Sailing World Cup

Schwarzer Freitag "reloaded" für Buhl

Während Philipp Buhl Seite an Seite mit Olympiasieger Robert Scheidt einen rabenschwarzen Tag erwischte, surft Toni Wilhelm morgen um Gold

Tatjana Pokorny am 04.04.2014
Regatta Trofeo Princesa Sofia 2014

Ein Tag zum Vergessen für diese beiden: Philipp Buhl und Robert Scheidt erlebten einen rabenschwarzen Freitag; Buhl verpasste damit auch das Medaillenfinale der Laserflotte

Was für ein Absturz: Vier Tage lang segelte der WM-Dritte Philipp Buhl souverän in der Weltspitze mit, startete als Dritter in den Vorschlusstag und wollte am Samstag beim europäischen Weltcup vor Mallorca im Laser nach einer Medaille greifen. Doch am Freitagabend sah Buhls Welt plötzlich ganz anders aus. Und das nicht zum ersten Mal vor Palma de Mallorca.

Der unerwartete Absturz kam für Deutschlands Segler des Jahres einen Tag vor dem Finale. Buhl konnte abends kaum fassen, was ihm da widerfahren war: "Ich hatte einen rabenschwarzen Tag. Genau wie Robert Scheidt. Erst hatten wir beide einen Frühstart, gegen den wir gemeinsam Protest eingelegt haben. Dann kamen weitere miserable Ränge dazu. Es war schwierig heute. Der Wind drehte hierhin, dahin. Und steckt einmal der Wurm drin, ist es schwer, wieder umzudrehen. Ich ärgere mich schon sehr über diesen Tag."

Bitteres Aus für Buhl

Er kostete den Sonthofener Sportsoldaten am Ende die sicher geglaubte Teilnahme am Medaillenfinale der besten zehn Lasersegler. Als Elfter muss Buhl am Samstag nun zuschauen, wenn die Konkurrenz ohne ihn um Edelmetall kämpft. Dieses Schicksal teilt er mit dem erfolgreichsten Laser-Steuermann der Segelsportgeschichte: Robert Scheidts Regattatag verlief mit zwei Frühstarts und einem 13. Rang noch gruseliger als der von Buhl (Frühstart, 41, 26). Der Protest mehrerer Segler gegen die Wettfahrtleitung aufrgund der sich in einem Rennen bewegenden Startlinienbegrenzung wurde abgelehnt. Besonders bitter für Buhl: Den Einzug ins Medaillenrennen verpasste er punktgleich mit dem Zehntplatzierten Briten Nick Thompson, der im direkten Vergleich einen zweiten Rang mehr vorzuweisen hatte. Buhls Bugnummer in dieser Serie: die Dreizehn!

Toni Wilhelm

Surfte trotz Ausrutscher lässig ins Medaillenfinale: Der Olympia-Vierte Toni Wilhelm

Das Maß voll machte Buhls Erinnerung an die 44. Trofeo Princesa Sofía im vergangenen Jahr. Damals hatte er fünf Tagessiege eingefahren und mitreißend gesegelt, bevor ebenfalls ein einziger misslungener Segeltag die Traumbilanz zunichte gemacht und ihn mit einem Punkt Rückstand auf Platz zehn die Teilnahme am Medaillenrennen gekostet hatte. Damals – am 5. April 2013, es war ebenfalls ein "Schwarzer Freitag" – hatte Buhl gedacht: "Schlimmer geht ja nicht." Doch an diesem "Schwarzen Freitag reloaded" wurde er eines Besseren belehrt. Einziger Trost: "Palma und ich passen offenbar nicht so recht zusammen. Das vergangene Jahr nahm aber nach dem verpatzten Auftakt mit dem Kieler-Woche-Sieg und der Bronzemedaille bei der WM einen super Verlauf. Wenn es wieder so kommt, dann werde ich mich nicht beschweren."

