Mini-Transat 2017

Wahnsinns-Finale auf der ersten Etappe

Ian Lipinski scheint unbezwingbar – und siegt mit nur 113 Sekunden Vorsprung denkbar knapp auf dem ersten Teilstück des Mini-Transat – Jörg Riechers kämpft noch

Jochen Rieker am 11.10.2017
Erster, aber völlig fertig: Ian Lipinski siegt auf der ersten Etappe des Mini-Transat
Mini-Transat

Es war ein Foto-Finish. Die sprichwörtlich letzte Halse sicherte dem seit zwei Jahren ungeschlagenen Skipper auf seinem Proto "Griffon.fr" den Sieg vor Arthur Léopold-Léger. Was für ein Ende dieses nervenaufreibenden Flauten-Thrillers, der selbst alte Mini-Transat-Recken zu Hause vor ihren Bildschirmen fesselte.

Am 8. Oktober hatte der Dominator der Klasse die Führung eingebüßt, als er sich in der Leichtwindzone um das Kern eines Tiefs über den Kanaren weit östlich des Großkreiskurses positioniert hatte. Es war ein riskanter Zug – und für Léopold-Léger die Chance, vorbeizuziehen. Drei Tage lang konnte er sich an der Spitze halten, konnte bis zu 30 Seemeilen zwischen sich und Lipinski bringen. Es sah phasenweise aus wie ein fast sicherer Sieg. 

Gezeichnet. Ian Lipinski

Gezeichnet: Ian Lipinski

Doch dann zahlte sich das Kalkül des Großmeisters aus, der auf die Rückkehr des Nordostpassats gesetzt hatte. Just heute morgen, gegen 4 Uhr in der Früh, hatte er sich wieder heran- und vorbeigearbeitet und von dem von Nordost aufkommenden Wind profitiert, der ihn zuerst erreichte. Seine Erleichterung nach dem Zieldurchgang muss ebenso unvorstellbar groß gewesen sein wie die Enttäuschung Arthur Léopold-Légers.

Derweil kämpft in der erweiterten Spitzengruppe Jörg Riechers um eine anständige Platzierung. Er lag am Nachmittag auf Rang 8, weit unterhalb seiner Erwartungen. Der Hamburger hatte auf einen Podiumsplatz gehofft, zwischendurch aber stark an Boden verloren. Bei noch verbleibenden knapp 70 Seemeilen wird er es schwer haben, mehr als Rang 7 zu erreichen. Ihm fehlen gut sieben Seemeilen auf Simon Koster, der auf dem sechsten Platz segelt und ebenfalls über ein schnelles Boot verfügt. 

In der Serienwertung vollzog sich an der Spitze eine ähnliche Entwicklung wie bei den Protos. So wie Ian Lipinski hatte Clarisse Crémer auf ihrer Pogo 3 "tbs" auf einen östlichen Kurs gesetzt, wurde aber zwischenzeitlich schwer eingebremst. Sie rutschte von Position 1 auf Position 11, mitunter nur mit 1,1 Knoten treibend. Ein schwerer Rückschlag. Doch auch sie fand wieder Wind und hat sich seither auf Rang 3 vorgearbeitet – für einen Rookie eine kleine Sensation. 

Den in Führung liegenden Valentin Gautier wird sie nicht mehr gefährden können. Der zweite Platz aber liegt in Reichweite, da sie bis ins Ziel etwas besseren Wind haben sollte als ihre unmittelbaren Kontrahenten, darunter Trainingspartner Erwan Le Draoulec.

Seascape-Gründer Andraz Mihelin, der selbst zwei Proto-Kampagnen im Mini-Transat hinter sich hat, kommentierte die nervenaufreibende Leichtwind-Etappe so: "Die Jungs und Mädels werden im Ziel entweder verrückt sein wegen des Wetters, oder sie werden von jetzt an Nerven aus Kevlar haben."

Bester Deutscher ist Oliver Tessloff auf Platz 12 mit noch rund 80 Seemeilen bis Gran Canaria. Andreas Deubel (51.) und Lina Rixgens (53.) segeln weit achteraus in einem anderen Windfeld. Sie werden erst zum Wochenende im Ziel erwartet.

Jochen Rieker am 11.10.2017

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