Vendée Globe

Bitterer Rückschlag kurz vor dem Ziel: Mastbruch!

Conrad Colman hatte es fast geschafft. 97 Prozent des Rennens um die Welt hatte er gemeistert. Jetzt stoppte ihn ein Mastbruch

Tatjana Pokorny am 11.02.2017
Conrad Colmans "Forsight Natural Energy" nach dem Mastbruch
Conrad Colman/Vendée Globe

Conrad Colmans "Forsight Natural Energy" nach dem Mastbruch

Wie gemein ist das denn? 300 Seemeilen von der Küste Portugals und nur knapp 800 Seemeilen vom Ziel entfernt, wurde der Neuseeländer Conrad Colman auf der Zielgeraden der Vendée Globe von einem Last-Minute-Mastbruch gestoppt. Der so hart erkämpfte und in greifbare Nähe gerückte zehnte Platz bei der härtesten Segelprüfung für Mensch und Boot: voraussichtlich futsch! Statt sich auf die Willkommensfeier im Zielhafen Les Sables d'Olonne zu freuen, muss Colmans Team nun intensiv arbeiten, gemeinsam mit dem enttäuschten, aber immer noch kampflustigen Skipper eine Lösung für die sichere Heimkehr der "Foresight Natural Energy" zu erarbeiten.

Vendée Globe 2016/2017

Ein Funk-Gespräch, das schmerzt: Conrad Colman muss seine Landmannschaft über den Mastbruch kurz vor dem Ziel informieren

In der Nacht zum Samstag hatte Colman seinem Team das gebrochene Rigg vermeldet. Der Skipper selbst hatte den Vorfall unbeschadet überstanden und konnte beim Freischneiden den weniger schwer beschädigten Baum retten. Der Neuseeländer war in nordöstlichen Winden zwischen 30 und 35 Knoten unter J3 und mit drei Reffs unterwegs, als sein Boot den Mast verlor. Zu dem Zeitpunkt hatte Colman bereits 97 Prozent seiner Vendée-Premiere und rund 26.500 Seemeilen absolviert.

Kein Wunder, dass der 33-jährige, der in Lorient in der Bretagne lebt, nicht ans Aufgeben denkt. Sobald sich die aufgewühlte See etwas beruhigt hat, will Colman versuchen, ein Notrigg zu stellen und die Küste ohne Hilfe von außen zu erreichen. Ob es "nur" bis nach Portugal geht oder Colman sogar den Zielhafen Les Sables d'Olonne ansteuern wird, will er in den kommenden Tagen entscheiden. In einer kurzen Nachricht von Bord schrieb der Kiwi: "Danke für die mutmachenden Mails von überall her. Ich hoffe, ich kann die Hoffnungen erfüllen und ohne Hilfe von außen Land erreichen. Ich tue alles, was in meiner Macht steht."

Colman war nicht der Einzige, für den dieses lange Wochenende kurz vor dem Zieldurchgang einen Rückschlag bereithielt. Auch der auf Platz neun liegende Eric Bellion – Spitzenreiter der verbliebenen Flotte von zehn Vendée-Skippern (acht sind im Ziel, elf ausgeschieden) – kämpft mit Bruch, nachdem der obere Teil seines Großsegels aus der defekten Mastschiene gesprungen ist. Bellion kann nicht mehr unter vollem Groß, sondern nur noch mit drei Reffs segeln. Er sei nicht in Gefahr, vermeldete der 40-jährige Pariser, aber das Vorankommen sei kompliziert.

Vendée Globe 2016/2017

Hier waren Großsegel und Mastschiene der "Comme un seul homme" noch intakt

Vendée Globe 2016/2017

Romain Attanasio

Während Bellion seinen neunten Platz trotzdem ins Ziel retten könnte, wird Colman seinen zehnten Rang wohl verlieren, wenn er das Rennen überhaupt fortsetzen kann. Rund 400 Seemeilen hinter ihm könnte Les Sables d'Olonnes Lokalmatador Arnaud Boissières mit "La Mie Cäeline" den Neuseeländer noch einholen. Weitere 200 Seemeilen dahinter kämpft der Journalist und Solosegler Fabrice Amedeo um Anschluss.

Die Vendée bleibt also spannend, auch wenn die vorderen Plätze längst vergeben sind. Auf Platz 16 etwa kämpft Sam Davies Ehemann Romain Attanasio um Anschluss an den Spanier Didac Costa, nachdem er zum dritten Mal mit einem unbekannten Objekt ("Ufo") kollidiert ist und dabei seine Kielaufhängung beschädigte. "Im Vergleich zu dem, was Conrad Colman passiert ist, ist es aber keine so ganz große Sache. Man hat ja immer Angst, dass einem so etwas so kurz vor dem Ziel passiert. Ich hoffe, er schafft es!"

Tatjana Pokorny am 11.02.2017

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