Einhand-Weltumsegelung

Wieder ein Nonstop-Rekordversuch gescheitert

Ruderschäden, Delaminationen – der Italiener Gaetano Mura muss sein Vorhaben, auf einer Class 40 als Schnellster um die Erde zu segeln, vorzeitig abbrechen

Jochen Rieker am 05.01.2017
Gaetano Mura muss Solo-Nonstop-Rekordversuch abbrechen
Team Italia/G. Mura

Nach Kollision mit Treibgut brachen Ruder und Struktur an Gaetano Muras "Italia"

Den Hafen von Fremantle an der Westküste Australiens anzulaufen wird ihm schon schwer genug gefallen sein. Damit war Gaetano Muras Nonstop-Rekordversuch offiziell gescheitert. Doch damit nicht genug, offenbarten sich bei der Durchsicht seiner Class 40 derart schwerwiegende Schäden, dass selbst an ein Weitersegeln außerhalb der Statuten des Word Sailing Speed Record Councils (WSSRC) nicht mehr zu denken ist. Stattdessen muss Mura seine "Italia" nun per Frachter in die Heimat bringen lassen.

Aus. Vorbei. Finito.

Es ist bereits das dritte Mal binnen eines Jahres, dass ein Solo-Nonstop-Rekordversuch auf einer Class 40 scheitert. Zuvor konnten der Deutsche Henrik Masekowitz wegen Beinbruchs und der Amerikaner Joe Harris nach zwei Reparaturstopps ihr Projekt nicht erfolgreich zu Ende bringen.

Damit besteht der Rekord von Guo Chuan weiter. Dieser brauchte 2013 für die große Runde 137 Tage und 20 Stunden. Der stets gut gelaunte und abenteuerlustige Chinese lebt allerdings nicht mehr. Voriges Jahr, als er mit dem ehemaligen Trimaran "Idec" von Francis Joyon unterwegs war, ging er bei einem Manöver über Bord und ertrank.

Jan Hamester, der auf seiner "Roaring Forty" derzeit seinerseits eine Solo-Nonstop-Bestmarke setzen will, dürfte kaum noch Chancen haben, die Zeit von Chuan zu verbessern. Er wurde schon im Nordatlantik von einem Sturmtief aufgehalten und liegt seit nunmehr zwei Wochen wegen einer schweren Entzündung im linken Bein vor der Küste Fernando de Noronhas vor Anker. Zudem ist sein Boot technisch nicht auf dem gleichen Stand wie Chuans oder Muras, die perfekt vorbereitet ins Rennen gegen die Zeit gingen.

Allerdings würde Hamesters Zeit, sofern er dennoch unter dem bestehenden Rekord bliebe, ohnehin nicht offiziell anerkannt. Denn er segelt ohne WSSRC-Tracker und erfüllt nicht die strengen Vorgaben der britischen Rekord-Wächter.

Gaetano Mura muss Solo-Nonstop-Rekordversuch abbrechen

Muras Class 40 "Italia"

Gaetano Mura hatte bereits am 9. Dezember, kurz nachdem er das Kap der Guten Hoffnung passiert hatte, eine Kollision mit einem unbekannten Hindernis. Dabei war nicht nur eines seiner Ruder lädiert worden, das er kurz darauf reparieren konnte, sondern auch der Rumpf im Unterwasserbereich.

Diese Schäden, so berichtet sein Team, hätten sich als "weit gravierender herausgestellt als zunächst angenommen". Es sei zu Delaminationen an der Struktur gekommen, die nur bei einem längeren Werftaufenthalt reparabel seien. Ferner müssten Autopilot, Watermaker und das Navigationssystem des Bootes instandgesetzt werden. Noch ist unklar, ob Mura diesen Herbst erneut starten will.

Korrektur:
In einer früheren Version dieses Berichts war zu lesen, dass es für Mura bereits der zweite Rückschlag sei, weil zuvor sein Vendee-Globe Projekt gescheitert war. Dies trifft nicht zu. Der von VPLP konstrierte Open 60 mit Foils, jetzt als "No Way Back" mit Pieter Heerema unterwegs um die Welt, war ursprünglich für Andrea Mura gebaut worden, der nach einer Absage seines Sponsors nicht an der Vendée teilnehmen konnte. Andrea stammt zwar auch aus Sardinien wie Gaetano Mura, die beiden sind aber nicht verwandt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen!

Jochen Rieker am 05.01.2017

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