Regatta-News

Pantaenius Rund Skagen: erste Yachten im Ziel

Riesige "Calypso" von Gerhard Clausen wird First Ship Home. Kleinere Yachten dümpeln noch in einer Flaute

Matthias Beilken am 16.05.2008

Erste: Maxi "Calypso"

Das Rennen Rund Skagen zählt zu den berüchtigsten Europas. So früh im Jahr kann es auf der Nordsee derart stark wehen, dass in Jammerbucht oder Skagerrak die Yachten richtiggehend auf Legerwall geraten. Das Pantaenius Rund Skagen 2008 erwies sich jedoch bisher als zahm.

Die Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Wo ist der nächste Windstreifen zu finden? Noch immer kämpfen sich einige Crews durch die Flautenlöcher der Ostsee. Die Hälfte des Feldes der diesjährigen Langstrecke der Nordseewoche ist bereits in Kiel angekommen — erschöpft und sonnenverbrannt, aber glücklich. Am Pfingstmontag starteten 65 Crews zur Langstrecken-Wettfahrt Pantaenius Rund Skagen. Und sie erlebten alle möglichen Wetterszenarien, vor allem aber viel Leichtwind. Die mit 26 Metern längste Yacht der Flotte „Calypso“ (der ehemalige Maxi "Shockwave" aus Australien) des Hamburgers Gerhard Clausen segelte erwartungsgemäß vorneweg und kam bereits am Donnerstagabend ins Ziel. Endgültige Ergebnisse sind im Laufe der Woche zu erwarten.

Als Abschlusswettfahrt der Nordseewoche wechselt sich das
Pantaenius Rund Skagen alle zwei Jahre mit der Edinburgh-Regatta nach Schottland ab. In diesem Jahr wurde von Helgoland aus wieder um die Nordspitze Dänemarks bis nach Kiel gesegelt. Die 510 Seemeilen können, wenn der Wind es einigermaßen gut meint, in zwei bis drei Tagen absolviert werden. In diesem Jahr allerdings bescherte die Wetterlage den Seglern eine deutlich längere Zeit auf See. Und trotz der meist leichten Winde ging und geht es noch immer richtig spannend zu. Harte Luvkämpfe und konzentrierte Duelle bis ins Ziel sind zu beobachten. „Hier geht es um Taktik, und jeder Fehler wird bestraft. Manchmal könnte man sich vor Wut die Haare raufen, aber so ist das Spiel eben. Regattasegeln ist hochinteressant“, sagt Harald Baum, Inhaber des Regatta-Partners Pantaenius, der mit seiner Swan 44 „Elan“ dabei war und seine 25. Teilnahme an der Regatta Pantaenius Rund Skagen feierte. „Wir sind spät, aber glücklich im Ziel angekommen und haben mit den anderen Seglern ausgiebig in Strande gefrühstückt“, so Baum. Und nach dem derzeitigen Stand der berechneten Ergebnisse hat sich das Kämpfen gelohnt, der Hamburger kann sich auch über den Sieg in seiner Klasse ORC international 2 freuen.

Siegerin: Okke Müller-Röhlcks IMX 38 "Xenia"

Wie so häufig, wenn Yachten ganz unterschiedlicher Bauart gegeneinander segeln, sind auch diesmal die Ersten im Ziel nicht zwangsläufig die Sieger der Regatta. Die mit dem jeweiligen Handicap-Faktor des Schiffes verrechneten Zielzeiten (gesegelte Zeit) ergeben die „berechneten Zeiten“ und somit die wahren Gewinner. Dafür müssen aber erst alle Yachten der Wertungsgruppe im Ziel sein. In der Klasse ORC international 1 konnten die Sieger bereits ermittelt werden. Hier segelte die Bremer IMX 38 „Xenia-Crew" um Steuermann Okke Müller-Röhlck auf Rang eins. Ganz knapp und nur drei berechnete Sekunden dahinter folgt die „Sparta III“ von Hans-Christian Wulff (Bad Segeberg). Dritter der Klasse wurde der Hamburger Hartmut Hermann mit „Nikaia“. Auch in der Gruppe ORC Club 1 wurden die Ergebnisse bereits errechnet, da alle Yachten der Wertungsgruppe im Ziel sind: Den ersten Platz ersegelte hier die Wedeler „Roxy“ von Kai Neumann vor der Figaro-2-Yacht "Gnaraloo" von Jan-Ulrich Stähr. Er plazierte sich vor der Dirk Clasen mit der „Gingko“-Crew (Wedel) .

