Volvo Ocean Race

Attacke vor Alicante: spektakuläre Jagdszenen zum Auftakt

Gleich zu Beginn haben die Top-Favoriten der Konkurrenz die Zähne gezeigt. Allen voran die Dongfeng-Crew, die knapp zwei Stunden nach dem Start führte

Tatjana Pokorny am 22.10.2017
Volvo Ocean Race 2017/2018
Ainhoa Sanchez

Fantastische Bilder, Positionswechsel in Serie und rasende Boote haben die Live-Übertragung des Starts in die 13. Auflage des Volvo Ocean Race zu einem echten Leckerbissen für Segelfans gemacht. Selten wurde ein Regatta-Auftakt so gut in Szene gesetzt. Daran hatten die sieben Teams in Angriffslaune ebenso Anteil wie die riesige Zuschauerflotte vor Alicante, die den Kurs teilweise in einen anspruchsvollen Hindernis-Parcours verwandelt hatte.

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Spaniens früherer König wünscht dem spanischen Team Mapfre Glück fürs Rennen um die Welt

Der beste Start war zunächst Außenseiter Sun Hung Kai / Scallywag mit dem australischen Skipper David Witt gelungen, doch schnell machten die mitfavorisierten Teams Mapfre und Dongfeng klar, wer in diesem Rennen um die Welt das Sagen haben will. Auch Bouwe Bekkings erfahrenes Team Brunel erholte sich zügig vom nicht ganz gelungenen Start. Und bald schon sah man dieses rot-rot-gelbe Trio an der Spitze der Flotte um die Positionen rangeln.

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Bei "null" sah es an der Startlinie für "Sun Hung Kai / Scallywag" sehr gut, für die beiden holländischen Boote eher mittelprächtig aus

Allerdings nicht sehr lange, denn der für seinen furiosen Segelstil bekannte Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier nutzte eine Chance zur Attacke, zwang seine beiden Konkurrenten Mapfre und Brunel im Dreikampf zum Ausweichen, was beiden nach Einschätzung der Schiedsrichter auf dem Wasser nicht regelkonform gelang. Da setzte es eine Dreiviertelstunde nach dem Startschuss die ersten Strafen im noch jungen Rennen. Sowohl Mapfre als auch Brunel musste bereinigen und fielen zunächst zurück.

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Die Dongfeng-Attacke in vier Bildern... Hier greift Skipper und Steuermann Charles Caudrelier mit Vorfahrt an

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Die Dongfeng-Attacke, Teil 2a: "Brunel" gerät zur Sandwich-Füllung

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Die Dongfeng-Attacke, Teil 2b: die gleiche Szene, mit etwas mehr Abstand beobachtet

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Die Dongfeng-Attacke, Teil 3: "Brunel" kann sich befreien und am schnellsten beschleunigen. Skipper Bouwe Bekking hilft das aber nicht, denn er kassiert wie "Mapfre" einen Penalty. Lachender Dritter ist Angreifer "Dongfeng", dessen Angriffs-Taktik sich für das französisch geprägte Team unter chinesischer Flagge in idealer Weise ausgezahlt hat 

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Nach den ersten Stunden souveräner Spitzenreiter: das Dongfeng Race Team

Auch im Mittelfeld spielten sich teilweise packende Szenen ab. So etwa ein Duell zwischen Sun Hung Kai / Scallywag und Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic. Die einzige Skipperin in der Flotte mit weiteren sechs männlichen Rivalen jagte den Australier und seine Crew unter Hongkongs Flagge derart konsequent und im Zickzack durch die aufgereihten Zuschauerboote, dass man als Beobachter kurz das Atmen vergaß. Rund zwei Stunden nach dem Start lag Dongfeng souverän in Führung. Dahinter hatte sich bereits wieder das erneut stark aufkommende spanische Team Mapfre mit Skipper Xabi Fernandez auf eine Angriffsposition vorgearbeitet. Auf Rang drei lag überraschend Dee Caffaris junges Mixed-Team, während Team Brunel nach dem Rückschlag Boden gutzumachen versuchte – rund drei Stunden nach dem Start mit 19,5 Knoten Geschwindigkeit, der schnellsten in der gesamten Flotte.

Das war knapp: Wie Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic durch die Flotte der Zuschauer-Boote rast

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Nach gut zwei Stunden lag ihr junges Mixed-Team überraschend auf Platz drei: "Turn the Tide on Plastic"-Skipperin Dee Caffari schenkte der männlichen Konkurrenz in der Startphase keinen Millimeter und scheute auch engste Duelle nicht

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Packende Jagd mit fast dramatisch engen Szenen, in denen Dee Caffari ihren Kontrahenten David Witt auf Sun Hung Kai / Scallywag vor sich hertreibt

Dass Simeon Tienpont und sein holländisches Team AkzoNobel zunächst nur auf dem letzten Rang lagen, darf nach den Dramen der letzten Tage kaum jemanden verwundern. 24 Stunden vor dem Start hatte der Niederländer noch vor dem Schiedsgericht in seiner Heimat um sein Comeback gekämpft. Vier erfahrene Crew-Mitglieder, darunter Interims-Skipper Brad Jackson, hatten sich danach gegen eine Teilnahme an der ersten Etappe entschieden. So musste Tienpont mit seinen verbliebenen treuen Mitseglern und Ersatzleuten antreten.

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Simeon Tienpont ist zurück in seinem Team, hat die Skipper-Rolle auf "AkzoNobel" kurz vor dem Start wieder übernommen. Die Freude darüber ist seinem Gesicht ebenso anzusehen wie die Strapazen der vergangenen Tage

In einer sieben Minuten vor dem Startschuss veröffentlichten Pressemitteilung des Teams AkzoNobel sagte Tienpont über die emotionale Achterbahnfahrt seiner Mannschaft in den vergangenen Tagen (YACHT online berichtete): "Das war ganz offensichtlich eine unglaublich harte Zeit für alle Beteiligten. Persönlich bin ich erleichtert, endlich wieder bei meinem Team zu sein und mit unserer Volvo-Ocean-Race-Kampagne durchstarten zu können." Tienpont bedankte sich auch bei jenen, die ihm nun für diese erste Etappe die Gefolgschaft versagt haben. Die Treue haben ihm Vorschiffsmann Brad Farrand (Neuseeland), Martine Grael (Brasilien), Luke Molloy (Australien), Emily Nagel (Bermuda) und Nicolai Sehested (Dänemark) gehalten. Als spontane Ersatzleute kamen dazu: Navigator Ross Monson (Großbritannien) und Antonio Fontes (Portugal). Fontes kam – mit explizitem Dank von Simeon Tienpont an David Witt und dessen Team Sun Hung Kai / Scallywag – spontan als "Leihgabe" der gegnerischen Mannschaft. Eine faire Geste des australischen Skippers und Haudegens gegenüber dem Niederländer mit dem Rücken zu Wand, der dadurch immerhin mit acht statt der geplanten neun Crew-Mitglieder starten konnte.

Tatjana Pokorny am 22.10.2017

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