Nordseewoche

Stürmisch bis zum Schluss

Die Nordseewoche auf Helgoland ist ihrem anspruchsvollen Image gerecht geworden. Auf den Ergebnislisten ist vorranging DNC oder DNS zu lesen

Ricarda Richter am 17.05.2016
03_NSW 2016 Regatta PR_HFRANCK20160514-_51P7200-

Sechs bis sieben Windstärken und um die drei Meter Welle erwarteten die Teilnehmer der 82. Nordseewoche. Viele der gemeldeten Yachten entschieden sich schon am Samstag, die einzige deutsche Hochseeregatta in diesem Jahr ausfallen zu lassen. Die Ergebnislisten aller ausgetragenen Regatten werden von dem Kürzel DNC (Did Not Come to Start Area) geprägt. Und auch unter denen, die es nach Helgoland schafften, traten etliche nicht an, sei es wegen Bruch oder Sorge ums Material. Deshalb trugen etliche Teilnehmer ein DNS (Did not start) in den recht übersichtlichen Tabellen. Erst zum gestrigen Start der Pantaenius-Rund-Skagen-Regatta gaben sich viele doch noch einen Ruck.

Fotostrecke: Stürmische Nordseewoche 2016

Freitag, der 13.

Während es auf der ersten Wettfahrt von Hamburg nach Cuxhaven zunächst noch vergleichsweise ruhig zuging, erwarteten die Crews auf der Außenelbe bereits böige sechs Windstärken. Als erste Yacht erreichte die "Broader View Hamburg" nach 6 Stunden, 37 Minuten und 13 Sekunden die Ziellinie an der Alten Liebe; den Sieg über alle Klassen fuhr die "Amuse-bouche" mit Steuermann Klaus-Thomas Krüger ein.

Nach der offiziellen Eröffnungsfeier der 82. Nordseewoche kam es beim Start der Early Bird Series zum Sundowner-Race nach Helgoland zu einem folgeschweren Zusammenstoß zweier Yachten. Die leeseitige X332 "Peggy" des Deutschen Hochseesportverbands Hansa wurde von der XP44 "Xenia" gerammt. Beide beteiligten Boote mussten die Wettfahrtteilnahme daraufhin abbrechen.

"Der letztendliche Schaden bei uns an Bord ist noch nicht abzusehen. Wir machen drei Kreuze, dass keinem von uns etwas Ernsthaftes passiert ist", heißt es auf der offiziellen Facebook-Seite der "Peggy". Einer der in die Kollision verwickelten Segler musste jedoch in Cuxhaven von einem Notarzt versorgt werden. Der Wettfahrtleitung liegen zwei Protestmeldungen vor, über die ein Schiedsgericht entscheiden wird.

Die verbliebenen Teilnehmer hatten vor allem mit der steilen Welle und der bald einsetzenden Dunkelheit zu kämpfen. Kalt und windig war es obendrein – wahrlich kein Frühjahrsvergnügen. Erst weit nach Mitternacht kamen die Segler auf Helgoland an. Die "Silva Neo" mit Steuermann Dennis Gehrlein erreichte als erste die schützende Insel und gewann auch nach berechneter Zeit.

Die Zubringerregatta von Cuxhaven nach Helgoland verlangte den Teilnehmern einiges ab

Zubringerregatten und Hummer-Cup

Bei den am nächsten Morgen startenden Zubringerregatten gingen nur die wenigsten der gemeldeten Boote an den Start. Von Wilhelmshaven aus waren es gerade einmal drei, von der Hallig Hooge aus nur vier. Die Wettfahrt mit Start in Bremerhaven wurde aufgrund der Wetterbedingungen komplett abgesagt. Beim Minox-Cup Cuxhaven–Helgoland ließen sich immerhin 17 Boote auf den Ritt über die Wellen ein. Von den 66 auf der Ergebnisliste aufgeführten Yachten wurden 44 mit Did Not Come (DNC), drei mit Did Not Finish (DNF), eine mit Did Not Start (DNS) und eine mit Retired after start (RET) gekennzeichnet.


Meteorologe Meeno Schrader hatte am Morgen 22 bis 25 Knoten Wind, in Böen bis zu 40 Knoten für das Seegebiet angekündigt. Vor allem die auf der Außenelbe durch die Strömung des Flusses entstehende steile Welle machte den Booten zu schaffen. Auch die Fährverbindungen nach Helgoland wurden über das Wochenende größtenteils eingestellt.

