Jules Verne Trophy

"Spindrift 2" ums Kap Hoorn

22.12.2015 Andreas Fritsch, Fotos: Y. Riou/Spindrift, Y. Riou/Sindrift - Über einen halben Tag Vorsprung hat das Team am letzten wichtigen Kap. Die YACHT konnte kurz mit Dona Bertarelli telefonieren

Kap Hoorn
Fotograf: © Y. Riou/Spindrift

Letzte Landmarke genommen: "Spindrift 2" am Kap Hoorn

30 Tage, 4 Stunden, 7 Minuten – mit dieser neuen Rekordzeit passierte das Team die legendäre Landmarke heute Morgen um 8:09 Uhr in relativ ruhigen Bedingungen. Etwas über 18 Stunden Vorsprung hat das Team damit vor der Zeit von Loïck Peyron aus dem Jahr 2012. Kurz danach sprach die YACHT kurz über Satelliten-Telefon mit Dona Bertarelli. Man hörte der Team-Besitzerin, die als Steuerfrau und Trimmer an Bord fungiert, an, dass die letzten Wochen anstrengend waren, die Stimme klang etwas müde.

"Wir hatten Glück, konnten das Kap im Morgenlicht runden. Wir sind schon im Windschatten der Anden, haben nur 12 Knoten Wind. Alle sind total happy, dass wir das Kap mit einem Vorsprung von über einem halben Tag erreicht haben. Wir hatten als positivstes Szenario einen Tag Vorsprung erhofft, als schlimmstes zwei Tage Rückstand befürchtet. Also ist alles gut!"

Bertarelli
Fotograf: © Y. Riou/Sindrift

Dona Bertarelli

Zu den Problemem mit dem Schwert äußerte sie sich ebenfalls: "Wir können es weder ganz senken noch ganz hochnehmen. Es bremst also bei wenig Wind auf Backbordbug das Schiff. Und bei viel Wind erzeugt es nicht den Lift, den es sollte. Die Nase des Rumpfes wird nicht so stark aus dem Wasser gehoben. Dadurch bohren wir uns gelegentlich tiefer in die Wellen. Das Steuern ist auch anstrengender geworden. Nach dem Crash dachten wir die ersten Tage, wir müssten den Rekordversuch abbrechen, da wir eine Delamination des Rumpfes befürchteten, doch das scheint nicht der Fall zu sein. Wir sind aber nicht sicher, ob das Schwert bis ins Ziel hält."

Auf die Frage, wie sie die Konkurrenz mit "Idec Sport" erlebt, antwortete sie: "Wir waren sehr froh, als wir zusammen gestartet sind. Es schien uns von Vorteil, einen Freund in der Nähe zu haben im Southern Ocean. Aber ehrlich gesagt ist es ziemlich stressig. Wir fahren jetzt nicht mehr nur gegen die Uhr, sondern haben einen zweiten Gegner. Wir schauen schon, was sie taktisch machen, aber bislang haben wir unsere Entscheidungen nicht wegen ‘Idec Sport‘ geändert."

Zum bisherigen Verlauf der Fahrt sagte sie: "Es war manchmal etwas frustrierend, dass wir immer in diese meteorologischen Bomben in Form von Flauten gefahren sind. Dadurch war der Vorsprung immer wieder dahin, und ‘Idec Sport‘ kam immer wieder auf. Das Team funktioniert aber großartig, Yann ist ein fantastischer Skipper, er sorgt dafür, dass wir alle schweren Momente gut überstehen und genug schlafen."

Zu den nächsten Tagen im Südatlantik: "Wir haben jetzt eine Zeitlang wenig Wind, aber heute gegen Abend sollte er wieder zulegen, sodass es gut vorangeht. Morgen wird es dann noch einmal etwas kompliziert, eine Flautenzone liegt im Weg." 

Während der führende Tri also gewissermaßen schon den Rückweg ist, quält sich "Idec Sport" in flauen Winden langsam zum Kap und dürfte weiter Boden auf "Spindrift 2" verlieren. 

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