Silverrudder 2015

Rekordzahlen, Rekordzeiten – und Bruch

21.09.2015 Jochen Rieker, Fotos: BadNyt, - Bei der Einhandregatta rund Fünen sorgte frischer Wind für Spannung. Rund 250 Solisten gingen an den Start. Nicht alle kamen ins Ziel

Silverrudder 2015
Fotograf: © BadNyt

Ooops! Jakob Madsen nach Kenterung

Nach zwei flauen Rennen in den Vorjahren wurde die Silverrudder Challenge 2015 ihrem Namen gerecht. Etwa die Hälfte des effektiv rund 150 Seemeilen langen Kurses war am vergangenen Wochenende geprägt von Starkwind mit teils giftigen Drückern. Bis Æbelø im Norden Fünens blies es fast durchweg mit mehr als 20, in Böen bis 30 Knoten. Den 244 Teilnehmern mangelte es folglich nicht an Vortrieb.

Schon der Start erwies sich als ausgesprochen selektiv. Denn bei Klassen mit bis zu 70 Booten, begrenztem Manövrierraum, stur Kurs haltendem Fährverkehr und vielen tückischen Flachs – eines davon direkt auf der Linie – spielten sich mehrere kleine bis größere Dramen ab.

Silverrudder 2015
Fotograf: © BadNyt

Am Start am Ende: Helle Jespersen

Ein Dutzend Yachten lief auf Grund und musste freigeschleppt werden. Besonders hart erwischte es Helle Jespersen, eine von nur drei Frauen beim diesjährigen Silverrudder. Die erfahrene Regattaseglerin startete mit einer geliehenen J 80 in der Gruppe der kleinen Kielboote und überstand die erste Halse nicht. Noch vor dem ersten Abzweig im Svendborgsund lief ihr Schiff aus dem Ruder und aufs Flach. "Es war hektisch, und ich hatte nicht genug Zeit, um mich zu sortieren. Mein Code Zero war falsch angeschlagen, und ich hatte Probleme mit dem Großsegel", sagte sie. Doch das war erst der Anfang. 

Schräg liegend musste Helle Jespersen zusehen, wie eine Bö ihren Code Zero auswehen ließ und mitsamt dem Boot unaufhaltsam weiter Richtung Land zerrte. Es dauerte keine Minute, dann lag die J 80 hoch und trocken – und das Feld war entschwunden. Erst nach einer Stunde zog sie ein Motorboot wieder zurück ins Wasser. "Es war schmerzhaft für meinen Seglerstolz, wegen so einer Dummheit aufgeben zu müssen", sagte sie später, zurück im Hafen. Doch unverdrossen fügte sie hinzu: "Jetzt schaue ich nach vorn und hoffe, dass ich noch eine Chance bekomme, teilzunehmen."

Während die Dänin über ihr Missgeschick sinnierte, ereignete sich zwei Seemeilen seewärts eine noch spektakulärere Havarie. Jakob Madsen kenterte mit seinem Dragonfly 28 ausgangs des Svendborgsunds wie ein Strandkat über die Büge. Als er später von einem Bergungsboot abgeschleppt wurde, zerbrach der Steuerbordschwimmer und das Kohlefaserrigg.

Abgesehen davon war auch das Rennen selbst ausgesprochen spannend und kurzweilig. In vielen Klassen wurde an der Spitze um jeden Meter gerungen – und mit allerlei Finessen taktiert, bis hin zu ingeniösen Umbauten und Modifikationen.

Dass deutsche Segler zahlenmäßig am stärksten vertreten waren, schlug sich schlussendlich auch im Ergebnis nieder. In vier der sieben Klassen siegten Boote mit schwarz-rot-goldenem Stander.

Silverrudder 2015
Fotograf: © BadNyt

First Ship Home: Wolfram Heibeck auf "Black Maggy"

  • Morten Bogacki siegte bei den Minis und wiederholte eindrucksvoll seinen Vorjahreserfolg.
  • Franz Schollmeyer zwang bei den Kielbooten bis 30 Fuß auf einer Esse 850 die gesamte Konkurrenz nieder.
  • Wolfram Heibeck, 2014 wegen eines Defekts in Führung liegend ausgeschieden, ließ diesmal nichts anbrennen, gewann Klasse 3 und wurde mit seinem Open 32 First Ship Home unter den Kielbooten.
  • Andreas Rohde dominierte in Klasse 4 das Feld auf seiner JPK 38 Fast Cruiser. Wie Heibeck pulverisierte er den bisherigen Rekord – und das, ohne auch nur ein Mal den Spi zu setzen. 

Am Samstagabend, als im Vorjahr mehr als 100 Teilnehmer aufgegeben hatten, waren diesmal schon nahezu alle im Ziel, die meisten sogar halbwegs ausgeruht nach einem tiefen, schweren Schläfchen im Hafen. Nur noch acht Starter kämpften gegen Strom und Müdigkeit an, während die "Finisher" die Siegerehrung verfolgten. Der Bürgermeister von Svendborg teilte da gerade mit, dass es im kommenden Jahr ruhig noch mehr werden dürften: 300 Meldungen seien viel, befand er. "Wir haben aber noch ein bisschen mehr Platz: 400 können es schon werden."

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