Mini-Transat 2017

Schaut ihnen in die Augen!

Transat Jacques Varbres, Volvo Ocean Race, Maxi-Tris auf Rekordjagd und mittendrin das Mini-Transat. Mini-Segler Jan Heinze über den Reiz der Hochseerennen

Jan Heinze am 14.11.2017
Mini-Transat 2017
Jaques Vapillon/Mini Transat Iles de Gouadeloupe

Müde, aber überglückliche Gewinner der letzten Edition des Mini-Transat, 2015 auf Guadeloupe: Frédéric Denis (Proto-Klassement) und Ian Lipinski (Serienboot-Klassement) 

Selbstredend gibt es gewaltige Unterschiede in den Rennen, in den Booten, den Seegebieten und vor allem den Budgets – auch wenn es am Ende in allen Formaten darum geht, hochentwickelte Rennmaschinen auf atemberaubenden Langstrecken möglichst schnell von A nach B zu bringen. Jedoch scheint mir der größte Unterschied zu sein, dass das Mini-Transat im Gegensatz zu allen oben genannten Rennen ohne externe Kommunikation, also ohne Satellitentelefone, bestritten wird. Es gibt keine Möglichkeit, sich Wetterinformation zu laden. Es gibt keine Möglichkeit, Rat für eine notwendig gewordene Wartung oder Reparatur einzuholen. Es gibt keine Chance, sich bei einer vertrauten Person moralische Unterstützung zu holen oder gar zu erfragen, wo und wie die Konkurrenten segeln. Einmal auf See, sind die Segler auf sich gestellt – ohne Möglichkeit, diesen Zustand zu ändern, denn es gibt noch nicht einmal Satellitentelefon in einer verblompten Box.

In der Konsequenz sorgt diese Regel dann auch dafür, dass wir Fans keine Bilder der Segler von unterwegs erhalten können. Keine Actionszenen von mit Wasser überschütteten Seglern. Keine romantischen Drohnenüberflüge der Yacht im Sonnenuntergang. Keine stammelnden Berichte über Notreparaturen oder verzerrte Gesichter beim Löffeln von nicht mehr so sehr begehrter Fertignahrung. Momentan kennen wir lediglich die Position und Geschwindigkeit unserer Mini-Segler und können nur mutmaßen, wie es ihnen ergeht.

Und wisst ihr was? Ich finde das wunderbar! So wunderbar, dass ich den Organisatoren des Mini-Transat fast raten möchte, auch noch den Race-Tracker zumindest für die Öffentlichkeit wegzulassen. Dies soll weiß Gott keine Kritik an der medialen Professionalisierung sämtlicher übriger Hochseerennen sein, deren größter Fan ich selbst bin. Aber als Mini-Transat-Veteran weiß ich um das tiefgreifende Abenteuer dieses Rennens, welches meiner Meinung nach nicht nur durch diese wirklich schon extrem kleinen Boote entsteht, sondern noch mehr durch die komplette und unveränderbare Isolation auf See. Wie wäre das für uns Fans, würden wir beispielswiese nur die Wetterdurchsagen und die Rangliste der Boote mit Entfernung zum Führenden gemeldet bekommen – so wie die Segler selbst?

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Jan Heinze am 14.11.2017

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