Volvo Ocean Race

Auf Kurs Äquator: Die Doldrums-Lotterie läuft

Die erwartete Flotten-Kompression hat begonnen. Spitze und Schlusslicht trennen nur noch 55 Meilen, während an Bord von "AkzoNobel" neuer Frust ausgebrochen ist

Tatjana Pokorny am 12.11.2017
Volvo Ocean Race 2017/2018
Martin Keruzore/Dongfeng Race Team

Auf Kurs Äquator: Wo ist der Wind?

Nach sieben Tagen und rund 3000 Seemeilen auf See hat auf Kurs Äquator die erwartete Kompression der Flotte begonnen: Spitzenreiter bleibt einige 100 Seemeilen vor der Halbzeit der zweiten Etappe zwar weiter Charles Caudreliers Dongfeng Race Team, doch die Verfolger waren dem Boot unter chinesischer Flagge am Sonntagabend schon sehr nahe gekommen.

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Hier wird unter Deck beim Spitzenreiter Dongfeng für die Verteidigung der Führung auf Etappe 2 gearbeitet: Derryl Wislang und Jackson Bouttell reparieren die J1

Mit nur 1,4 Seemeilen Rückstand attackierte Xabi Fernandez' spanisches Team Mapfre Dongfeng kurz vor Beginn der zweiten Etappen-Woche massiv. Weitere 6,3 Seemeilen dahinter lauerte auf Rang drei mit Vestas 11th Hour Racing der Sieger von Etappe 1 auf eine Überhol-Möglichkeit. Den größten Sprung nach vorn hat in den letzten Tagen Bouwe Bekkings Team Brunel gemacht. Am Sonntagabend lagen die "Gelben" nur noch 9,7 Seemeilen hinter dem führenden Boot. Nur vier Seemeilen Rückstand auf das holländische Team Brunel hatte zu diesem Zeitpunkt Bekkings Landsmann Simeon Tienpont mit seinem Team AkzoNobel, das zwei Tage zuvor eine deutlich bessere Platzierung durch einen eigenen Fehler verschenkt hatte. Das berichtete Neuzugang und Wachführer Chris Nicholson überraschend deutlich von Bord: "Wir müssen diese dummen Fehler aus dem System kriegen. Es hat einen Kommunikationsfehler bei der Entscheidung über den weiteren Kurs gegeben. Wir hätten Zweiter sein können, nun sind wir Vierter." Inzwischen ist daraus sogar ein vorläufiger fünfter Rang geworden.

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Im Zusammenspiel an Deck: "AkzoNobel"-Neuzugang und Wachführer Chris Nicholson und der Däne Nicolai Sehested

Auffällig war am Sonntagabend, dass Comeback-Skipper Simeon Tienpont, der sich seine Rolle nach dem Rausschmiss vor dem holländischen Schiedsgerichtshof kurz vor dem Start zur ersten Etappe zurückerstritten hatte, in einer sehr ausführlichen, mehrseitigen AkzoNobel-Zusammenfassung zur ersten Etappen-Woche nicht ein einziges Mal erwähnt oder zitiert wird und auch die Fehlentscheidung nicht kommentiert. Nur auf der Crew-Liste steht er als Skipper. Stattdessen berichten seine australischen Crew-Kameraden Luke Malloy und Chris Nicholson in der Mitteilung über die Ereignisse. Dabei kritisierte Nicholson die Fehler des Teams scharf, nannte allerdings keine Verantwortlichen. In der gleichen Interview-Serie von Bord übernahm der britische Navigator Jules Salter wenig später die Verantwortung für das Missverständnis zwischen der Wache und ihm selbst. Skipper Tienpont wird auch in dem ausführlichen Clip nur kurz und wenig erfreut am Steuer gezeigt. Das folgende Video von Samstag macht deutlich: Es herrschte nach dem Fehler mehr Frust als Lust an Bord von "AkzoNobel".

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Die letzten Tage liefen nicht optimal, doch das Team von Skipper Simeon Tienpont ist weiter dran an der Spitze

Wachführer Chris Nicholson, Brad Farrand und Navigator Jules Salter geben sehr offen Auskunft über Fehlentscheidungen an Bord. Skipper Simeon Tienpont kommt nicht zu Wort, wird nur kurz gezeigt

Mit etwas mehr Abstand rangen Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic und David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag am Ende der ersten Woche um Anschluss. Caffaris 50:50-Mixed-Team konnte den ehemals dreistelligen Meilen-Abstand auf das Top-Boot nach dem Wiederauftauchen aus dem "Stealth-Modus" inzwischen auf nur noch 44,8 Seemeilen drücken, weil die führenden Boote die leichteren Winde rund um den Kalmengürtel zuerst erreicht hatten und langsamer geworden waren. Das Team Sun Hung Kai Scallywag lag am Sonntag weitere zehn Seemeilen dahinter zunächst auf dem siebten und letzten Platz.

Die führenden Boote werden am frühen Montagmorgen am Äquator erwartet. Für die kommenden 48 Stunden sind unbeständige Winde vorhergesagt, die allen Dongfeng-Verfolgern Chancen zum Wiederanschluss an die Flotte bieten könnten. Die Doldrums-Lotterie läuft auf Hochtouren. Mit dem Eintreffen der Flotte im Zwischenstopp-Hafen Kapstadt wird derzeit am 28. oder 29. November gerechnet.

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Steuert ihrer Äquatortaufe bei der Volvo-Ocean-Race-Premiere entgegen: 49erFX-Olympiasiegerin Martine Grael aus Brasilien an Bord von "AkzoNobel"

Tatjana Pokorny am 12.11.2017

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