Vendée Globe

"Ich würde mein Geld auf Alex setzen"

Vendée-Globe-Legende Michel Desjoyeaux traut dem Briten den Sieg noch zu. Und tatsächlich setzt "Hugo Boss" Armel Le Cléac'h mächtig unter Druck

Andreas Fritsch am 09.01.2017
Hugo Boss
Cleo Barnham/Alex Thomson Racing

Hugo Boss im Tiefflug

In einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Télégramme" äußerte sich der zweimalige Vendée-Globe-Gewinner Michel Desjoyeaux zu dem derzeitigen Fight zwischen den beiden Führenden. Beide hatten ihre starken und schwachen Momente, erklärt der Franzose. Thomson habe bei der Passage der Kapverden eine tolle Leistung gezeigt, später im Southern Ocean am Rand der Eisgrenze ebenfalls ein paar sehr starke Entscheidungen getroffen. Dafür habe er vor der Küste Argentiniens eine gute Chance verpasst: "Auf meinen Wettermodellen am Rechner wäre er jetzt vorn, hätte er dort die richtige Entscheidung getroffen!"

Alex Thomson hatte eine langsame Nacht in den Doldrums

Obwohl Desjoyeaux meint, Armel Le Cléac'h habe insgesamt die bessere Leistung gezeigt, besonders im Pazifik, hält er es für denkbar, dass Alex Thomson den Führenden noch bis zum Ziel überholen könnte. "Armel erwartet ein sehr komplizierter Nordatlantik. Als ich die Daten durch den Rechner laufen ließ, kamen die drei führenden Boote innerhalb von zwölf Stunden ins Ziel!" Ein Comeback sei durchaus möglich, zumal fast die gesamte Strecke auf Backbordbug gesegelt werden wird, der auf der Thomson noch ein intaktes Foil hat. Und dass sein Open 60 schnell ist, habe er bewiesen. Auf die Frage, auf wenn er für den Sieg setzen würde, sagte Desjoyeaux: "Ich bin ein Spieler, ich würde auf Thomson setzen!"

Zurzeit hat sich der Brite bis auf 77 Seemeilen an den Führenden herangepirscht, doch Le Cléac'h wird heute auch früher den Doldrums entkommen und wieder Meilen gutmachen. Schon heute Morgen um 9 Uhr war das Pendel wieder zugunsten von "Banque Populaire VIII" ausgeschlagen, die mit 10 Knoten gut drei Knoten schneller war. Bis morgen dürfte der Abstand wahrscheinlich wieder auf 150 Meilen oder mehr anwachsen. Aber beide fahren auf eine höchst instabile Wettersituation zu. Um die Kapverden liegt ein großes Tief, das sich langsam auflöst und sehr "löchrige" Windverhältnisse hinterlassen wird, die sich erst in den nächsten Tagen stabilisieren dürften – gute "Chancen", dass sich einer der beiden Skipper verroutet und irgendwo für einen halben Tag einparkt. Es bleibt also spannend bis zum Ziel.

Zusammenfassung des 63. Renntages

Lachender Dritter am Wochenende war Jérémie Beyou, der mit seiner "Maitre Coq" den beiden Führenden fast 200 Meilen abnehmen konnte und bis auf 585 Seemeilen herankam. Doch jetzt fährt er in die Doldrums, und der Abstand dürfte wieder etwas ansteigen – der berühmte "Gummiband-Effekt" der Kalmen. Aber insgesamt prophezeien ihm die Wettermodelle ein weit schmaleres Band der flauen Wind als die etwa 300 bis 350 Seemeilen, die Thomson und Le Cléac'h durchqueren mussten.

Rennen

Stand des Rennens heute Morgen

Als achter Skipper passierte der 63-jährige Nandor Fa gestern mit seiner "Spirit of Hungary" gestern Kap Hoorn, 16 Tage nach dem Führenden. Es war insgesamt die fünfte Rundung für den Ungarn, der bislang ein hervorragendes Rennen bestreitet. Seinen Open 60 hatte er selbst designt und mit viel Eigenarbeit in Ungarn gebaut. 

Andreas Fritsch am 09.01.2017

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