Volvo Ocean Race

Designwettbewerb: "Durchdacht bis ins letzte Detail!"

Die Macher des Volvo Ocean Race wollten Inshore-Regatten auf Foils etablieren. Zwei Wettbewerbsstudien wurden jetzt veröffentlicht

Lars Bolle am 13.11.2017
Volvo Ocean Race Foiler
D3 Applied Technologies

Entwurf eines neuen Volvo-Foilers

Die Pläne des zurückgetretenen Geschäftsführers des Volvo Ocean Race Mark Turner waren weittragend. Schon in zwei Jahren sollte zum Neustart geschossen werden. Ein neues Boot war geplant, der Super 60, der auch bei den Einhand-Regatten der Imoca-Klasse, wie der Vendée Globe, teilnahmeberechtigt wäre. Und es sollte neue Inshore Races während der Etappenstopps geben, auf neuartigen, foilenden Katamaranen.

Für diese wurde ein Konstruktionswettbewerb ausgerufen, an dem sich namhafte Designbüros beteiligten.

Ob es zu irgendwelchen dieser Neuerungen kommt, ist derzeit jedoch sehr fraglich. Ein neuer Rennverantwortlicher wurde noch nicht benannt, offiziell hieß es sogar, dass derzeit alles auf dem Prüfstand stehe, der Zeitplan wie auch das Bootskonzept. Es könne sogar sein, dass auch die kommende Auflage wieder auf den derzeit nach Kapstadt segelnden Volvo 65 Racern stattfinden könne.

Fotostrecke: Volvo Super 40

Die ungewisse Zukunft des Rennens veranlasste nun zwei Wettbewerbsteilnehmer, mit ihren Entwürfen an die Öffentlichkeit zu gehen. "Die Veranstalter hatten zugesichert, vor dem Start der zweiten Etappe das Siegerdesign bekannt zu geben", sagt der Spanier Gonzalo Redondo vom Ingenieurbüro d3 Applied Technologies gegenüber YACHT online. "Das ist jedoch nicht passiert, und wir wissen auch nicht, ob es überhaupt noch dazu kommt. Wir glauben jedoch, einen sehr interessanten Entwurf entwickelt zu haben und wollten diesen jetzt vorstellen, wo er neu und aktuell ist, und nicht irgendwann und dann vielleicht im Rahmen einer generellen Absage an die Idee."

Verständlich in Anbetracht des äußerst interessanten Entwurfs. Redondo war bereits an der Entwicklung des Volvo 70 beteiligt, mit dem das französische Team Groupama das Volvo Ocean Race gewann, sein Büro beschäftigt sich zudem seit langem mit der Entwicklung von Hightech-Katamaranen.

Der Entwurf für das Volvo Ocean Race ähnelt stark einem der America’s-Cup-Foiler, die im Juni vor Bermuda segelten – jedoch mit einigen gravierenden Unterschieden, nötig wegen der Vorgaben des Initiators der neuen Hafenrennen Mark Turner. So sollte das neue Boot schnell und einfach aufzubauen und zerlegbar sein und in einen 40-Fuß-Container passen, um mit geringstmöglichem Aufwand von einem Etappenort zum nächsten transportierbar zu sein. Außerdem sollte ein Gast einen sicheren Platz an Bord haben, um Sponsoren oder Medienvertretern eine Mitsegelgelegenheit zu bieten.

Der Volvo Super 40 würde, sollte er jemals gebaut werden, auf Foils ähnlich denen beim America’s Cup segeln. Im zentralen Element ist ein Platz für einen Gast an Bord vorgesehen. Der eigentliche Clou jedoch ist die Verbindung der Rümpfe mit der Mittelsektion über Scharniere. So lassen sich die Schwimmer anklappen, und das ganze Boot schrumpft auf Containerbreite. Auf ein Flügelsegel wurde zugunsten eines herkömmlichen Segels verzichtet, da dieses leichter zu bergen und zu transportieren ist. Dessen Design mit bündig zur Plattform abschließendem Unterliek ähnelt stark der jüngsten Entwicklung bei den A-Cats, an der Retondo auch beteiligt ist. (Die Projektvorstellung können Sie hier als PDF herunterladen).

Roland Gäbler, einer der erfolgreichsten Katamaran-Segler Deutschlands und Cup-Enthusiast, zeigt sich von dem Entwurf begeistert: "Wow, was für ein geniales Design! Das nächste Level für das Inshore Racing ist geboren. Durchdacht bis ins letzte Detail. Im Grunde war es ja auch die logische Konsequenz. Die Flugshow des AC vor Bermuda hat die Segelwelt begeistert. Dort wurde ein neues Zeitalter im Segelsport präsentiert. 100 Prozent Foiling Time. Konstant fliegen auf allen Kursen! Das muss doch irgendwie weitergehen..."

Ein weiterer Entwurf des Konstruktionswettbewerbes ist eine foilende Proa. Diese stellen wir morgen auf YACHT online vor.
 

Lars Bolle am 13.11.2017

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