Axel Zieseniss, Sven Köhler und Fotograf Hinrich Franck müssen sich derweil ebenso in Geduld üben wie die Segler, die teilweise stundenlang in der Flaute steckenblieben. Die drei zur Wettfahrtleitung zählenden Hamburger harren seit Mittwochmittag auf dem Kieler Leuchtturm aus. Eineinhalb Tage später, am Donnerstagabend, ließ sich endlich das große Segel der „Calypso“ blicken. Die 86-Fuß-Yacht des Hamburgers Gerhard Clausen erreichte nach 72 Stunden und 13 Minuten, um 18.03 Uhr, als erste Yacht das Ziel am Kieler Leuchtturm. Dicht darauf folgte der 56-Fuß-Carbon-Racer „Scho-ka-kola“ von Uwe Lebens aus Neumünster. Und 45 Minuten später segelte auch die Volvo-60-Yacht „SEB 1 Jever“ mit ihren charakteristischen grünen Segeln über die Ziellinie am festen Seezeichen in der Kieler Bucht. Skipper Ralf Kudra aus Rostock hatte sich deutlich mehr Wind gewünscht für seinen Racer, der während des Volvo Ocean Race 2001 alle Ozeane besegelte.

Knapp zehn Yachten haben sich aus dem Rennen abgemeldet, teils aus
Zeitproblemen, aber auch wegen Materialschäden. So kam die „Scaramouche“ wegen Wassereinbruchs bereits am Montagabend zurück in den Helgoländer Hafen. Auf der Bremer Yacht vom Typ J/V 54 von Frank Kamlade stellte ein Crewmitglied bei einer Routinekontrolle an Bord plötzlich einen leichten Wassereinbruch fest, der sich jedoch nicht genau orten und stoppen ließ. „Ich vermute, es sind die Kielbolzen, aber Genaues weiß ich leider nicht“, erklärte Kamlade nach der Rückkehr in den Hafen von Helgoland.

Die Rekordzeit von 43 Stunden und 46 Minuten, die Klaus Murrmann mit der „UCA“ im Jahr 2000 aufstellte, war zu keiner Zeit gefährdet, denn der
Wetterbericht, den Wetterexperte Ralf Brauner zu unterbreiten hatte,
versprach bereits vor dem Start selten mehr als zehn Knoten Wind.

Sieger über alle Klassen des 2006er Pantaenius-Rund-Skagen-Rennens, Olaf Behrens konnte seinen Titel nicht verteidigen, erreichte aber mit seiner „Rave“ in der Gruppe ORC Club 2 den zweiten Platz hinter der „Be Happy“ von Peter Hankemeyer. Allerdings sind die Ergebnisse noch nicht gesichert, da in dieser Gruppe auf noch einige Konkurrenten auf der Bahn sind.

Kleinste: Miniyacht "Beijamar"

Während einige kleinere Yachten wie Thomas Holzes Granada 31 S "Roxane" noch am Eingang zum großen Belt stehen, hat sich Henrik Masekowitz’ nur sechseinhalb Meter lange "Beijamar" bereits bis unter die berühmte Beltbrücke gekämpft. Die drei Meter breite Minitransat-Yacht mit dem charakteristischen Schwenkbaum beweist, dass kleine Boote durchaus konkurrenzfähig sind, sobald lange Strecken nicht ausschließlich am Wind gesegelt werden. Außerdem besteht die Zweimann-Crew auf "Beijamar" aus zwei erfahrenen Seglern, die wissen, wie sie ein Reach-Monster wie eine Mini-Yacht, handhaben müssen.

Matthias Beilken am 16.05.2008

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