Legendäre Sportler

Segelstar und Vorbild: Willy Kuhweide feiert 75. Geburtstag

Der Name Willy Kuhweide ist auch 54 Jahre nach dem spektakulär gewonnenen Olympiagold im Finn-Dinghy noch das Synonym für deutsche Erfolge unter Segeln

Tatjana Pokorny am 06.01.2018
Willi Kuhweide
YACHT ARCHIV

Segellegende Willy Kuhweide feiert 75. Geburtstag

"Der Segelsport hat mich neben vielen anderen Dingen gelehrt, dass – über ein gewisses Talent hinaus – Fleiß und Einsatz durchaus mit Erfolg belohnt werden." Diese Aussage von Willy Kuhweide hat ihre Gültigkeit bis heute nicht verloren. Er selbst hat sie mit unzähligen Erfolgen als Ergebnis harter und disziplinierter Arbeit über viele Jahrzehnte immer wieder bestätigt.

Willi Kuhweide

Willy Kuhweide mit seiner 1964 in Japan gewonnenen Goldmedaille

Wasser und Luft waren und sind die Elemente seines Lebens: Unter Segeln hat Willy Kuhweide 1964 seine legendäre Goldmedaille im Finn-Dinghy gewonnen, bevor er von 1989 bis 1994 die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Phoenix in Arizona leitete. Heute, am 6. Januar, feiert der gebürtige Berliner seinen 75. Geburtstag in seiner Wahlheimat Carefree in Amerika. "Ich denke nicht mehr so oft an meine Goldmedaille", sagte Kuhweide YACHT online kurz vor seinem Ehrentag, "aber ich werde, mal mehr, mal weniger, durch meine Umwelt in angenehmer Weise an sie erinnert." Dazu schickte Kuhweide einen persönlichen "Wunschzettel", schrieb: "Ich wünsche mir sehr, dass die Wissenschaft den Weg aus der 'Märchenwelt' wieder zur Wissenschaft zurückfindet. Dass die Politiker ihre 'Glaubenskomponente' ablegen und wieder wie Politiker agieren und dass es nicht mehr so viele Menschen gibt, die auf ihrer Visitenkarte den Vermerk 'Climate Consultant' führen."

Willy Kuhweide

Willy Kuhweide in der Zeit, in der er zwischen 2005 und 2007 die erste deutsche America's-Cup-Kampagne unterstützte

Der fünfmalige Olympiateilnehmer, viermalige Welt- und dreimalige Europameister zählt zu den erfolgreichsten Seglern der deutschen Olympiageschichte. Seinen Ehrentag will Kuhweide "in kleinem Rahmen bei einem guten Abendessen in besonderer Umgebung mit Frau und Freunden" feiern. Seine Segelkarriere hatte er 1986 aus beruflichen Gründen beendet – sein Name aber steht bis heute als Synonym für Segelerfolge unter deutscher Flagge. Seine Goldmedaille ist in einer Glasvitrine im Verein Seglerhaus am Wannsee ausgestellt.

Philipp Buhl vor Kuhweises Goldmedaille

Heute motiviert Kuhweides Goldmedaille von 1964 die übernächste Generation: Lasersegler Philipp Buhl will 2020 im einstigen Kuhweide-Gold-Revier vor Enoshima eine Olympiamedaille gewinnen

Willy Kuhweide Bernd Dehmel Interview Tati Berlin 2014 SHu_hucho140823_138751

Einst Rivalen im Kampf um den Finn-Dinghy-Startplatz bei den Olympischen Spielen 1964, heute freundschaftlich und mit großem Verständnis für die damaligen Vorgänge im Gespräch: Bernd Dehmel (l.) und Willy Kuhweide

Zu Kuhweides Ruhm hat vor allem die 1964 auf spektakuläre Weise gewonnene Goldmedaille beigetragen. Damals trat Deutschland mit einer aus BRD- und DDR-Athleten gemischten Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Japan an. In der Disziplin Finn-Dinghy kam es im Schatten des Kalten Krieges im Vorwege der Spiele zu einer heftig umkämpften Ausscheidungsserie und schweren Auseinandersetzungen zwischen den beiden beteiligten Seglerverbänden.

Schließlich wurden sowohl der erst 21 Jahre alte Willy Kuhweide als auch sein DDR-Kontrahent Bernd Dehmel von ihren jeweiligen Verbänden nach Enoshima, 2020 wieder Olympiarevier, entsandt. Dort schlug der damalige IOC-Präsident Avery Brundage auf dem Höhepunkt des sportlichen Tauziehens um die Starterlaubnis für Kuhweide oder Dehmel sogar vor, beide Segler starten zu lassen. Dagegen aber legten andere Nationen Protest ein. Erst eine halbe Stunde vor dem Startschuss erfuhr Kuhweide, dass er für Deutschland starten sollte. Er eröffnete die Serie mit einem zweiten, einem ersten und einem vierten Rang, gab die Führung von da an trotz schwerer Mittelohrentzündung und offenen und entzündeten Trommelfellen nicht mehr ab. "Ich konnte die Startschüsse nicht mehr hören, habe die Startzeit mit der sichtbaren Wolke aus der Startpistole genommen", erinnert sich Kuhweide an die Serie, die ihn weltberühmt machen sollte.

Willi Kuhweide

Willy Kuhweide lässig auf dem Motorrad

Zurück in Berlin, wurde er von Hunderttausenden Fans stürmisch gefeiert und bescherte seinem Sport ein nie dagewesenes Hoch. In den Medien gefeiert, durfte er sogar "Schätzchen" Uschi Glas auf Las Palmas das Segel-Einmaleins erklären. Der talentierte Klavier- und Akkordeonspieler besang Schallplatten mit Schlagern wie "Liebe kleine Segelbraut", blieb sich und seinem angestrebten beruflichen Ziel aber treu und machte in der Luftfahrt Karriere. Zu Kuhweides schönsten Erinnerungen zählt die Kindheit, die er mit den Eltern und drei Schwestern auf dem Familienboot "Wunschtraum" auf dem Wannsee unter Segeln genoss. Seinem Motto: "Learn, earn, return" folgte er 2005 als Kommodore der ersten und bislang einzigen deutschen America’s-Cup-Kampagne – er wollte dem deutschen Segelsport etwas zurückgeben.

Willi Kuhweide

Willy Kuhweide und das entscheidende Dokument: Die Annahme der deutschen Herausforderung durch die Schweizer Cup-Verteidiger. Kuhweide präsentierte es der Öffentlichkeit damals im Verein Seglerhaus am Wannsee

Tatjana Pokorny am 06.01.2018

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