Nachruf

Segelstar und Erfinder Paul Elvstrøm gestorben

Der große Däne ist tot: Der viermalige Olympiasieger Paul Elvstrøm starb am 7. Dezember im Alter von 88 Jahren in Hellerup im Kreis seiner Familie

Tatjana Pokorny am 08.12.2016
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YACHT Archiv

Dänemarks "Sportler des Jahrhunderts": Paul Elvstrøm

Kaum ein Name in der Segelsportwelt war in den vergangenen sieben Jahrzehnten so bekannt wie der von Paul Bert Elvstrøm. Sein Einfluss auf den internationalen Segelsport ging weit über die vier olympischen Goldmedaillen hinaus, die Dänemarks "Sportler des Jahrhunderts" berühmt gemacht haben. Insgesamt hat der in Kopenhagen geborene Elvstrøm an acht Olympischen Spielen teilgenommen. Darüber hinaus galt er als smarter Erfinder und Entwickler von Segeln und Segel-Ausrüstung. Auf der ewigen Bestenliste olympische Athleten ist er bis heute die Nummer zwei hinter Sir Ben Ainslie, der das olympische Gesamtergebnis von Elvstrøm über die vier Goldmedaillen hinaus mit einer zusätzlichen Silbermedaille überflügelte.

Poul Elvstrøm

Freundlich, kompetent und leidenschaftlicher Segler: Paul Elvstrøm

Der am 25. Februar 1928 geborene innovative Elvstrøm galt mehr als ein halbes Jahrhundert als das Synonym für fortschrittlichen und erfolgreichen Segelsport. Die Nachricht von seinem Tod erreichte viele junge Olympiasegler in dieser Woche in Melbourne beim Weltcup-Finale. In diesem Revier hatte Elvstrøm 1956 die dritte seiner Goldmedaillen im Finn-Dinghy gewonnen. Seine Landsfrau Anne-Marie Rindom, Bronzemedaillengewinnerin von Rio im Laser Radial, sagte: "Ich habe erst heute erfahren, dass er seine dritte Goldmedaille in diesem Revier hier gewonnen hat. Ich habe darüber nachgedacht, wie das wohl vor 60 Jahren gewesen sein muss. Es fühlt sich ein bisschen merkwürdig an, jetzt hier im gleichen Revier zu sein. Es ist inspirierend und gibt mir das Gefühl, so gut sein zu wollen wie er. Er war großartig für Dänemark und für den Segelsport. Er hat so viele Menschen inspiriert. Er war ein großer Mann und hat viele Dinge für den Segelsport erfunden, die den Sport verbessert haben." 

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Paul Elvstrøm 2005 in einem seiner letzten großen Interviews mit der YACHT

Stipanovic: "Ich hoffe, ich kann so sein wie er"

"Ich hoffe, ich kann so sein wie er." Tonci Stipanovic, Silbermedaillengewinner von Rio im Laser, sagte: "Ich habe nicht gewusst, dass er seine dritte Medaille genau hier gewonnen hat. Das Wissen darum lässt mich dieses Revier noch mehr schätzen. Ich hoffe, dass ich wie er sein und hier beim Weltcup-Finale eine Medaille gewinnen kann. Er war so lange an der Spitze seines Sports. Vier olympische Medaillen zu jener Zeit mit viel weniger Technologie zu gewinnen – es muss noch viel schwerer als heute gewesen sein zu erreichen, was er erreicht hat." Zu Elvstrøms Erfindungen zählte der Ausreitgurt. Als Laser-Seglerin nutzt auch Anne-Marie Rindom das Teil regelmäßig. Als sie erfuhr, dass es einst von Elvstrøm kreiert worden war, wuchs ihre Bewunderung noch weiter. Elvstrøm steht auch für die Erfindung und Entwicklung des Selbstlenzers und der originalen Elvstrøm-Schwimmweste.

Poul Elvstrøm

Auch als Unternehmensgründer und Buchautor erfolgreich: Paul Elvstrøm

Schümann: "Paul war sehr innovativ"

Jochen Schümann, hinter Ainslie und Elvstrøm und neben Valentin Mankin mit drei Goldmedaillen die Nummer drei der ewigen Bestenliste der Olympiasegler, sagte: "Als Optisegler bin ich mit seinem Buch aufgewachsen und habe mich später auch auf seiner Hängebank gequält. Paul war technisch sehr innovativ und wahrscheinlich auch der kompletteste Segler, den es je gegeben hat." Willy Kuhweide kannte Elvstrøm als Gegner und Wegbegleiter, sagte: "Bei viel Wind war Paul souverän, bei wenig Wind brach er ein und ich konnte ihn schlagen. Er war ein Vorbild durch seine professionelle Einstellung. Und als Mensch durch seine freundschaftliche, geduldige und höfliche Art."

Rekordweltmeister, Unternehmensgründer und Buchautor

Poul Elvstrøm

Paul Elvstrøm im Tornado mit Tochter Trine

Darüber hinaus hat Elvstrøm viele Bücher über Regattaregeln und Segeltechnik veröffentlicht. Seine erste Firma Elvstrøm Dinghy Sails hatte er schon 1954 gegründet. Das bis heute bekannte Logo mit der roten Krone hatte er selbst entworfen. Heute heißt das Unternehmen Elvstrøm Sails und zählt zu den großen internationalen Segellofts. Obwohl sich Elvstrøm schon vor mehr als zwei Jahrzehnten nach 1988 vom olympischen Segelsport zurückgezogen hatte, ist er einer der erfolgreichsten Segler geblieben. Seine erste Goldmedaille hatte er im Alter von 20 Jahren 1948 im Firefly gewonnen. Als danach die Einhand-Jolle Finn-Dinghy eingeführt wurde, wechselte Elvstrøm die Klasse, weil er das Potenzial des Finns schnell erkannt hatte. Alle drei folgenden Goldmedaillen gewann er im Finn: 1952 in Helsinki, 1956 in Melbourne und 1960 in Rom. 1968 verpasste er eine mögliche weitere olympische Medaille in Mexiko als Vierter im Starboot nur knapp. 1984 wurde er noch einmal Vierter, war gemeinsam mit seiner Tochter Trine im Katamaran Tornado am Start.

Unangefochten ist ein weiterer seiner Rekorde: Kein Segler hat 13 WM-Titel in sieben verschiedenen Bootsklassen (505er, Snipe, Finn, Flying Dutchman, Star, Soling, Halbtonner) einheimsen können. 2005 hatte der zurückgezogen lebende Elvstrøm der YACHT eines seiner letzten großen Interviews gegeben. Jetzt hat der große Däne seine letzte Reise angetreten. Die Segelwelt trauert mit der Familie und Freunden um ihn.

Ein Interview mit Paul Elvstrøm aus der YACHT 10/2005 können Sie hier noch einmal nachlesen

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Tatjana Pokorny am 08.12.2016

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