DCNAC-Spezial

"Wir denken über eine Neuauflage nach"

Organisatoren vom NRV und Titelsponsor DaimlerChrysler ziehen positive Bilanz - Entscheidung über Fortsetzung soll kurzfristig fallen

Jochen Rieker am 10.07.2003

Wiederholung 2008? Vieles sprach bei der Abschluss- Pressekonferenz für eine Neuauflage der DCNAC

Bei der Abschluss-Pressekonferenz zur DaimlerChrysler North Atlantic Challenge äußerten sich Teilnehmer und Organisatoren gestern durchweg zufrieden: "Eine echte Herausforderung, eine persönliche Bereicherung für alle Mitsegler" - so oder so ähnlich fielen die Kommentare aus. Eine Wiederholung der eigentlich einmaligen Regatta scheint inzwischen immer wahrscheinlicher.

Die Regatta ist zwar noch nicht zu Ende. Erst heute findet die Siegerehrung statt. Und die letzten der insgesamt 63 Teilnehmeryachten werden erst Mitte kommender Woche erwartet. Aber schon jetzt kann von einem vollen Erfolg gesprochen waren.

Vor allem das Interesse der Öffentlichkeit an der Regatta übertraf die kühnsten Träume der Organisatoren. Deshalb gehen Insider davon aus, dass es in absehbarer Zeit eine Neuauflage geben könnte.

Gunter Persiehl, Vorsitzender des ausrichtenden Norddeutschen Regatta Vereins (NRV), der die Transatlantikregatta zu Ehren des 100. Geburtstags des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS) organisiert hat, griff Spekulationen allerdings vor: "Wir haben jetzt drei Jahre für die Vorbereitung gebraucht. Wer also glaubt, bereits in zwei Jahren geht's wieder los, muss sich etwas gedulden."

Persiehl selbst kann sich eine Wiederholung frühestens in fünf Jahren vorstellen, also in 2008. Dann aber steht er dem NRV nicht mehr vor. Deshalb wolle er einer Entscheidung nicht vorgreifen. "Das war ein ganz großes Ereignis", sagte er. "Aber wir werden jetzt erst mal sehen, was wir noch besser machen können."

Nächstes Mal am Rad? Titelsponsor Gerhard Rötters, selbst Segler, plädiert für die Fortsetzung

Auch Gerhard Rötters, Niederlassungsleiter der DaimlerChrysler AG in Hamburg und damit Vertreter des Titelsponsors beantwortete die meistgestellte Frage nicht endgültig. "Aus Sponsorensicht ist die Regatta eindeutig als Erfolg zu werten. Wir haben Segelsport auf höchstem Niveau gesehen, wir haben spannende und auch dramatische Momente miterlebt."

Aber noch will er sich nicht festlegen. "Als Segler sage ich, wir müssen darauf aufbauen und diese große Chance nutzen. Als Geschäftsführer des Titelsponsors bin ich gezwungen, das ganze etwas nüchterner zu betrachten. Wir werden uns daher nach Ende der Veranstaltung zusammen setzen". Nur eins steht für Rötters schon jetzt fest: "Sollte es eine Neuauflage geben, dann wäre ich gerne mit meinem eigenen Schiff dabei."

Begeistert war auch Lawrence Huntington, Commodore des unterstützenden New York Yacht Clubs und Skipper der "Snow Lion". "Keiner von uns hat jemals einen solchen Empfang wie hier in Hamburg erlebt. Wir werden das nie vergessen. Ich habe schon viele Ozean-Rennen mitgesegelt, aber so eine wunderbare Ankunft noch nicht! Wir nehmen ganz große Erinnerungen mit nach Hause."

Huntington zeigte sich vor allem von der Internet-Präsenz beeindruckt. "Der DCNAC-Fleetracker, der die Positionen der Yachten stündlich aktualisiert abbildete, hat den Hochseesport verändert." Nicht nur die Yachten untereinander konnten sich über den Stand der Konkurrenz hervorragend informieren, auch die Öffentlichkeit wurde viel stärker mit einbezogen. Das war so bisher nicht möglich."

Die Abrufstatistik der Veranstaltungs-Website (www.dcnac.de) spiegelt das große Interesse wieder. Allein im Juni wurde die Seite fast 190.000 Mal aufgerufen. Das ist etwa die Hälfte der Visits von YACHT online, dem mit weitem Abstand größten Wasserpsortportal im deutschsprachigen Internet-Angebot.

Will DSV mobilisieren: "Elan"-Skipper Harald Baum, Dritter nach IMS, sieht DCNAC als "Riesenchance"

In den Augen der Segler auf dem Podium blitzte noch das Atlantikwasser, so frisch waren die Erlebnisse. Harald Baum, der mit seiner 30 Jahre alten "Elan" die 3619 zumeist harten Seemeilen über den Nordatlantik bewältigt hatte, berichtete begeistert von der Reise und den ungewöhnlich nassen Bedingungen unterwegs.

"Am Navigationstisch sitzend sah ich ständig das Wasser an mir vorbei rauschen. Die hochliegenden Fenster waren praktisch permanent überspült", so Baum. "Ich hatte vorher nicht gedacht, dass diese Regatta einen so großen Erfolg haben würde. Das ist eine große Chance, den Segelsport für das Publikum attraktiv zu machen", ergänzte der im Vorstand des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) für Freizeit- und Breitensport tätige Baum.

Gijs van Liebergen, Skipper der "King's Legend", berichtete vom Zusammenwachsen seiner Crew, die aus Mitarbeitern von DaimlerChrysler rekrutiert worden war, die er zuvor überhaupt nicht gekannt hatte. "Vor dem Start dachte ich noch, das wird eine 'Mission impossible'. Ich kannte die Crew nicht und die sich untereinander auch nicht. Bis auf ein paar Tage Training waren wir nie vorher zusammen gesegelt. Aber das Team ist gewachsen und gewachsen, und wir sind sogar unter die Top Zehn gefahren (Platz 9), das ist ein toller Erfolg", so der Holländer.

Die öffentliche Preisverleihung findet heute um 15 Uhr im Race Village auf der Kehrwiederspitze statt und dauert zirka zwei Stunden. Anschließend wird Audrey Mautang dem Publikum ab 20.30 Uhr mit Soul, Township, Gospel & Blues einheizen. Und ab 22.30 Uhr zünden die Veranstalter eine großes Feuerwerk im Hamburger Hafen.

Damit schließt das Race Village jedoch nicht. Am Sonnabend wird ab 15 Uhr das NDR-Hafenkonzert aufgezeichnet, während parallel die Auslaufparade der Teilnehmeryachten startet. Ein Feuerlöschboot wird die 46,31 Meter lange "Windrose", gefolgt von der "Snow Lion", der "UCA", der "Haspa Hamburg" an der Spitze der Parade anführen, die am Kaispeicher A (Kaiserhöft) elbabwärts einsetzt. Ab 14 Uhr sammeln sich die Schiffe, um 15.15 Uhr geht es los. Und abends gibt es auf der Bühne nochmals Party-Hits vom Feinsten.

Jochen Rieker am 10.07.2003

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