Regatta-News

Transat 6.50: Joschke raus, Masekowitz dabei

Materialschaden zwingt Favoritin zur Umkehr, Masekowitz' "Beijamar" mit über sieben Knoten unterwegs

Matthias Beilken am 10.10.2007

Auf Minis gibt es fast nichts, was nicht zusammengeklebt-, -gebacken oder geschraubt werden kann – für die technikversessene Perfektionistin Joschke gibt es noch weniger. Dennoch muss sie vor einem gebrochenen Schwenkbaumgelenk kapitulieren.

Das Gelenk ist kein besonders komplexer Beschlag. Jedoch, ganz aus Edelstahl und am unteren Ende des Bugkorbs platziert, ein neuraligischer Punkt, ohne den an Bord nichts mehr geht. Ein Gelenk, um das sich im Wortsinne, alles an Bord dreht. Die Fähigkeit, die aberwitzigen Segelflächen der Minis zulassen und Spinnaker achtereholen zu können, macht den Schwenkbaum zu einem der wichtigsten Teile eines Minis. Der auffällige Klapp-Bugspriet ist ist zwar auch nur eine Spiere. Jedoch im Fall eines Protos wie dem von Joschke, etwa halb so lang wie das Boot selbst und aus Kohlefaser. Ohne den charakteristischen Baum büßt ein Mini viele seiner Segelleistungen ein und fährt — selbst nach Notreperaturen — nur noch mit halber Kraft. Eine halbe Kraft, auf die Joschke offensichtlich keine Lust hat.

Denn gestern Abend zeigte der Tracker, dass sie mit etwa halber Geschwindigkeit der Boote um sie herum segelte — aber noch in die richtige Richtung. Als der Speed ihrer neuen "Degremont-Synergie" noch weiter in den Keller sackte und der Kurs nach einem radikalen Ostschwenk mehr in Richtung der Kanaren als in Richtung der Kapverden zeigte, wurde eines der Begleitboote, "Polititak" zu ihr geschickt. Die Lösung: Endgültige Umkehr nach diversen Reperaturversuchen. Mehr als einen Tag lang hat sie gewerkelt und man darf annehmen, dass die Skipperin keinen Lösungsweg unversucht gelassen hat. Die zweite Etappe des Transat 6.50 muss sie also drangeben und den weiteren Verlauf der Regatta den anderen Favoriten überlassen. Einer von ihnen, Yves Le Blevec, führt gerade das Feld an. Dessen Boot: "Actual Interim", ein Prototyp von Designer Marc Lombard.

Die Flagge des Designers Samuel Manuard hält unterdessen der Hamburger Henrik Masekowitz mit seiner "Beijama" hoch. Er treibt sein Boot vom Typ TipTop, das Serienboot aus Manuards Feder (Favorit Manuard selbst segelt seinen superheißen Prototyp "Sitting Bull") mit hohen Geschwindigkeiten . Nach einer eher langsamen ersten Etappe segelt er derzeit auf Platz neun. In der Wertung der Serienboote, freilich. Glück gehabt: Die Einzelkämpfer im hinteren Feld, in dem sich naturgemäß viele Serienboote tummeln, musste gestern Nacht Starkwind bis zu 40 Knoten erdulden. Mittendrin: Der Bonner Dominik Zürrer mit seiner Pogo 1 "Ubik 245".

Matthias Beilken am 10.10.2007

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