"Nichts zu verlieren, alles zu gewinnen"

Trofeo Princesa Sofia 2014 Tag 5

In starken Winden stark: Tina Lutz und Susann Beucke ziehen als Fünfte ins Medaillenfinale ein

Doch Leistungsträger Nummer zwei der deutschen Segel-Nationalmannschaft setzte seine Erfolgsserie souverän fort. Toni Wilhelm surfte, als hätte es seine fast eineinhalbjährige Wettkampfpause nie gegeben. Vor dem Medaillenfinale eroberte der Schwarzwälder vom Württembergischen Yacht-Club Platz zwei und will am Samstag um eine Medaille kämpfen. Er ist der einzige DSV-Starter, der auf einem Podiumsplatz ins Finale vor Palma de Mallorca einzieht. Dabei war der Olympia-Vierte am Vorschlusstag sogar einmal von seinem Brett abgerutscht, als er an Position drei lag. "Das war eine individuelle Blödheit. Ich hätte heute Abend sogar mit fünf Punkten in Führung liegen können. Ich bin dennoch mega-, mega-zufrieden mit meinen Leistungen. Für mich ist diese Regatta angesichts der langen Wettkampfpause und der kurzen Vorbereitungszeit jetzt schon ein Riesenerfolg. Das Finale kann kommen. Ich habe nichts zu verlieren und alles zu gewinnen."

Aufwärts ging es auch für die 49er-FX-Crew Tina Lutz und Susann Beucke, die am Samstag als Fünfte ins Medaillenfinale der neuen olympischen Frauen-Disziplin starten. Tina Lutz erzählte: "Am ersten Tag war ich wohl noch nicht ganz wach. Nun sind wir soweit ganz glücklich, haben uns Schritt für Schritt nach vorn gearbeitet. In den letzten Tagen hatten wir Starkwind, da sind wir ohnehin schnell." Mit Lutz/Beucke, die noch realistische Chancen auf Bronze haben, ziehen auch die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz als Neunte ins Finale der besten zehn Teams ein. Die Besonderheit im Medaillenrennen der Klassen 49er FX und 49er: Sie segeln drei kurze einfach gewertete "Theater-Rennen" statt einer Wettfahrt wie alle anderen Klassen.

Fünf deutsche Teams in den Finalrennen

Auch den 49er-Titelverteidigern Erik Heil und Thomas Plößel, die etwas holprig in den spanischen Regatta-Klassiker gestartet waren, gelang der Sprung ins Medaillenfinale der Top Ten im 49er. Als Achte treten die Berliner aus dem Audi Sailing Team Germany im Finale am Samstag an. Das deutsche Final-Quintett vervollständigt Toni Wilhelms Teamkameradin Moana Delle, die als Siebte in den letzten entscheidenden Lauf der besten zehn RS:X-Surferinnen einzieht. Nicht für die Medaillenrennen qualifizieren konnten sich die deutschen Segler in den Disziplinen 470er, 470er Frauen, Finn-Dinghy, Laser Radial und Nacra 17.

ERGEBNISKORREKTUR (4. April, 23 Uhr, Aktualisierung)

Am späten Abend hat Robert Scheidt nach dem verlorenen ersten seinen zweiten Protest durchgebracht. Scheidt hatte auch gegen seine zweite Frühstart-Disqualifikation protestiert – in diesem Fall erfolgreich. Sein im zweiten Rennen des Tages ersegelter 39. Rang wurde für gültig erklärt. So rückte der Brasilianer auf den neunten Platz vor und ist doch für das Medaillenrennen qualifiziert. Durch die Verschiebung fiel Philipp Buhl auf den 13. Rang zurück.

Regatta Trofeo Princesa Sofia 2014

Die Titelverteidiger ziehen als Achte ins Finale ein: Erik Heil und Thomas Plößel aus Berlin

Tatjana Pokorny am 04.04.2014

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