Beim Hummer-Cup der Early Bird Series gingen am Samstag lediglich drei Boote an den Start. Nur die "Imagine" (ORC-Alpha) und die "Nixe" (ORC-Bravo) beendeten das Rennen. Der "Silva neo" brach in einer missglückten Halse der Großbaum, was die Nordseewoche für die Crew vorzeitig beendete. Sie trat direkt am nächsten Tag die Rückreise nach Kiel an.

Weiterhin sechs bis sieben Windstärken und mehr als drei Meter Welle – der Capitell Cup Rund Helgoland

Capitell Cup Rund Helgoland

Der Start des Capitell Cup Rund Helgoland am Sonntag wurde aufgrund des Wetters zunächst um anderthalb Stunden verschoben. Bei weiterhin 6 bis 7 Windstärken und mehr als drei Meter Welle blieben die meisten kleineren Boote im Hafen. Keine der für den Family Cruiser Cup gemeldeten Crews trat bei der Regatta an, auch in den Startgruppen ORCC Alpha und ORC Delta blieben die Yachten aus. Die "Imagine" in ORCi Alpha und die "static electric" in der ORCi Charlie starteten als einziges Boot ihrer Klasse.

Nur knapp 20 Yachten gingen insgesamt an den Start – da einige die Startlinie jedoch von der falschen Seite passierten, konnten letztendlich nur zwölf von ihnen gewertet werden. Besonders gut segelte laut Wettfahrtleiter Stefan Lehnert die "Elan" von Harald Baum. Sie war eines der wenigen Boote, auf dem auch der Spinnaker zum Einsatz kam.

Helgoländer Acht und Pantaenius Rund Skagen

Noch übersichtlicher war das Feld am Montagmorgen zum Vomex A Cup Helgoländer Acht. Nur fünf von 38 gemeldeten Yachten gingen an den Start, davon vier in ORC Bravo, die "ReläXX" allein in ORC Charlie. Trotzdem blieb das Rennen spannend bis zum Schluss. Die "Desperado", die "Nixe" und die "One Group" kämpften bis zuletzt um jeden Meter und passierten die Ziellinie innerhalb von nur 90 Sekunden.

Am Nachmittag um 16 Uhr startete die Pantaenius-Rund-Skagen-Regatta. Viele, die den Zubringerregatten am Samstag ferngeblieben waren, entschieden sich doch noch, für die Langestrecke nach Helgoland zu kommen. 42 Yachten gingen an den Start. Die anderen Boote machten sich kurz darauf zurück ans Festland – bei achterlichen Winden auf dem wohl entspanntesten Kurs des Wochenendes.

Alle Ergebnislisten der Nordseewoche finden Sie hier

Den Tracker zur Pantaenius-Rund-Skagen-Regatta finden Sie hier.

Aktualisierung: Der Navigator der "Xenia", Andreas Bösch sowie der DHH legen Wert auf den Hinweis, dass die "Xenia" keine Schuld an dem Zusammenstoß mit der "Peggy" hat. Ein drittes Schiff, die IMX40 "Finnja" war in den Vorfall verwickelt und hat die volle Verantwortung für den Zusammenstoß übernommen. Herr Bösch berichtet: "'Xenia' und 'Peggy' fuhren auf Backbordbug hoch am Wind wegeberechtigt auf die Startlinie zu, die IMX40 'Finnja' kreuzte auf Steuerbordbug den Kurs der 'Xenia'. Plötzlich leitete sie eine Halse ein, obwohl für dieses Manöver der Platz fehlte. 'Xenia' versuchte nach backbord auszuweichen, wurde jedoch auf der Steuerbordseite von der 'Finnja' gerammt und rammte gleichzeitig auf der Backbordseite die 'Peggy'. Die beiden Proteste wurden von der 'Peggy' und der 'Xenia' gegen die 'Finnja' gerichtet. Die 'Finnja' hat aufgegeben und die volle Schuld für den Vorfall anerkannt, zu einer Protestverhandlung kam es dann nicht mehr." 

Auf der Elbe erwarteten die Teilnehmer zunächst noch ruhige Bedingungen

Ricarda Richter am 17.05.2016

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online