Star Sailors League

Neues Regattaformat für alle?

Derzeit läuft auf den Bahamas das Finale der Star Sailors League. Das Race-Format könnte richtungsweisend für andere Regatten sein

Lars Bolle am 02.12.2016
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Der Argentinier Facundo Olezza

Im Januar 2012, nach den letzten Olympischen Spielen für das Starboot, kreierten einige Starbootsegler, darunter federführend die Brasilianer Torben Grael und Robert Scheidt, eine neue Regattaserie. Nach dem Vorbild des Tennissports, der ATP World Tour, wurde verschiedene Starbootregatten zusammen gewertet. Die besten dieser Wertung plus ehemalige Starboot-Größen und einige Newcomer werden dann zum Finale eingeladen, in dem um Preisgeld gesegelt wird. Dieses Finale läuft für die Serie 2016 derzeit auf den Bahamas, es geht um ein Gesamt-Preisgeld von 200.000 US-Dollar, wovon der Sieger den Löwenanteil erhält.

Wohl nie zuvor im Segelsport gab es eine Regatta, bei der so viele Segelgrößen gegeneinander antreten wie bei der Star Sailors League. 16 olympische Medaillengewinner, America's-Cup-Sieger und 19 Weltmeister aus 17 Nationen sind vor Nassau am Start.

Dabei geht es auch darum, dem Segelsport seit langem bekannte Namen wieder ins Gedächtnis zu rufen. Durch den Wandel beim America’s Cup, dem Wechsel zu foilenden Katamaranen, wurde eine ganz spezielle Klientel von diesem Teil des Grand-Prix-Segelns abgehängt. Ehemalige Finn-Dinghy und Starbootsegler, die wegen ihrer kräftigen Statur und ihrer seglerischen Prägung nicht unbedingt für das Segeln auf Foils geeignet sind. Beide Klassen, wie auch etwa Laser oder 470er, sind eher taktisch geprägt, mit vielen Wenden auf der Kreuz, sehr kleinräumigem Agieren. Beim Foilen geht es bisher jedoch eher um Speed und Strategie. Ausnahmen wie Sir Ben Ainslie, der den Sprung vom Finn in den britischen AC-Kat schaffte, bestätigen die Regel.

Mit der Star Sailors League soll eine Art Gegenbewegung zu dieser Entwicklung gesetzt werden. Die Boote gehören den Teilnehmern oder werden gestellt, ebenso wie der Vorschoter für all jene, die aus anderen Klassen kommen. "Wir wollen allen Teilnehmern so die Chance geben, sowohl technisch schnell aufzuschließen mit einem Vorschoter, der das Boot richtig trimmen kann, als auch gewichtsneutral zu segeln, da wir durch das Crew-Gewichtslimit auf annähernd gleich schwere Mannschaften kommen", sagt Robert Scheidt. Dass das funktionieren kann, zeigt beim Finale der erst 22-jährige Argentinier Facundo Olezza, der bei den Olympischen Spielen 2016 neunter im Finn Dinghy Wurde und vor dem letzten Qualifikationstag auf rang neun lag. Oder der Däne Jonas Hogh-Christensen (35), ebenfalls Finn-Segler, Olympia-Silbermedaillengewinner und vor Bermuda auf Rang 10.

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Das Race-Format

Doch nicht nur die Zusammenstellung der Teilnehmer, auch das Race-Format ist bei dieser Veranstaltung etwas besonderes. Nach den Qualifikationsregatten kommen die besten zehn Mannschaften weiter in den Finaltag. Doch dorthin nehmen sie wie bei den Olympischen Spielen oder wie bei Weltcup-Regatten nicht die Punktzahl der Vorrunden mit, sondern die Uhr wird auf Null gestellt, alle Punkte werden gestrichen. Es kommt in der Qualifikation also einzig darauf an, unter die top Ten zu gelangen. Einzig die beiden Bestplatzierten aus der Qualifikation haben einen Vorteil, der Erstplatzierte kommt direkt weiter ins Finale, der Zweitplatzierte ins Halbfinale.

Die nächsten acht Teams segeln also zunächtst das Viertelfinale, nur ein Rennen. Die besten vier daraus plus der Zweitplatzierte das Semifinale, die besten drei plus der Erstplatzierte das Finale. Über den Sieg entscheidet also allein das letzte Rennen, jeder der vier Finalisten hat dieselbe Chance.

In einem Sport, der mit langen Rennserien den Zufallsfaktor, manchmal wetter-, manchmal Materialbedingt eliminieren will, ist das Eche der Teilnehmer auf diesen eigentlich brutalen Modus überraschend positiv. "Ich finde es gut, dass alle wieder bei Null beginnen", sagt Hogh-Christensen stellvertretend für die allermeisten. "Ich finde, der Weltseglerverband sollte das Format auch für andere Regatten übernehmen." Und Olezza ergänzt: "Auch die Olympischen Spiele sollten das übernehmen."

Zumindest für Weltcupregatten scheint das nicht völlig unwahrscheinlich. Denn einer der Initiatoren, Torben Grael, wurde gerade zum Vizepräsidenten des Weltverbandes World Sailing gewählt. "World Sailing denkt bisher zu wenig an die Segler", sagte er in Nassau.

Lars Bolle am 02.12.2016

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