Vendée Globe

Erst wird es schwierig, dann richtig kompliziert ...

Das Führungsduo Le Cléac'h und Thomson erreicht zum Wochenende die Doldrums. Anschließend erwartet sie ein extrem kompliziertes Wetterszenario

Andreas Fritsch am 06.01.2017
Vendee Globe 2016 Team Banque Pop VIII PR_45
Yvan Zedda/BPCE

"Banque Populaire VIII"

Knapp 320 Seemeilen trennen den Verfolger Alex Thomson mit seiner "Hugo Boss" derzeit vom Führenden Armel Le Cléac'h. In der Nacht konnte der Brite ein paar Meilen gutmachen, aber zurzeit segeln beide Boot wieder mit fast identischem Speed um die 18 bis 19 Knoten nordwärts. In Kürze dürfte der Franzose die Doldrums erreichen und langsamer werden – doch das Gleiche blüht dem Zweitplatzierten spätestens morgen auch. Schlimmer noch: Die zuvor relativ schmale Schwachwindzone um den Äquator scheint sich direkt vor ihnen deutlich in Nord-Süd-Richtung auszudehnen. Im Laufe des Samstags dürfte "Banque Populaire VIII" dann den Äquator passieren.

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Stand des Rennens heute Morgen

Wer bei dieser Querung Meilen gewinnen oder verlieren wird, ist schwer vorherzusagen, doch das Polster sollte dem Franzosen eigentlich reichen, die Führung zu verteidigen. Allerdings segelt "Hugo Boss" seit ein paar Tagen auf Backbordbug und kann endlich wieder voll die Vorteile seines intakten Foils aussspielen. Doch die ein, zwei Knoten Speedvorteil, die der Brite damit oft im Vergleich zu seinem Rivalen vor ihm hatte, werden allein nicht reichen, um Le Cléac'h vor dem Ziel noch abzufangen. 

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Die Situation, wie sie sich wahrscheinlich in 48 Stunden darstellen wird. Das Tief zwischen den Azoren und den Kapverden ist gut zu sehen

Haben die beiden sich gegen Ende des Wochenendes dort hindurchgearbeitet, wird es noch komplizierter. Zwischen den Azoren und den Kapverden hat sich ein riesiges Tief gebildet, das dort die nächsten Tage ziemlich stationär bleiben und an seiner Südseite für knifflige Leichtwind-Bedingungen sorgen wird, besonders wenn es sich dann später auflöst. Das sehr komplexe Wettergebilde könnte durchaus das Zeug haben, noch einmal für Spannung zu sorgen – oder aber Le Cléac'h endgültig enteilen zu lassen. 

Warum Thomson, der sich zeitweise auf bis zu 32 Seemeilen an Le Cléac'h herangearbeitet hatte, wieder so weit zurückgefallen ist, erzählte der Brite in einem Video von Bord: Ihm war der Decksbeschlag des Vorstags gerissen, sodass er sofort auf einen Vorm-Wind-Kurs abfallen musste, um sein Rigg zu retten. Dann begann ein mehrstündiger Kampf gegen ein wild schlagendes Vorstag samt Segel, das das Boot beschädigte, die Rollanlage und auch den Skipper gefährdete. Er zeigt sich im Video glücklich, dass er das Stag wieder befestigen konnte. "Es hätte auch das Rigg kommen können, und meine Vendée wäre zu Ende gewesen!" 

Alex Thomson erzählt von seinem Beinahe-Riggverlust

Lachender Dritter könnte der Drittplatzierte Jérémie Beyou sein. Mit etwas Glück schließt sich die große Flauten-Zone um die Doldrums kurz vor seiner Ankunft. Zurzeit ist sein Rückstand auf Alex Thomson mit rund 700 Seemeilen zwar wohl zu groß, um noch um den zweiten Platz zu kämpfen, aber den Rückstand könnte er womöglich deutlich reduzieren. Nach hinten braucht er sich wohl nicht zu orientieren – wie es aussieht, wird sein Verfolgertrio Jean-Pierre Dick, Jean Le Cam und Yann Eliès in einem Schwachwindgürtel am Wochenende Boden verlieren. 

Dahinter hat der Franzose Louis Burton, der mit seiner "Bureau Vallée" ein unauffälliges, aber extrem effizientes Rennen bestreitet, mittlerweile Kap Hoorn gerundet. Das liegt für den 1500 Seemeilen hinter ihm befindlichen Nandor Fa noch in weiter Ferne. Einsam zieht dieser seine Runden durch den Südpazifik, nachdem sein Verfolger und Ex-Co-Skipper Conrad Coleman durch seinen Beinahe-Riggverlust viele, viele Meilen eingebüßt hat.

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Stand des Rennens heute Morgen

Zwar konnte Coleman sein Vorstag wieder befestigen, er hat aber nach dem Verlust des daran aufgerollten Segels, das er abschneiden musste, nur noch drei Tücher für den Weg zurück nach Les Sables. Zudem ist er sich nicht sicher, dass sein Rigg noch voll belastbar ist; stundenlang nur vom inneren Vorstag gehalten, wurde es in 60-Knoten-Böen gehörig durchgeschüttelt. Zurzeit segelt Coleman mit gerade mal acht Knoten gen Kap Hoorn. Die Verfolger, die er zeitweise über 1000 Meilen abgehängt hatte, sind nun nur noch 200 Seemeilen entfernt. Bitter für den Kiwi, der mit einem weit unterlegenen Boot so viele Skipper hinter sich gelassen und so viele technische Probleme an Bord erfolgreich gelöst hat.

Andreas Fritsch am 06.01.2017

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