Segeln olympisch

Radikale Pläne: Offshore-Segeln für Olympia?

Noch bezeichnet World-Sailing-Präsident Kim Andersen aktuelle Berichte als "pure Fantasie". Aber: Geht es 2024 olympisch vielleicht auch offshore zur Sache?

Tatjana Pokorny am 12.12.2017
Heil/Plößel Bronze 49er
Sailing Energy/World Sailing

Die letzte olympische Medaille für den deutschen Segelsport gewannen die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel 2017 vor Rio mit Bronze im 49er

Der Segelsport soll sich olympisch modernisieren und künftig eine inhaltlich deutlich breitere, vor allem aber eine für Frauen und Männer ausgeglichene Auswahl bieten: Neben dem Austausch von Surfen gegen Kiten sind der Ausbau von Mixed-Disziplinen und die Neueinführung eines Offshore-Wettbewerbs angedacht. Die radikalen Veränderungen könnten schon 2024 greifen, wenn der Segelsport in einem seiner stärksten europäischen Länder unter den fünf Ringen ausgetragen wird: Frankreich.

Hier soll 2023 unter Segeln und vielleicht auch Kitesurf auf dem Wasser um olympische Medaillen gekämpft werden

Als erstes Online-Magazin hatte das meist gut informierte Sailing Illustrated heute einige neue Ideen und Pläne im Detail vorgestellt. Mit Unterstützung von World-Sailing-Präsident Kim Andersen und Geschäftsführer Andy Hunt könnte es nach Sailing-Illustrated-Informationen bereits zu Beginn des Jahres 2018 noch vor dem Halbjahres-Treffen des Weltverbandes eine Abstimmung per Email über das neue Programm für 2024 geben. Einhand-Disziplinen für Männer blieben demnach Laser und Finn Dinghi, während ein Foiling-Kite das RS:X-Surbrett ersetzen soll. Vergleichbare Solo-Disziplinen seien für die Frauen angedacht: Zum Laser Radial soll eine neue Einhandjolle für leichtere Athletinnen und ebenfalls ein Foiling-Kite kommen. Damit wären sechs Einhand-Klassen beisammen. Aus den beiden 470er-Disziplinen für Männer und Frauen soll eine Mixed-Disziplin werden. Ebenso aus den beiden Highperformance-Jollen 49er und 49erFX. Der foilende Nacra17 bliebe nach den durchgesickerten Plänen eine Mixed-Disziplin.

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Kim Andersen: "Pure Fantasie"

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Der Clou: Angedacht ist laut Sailing Illustrated außerdem die Einführung einer ebenfalls gemischten Zweihand-Offshore-Klasse, deren olympisches Programm mindestens ein Rennen über Nacht enthalten soll. Mit diesen neuen Plänen könnte die Anzahl von olympischen Seglerinnen und Seglern auf ein Niveau angehoben werden – ein erklärtes strategisches Ziel von sowohl dem Weltseglerverband World Sailing als auch dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dessen Agenda 2020. Auf Nachfrage von YACHT online bezeichnete World-Sailing-Präsident Kim Anderson die aktuelle Berichterstattung "bei Facebook" als "'Freie Fantasie' von Leuten, denen nicht klar ist, welche Entscheidungen gefallen sind und wie der Prozess bei World Sailing abläuft". Er könne die Berichterstattung deshalb nicht kommentieren. Wer sich, so Henderson, für die Entscheidungen interessiere, der könne sie im Replay der Live-Übertragungen vom Council Meeting im November in Mexiko nachverfolgen. Unstrittig ist in jedem Fall die schnellstmögliche Wiederaufnahme des paralympischen Segelsports ins Programm.

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Philipp Buhl: "Die Persönlichkeiten des Sports besser in den Vordergrund stellen"

Star Sailors League 2017

Philipp Buhl

Während die unterschiedlichen Lager und Klassenvereinigungen die Pläne – je nach Betroffenheit – kritisieren oder bejubeln, betrachtet der Aktivensprecher des German Sailing Teams Allgemeineres die Entwicklung aus der Generalperspektive. Philipp Buhl, am Wochenende als Fünfter beim Finale der Star Sailors League vor Nassau ins Rampenlich gesegelt, sagte: "Ich verstehe nicht, warum es immer neue Klassen und Konstellationen sein müssen. Warum denkt World Sailing nicht mal drüber nach, durch die mediale Aufbereitung der Segelwettbewerbe ein höheres Interesse zu schaffen und unseren Sport attraktiver zu machen? Es sind immer nur neue, schnellere und gemischtere Klassen, die etwas Besonderes darstellen und positive Effekte erzielen sollen. Besser wäre es, an Inhalt und Art der Übertragungen zu arbeiten und die Persönlichkeiten des Sports besser in den Vordergrund zu stellen. Ein 4x100-Meter-Sprint ohne Usain Bolt ist eben nur halb so attraktiv. Auch wenn die Staffel gemixt und auf Foils stattfinden würde..."

Tatjana Pokorny am 12.12.2017

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