fällt der Startschuss zur vierten Etappe von Melbourne nach Hongkong. Die beiden im Dongfeng Race Team voraussichtlich zielgenau ausgewählten und technisch sehr versierten Mitglieder der Landmannschaft des Dongfeng Race Teams müssen das Boot also im Zusammenspiel mit den Seglern binnen acht Tagen für den anstehenden Pazifik-Ritt über 6000 Seemeilen fit machen. Der an seiner Befestigung am Boot angerissene Backbord-Beschlag der Kiel-Mechanik muss geprüft und repariert werden. Das System hat außerdem Hydrauliköl verloren. Vorschiffsmann Jack Boutell erklärte: "Wir sind nicht ganz sicher, wie das passiert ist. Wir denken, es kommt davon, dass der Rumpf immer wieder stark in die Wellen geschlagen ist. Dabei ist viel Wasser eingedrungen und hat den größten Teil des Bootes gefüllt. Und wir haben Öl aus dem System verloren. Also ist der Kiel umhergeschlagen. Da war nichts, was ihn festgehalten hat."

Der Überblick und die Aussichten für den mit Spannung erwarteten Finalsprint. Die führenden Boote werden Melbourne voraussichtlich Heiligabend erreichen

Für das Dongfeng Race Team ist es das erste größere technische Problem in der laufenden 13. Auflage des Volvo Ocean Race. "Wir können nur hoffen, dass unsere Verluste uns nicht den zweiten Platz kosten. Also, lasst uns durchstarten, denn ich denke, dass wir diesen zweiten Platz verdienen", sagte Caudrelier am Tag vor Heiligabend kämpferisch. Für die Franzosen beginnt das Weihnachtsfest – wie in Deutschland – für viele Menschen am 24. Dezember mit dem Kirchgang und dem meist fröhlichen Réveillon (das Weihnachtsessen). Geschenke werden in der Regel erst am 25. Dezember ausgepackt. Im Fall von Charles Caudrelier und seinem Team wird es eher das Boot sein, das sie nach allen Regeln der Bootsbaukunst "auspacken" werden.

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Etappe 3: Schlussspurt auf Kurs Melbourne

Nach aktuellen Berechnungen sah es am Samstagabend so aus, dass Mapfre Melbourne an Heilgabend noch vor Mitternacht, Dongfeng aber erst nach Mitternacht in den frühen Morgenstunden des 1. Weihnachtsgaes erreichen wird. Die letzten Stunden der Etappe versprechen dazu einige Spannung, denn die Verfolger sind zuletzt auf deutlich anderem Kurs stark aufgekommen. Vestas 11th Hour Racing lag nach dem Wiederauftauchen aus dem "unsichtbaren" Stealth-Modus nur noch rund 13 Seemeilen hinter Dongfeng. Weitere 15 Seemeilen dahinter segelte Bouwe Bekkings Team Brunel dem Zielhafen und dem Weihnachtsfest an Land mit knapp 24 Knoten als schnellstes Boot der führenden Gruppe entgegen. Vestas und Brunel waren wesentlich später aus dem Südpolarmeer nach Norden abgebogen und segeln Melbourne mit besseren Winden entgegen. Reicht das noch für eine Attacke?

Hier geht es zum Live-Tracker, der auf dem letzten Stück ins Ziel permanent aktualisiert wird.

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Wieder im Spiel: Team Brunel hat sich mit guter Positionierung zumindest eine Chance im Kampf um den dritten Podiumsplatz erarbeitet. Die Entscheidung wird voraussichtlich am 1. Weihnachtstag fallen

Tatjana Pokorny am 23.12.2017

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