Matchracing

Ohne die Tour, aber mit voller Fahrt

28.01.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: MRG/Nico Martinez, MCG, privat - Deutschlands führendes Matchrace verzichtet im Umbruchjahr der World Match Racing Tour auf den Tour-Status, setzt auf die eigene Strahlkraft

Match Race Germany 2015
Fotograf: © MRG/Nico Martinez

Bleibt auch ohne Tour-Logo auf Kurs: Deutschlands führendes Match Race Germany

Man muss nicht alles und zu jedem Preis mitmachen. Von dieser Erkenntnis haben sich die Organisatoren des Match Race Germany leiten lassen, als sie für 2016 auf ihren angestammten Status als einzige deutsche Regatta der World Match Racing Tour verzichteten. Nach der Tour-Übernahme durch neue schwedische Besitzer im vergangenen Jahr geht die "alte" World Match Racing Tour 2015 am kommenden Wochenende mit dem Monsoon Cup zu Ende.

Die neue erste Saison unter skandinavischer Führung beginnt im März vor Fremantle in Australien. Insgesamt bilden nur fünf Regatten in vier Ländern (Australien, USA, Dänemark, Schweden) das Rückgrat der World Match Racing Tour 2016. Mehr Veranstalter fanden sich zur Austragung der Serie, die schon im Juli mit der Vergabe des WM-Titels für die Duellsegler im schwedischen Revier vor Marstrand endet, unter den neuen Bedingungen zunächst nicht.

Eberhard Magg vom MCG
Fotograf: © MCG

Setzt mit den Partnern Harald Thierer, Bernd Buck und dem Team vom Match Center Germany den Kurs auch ohne Tour-Status fort: Eberhard Magg

"Wie es 2017 dann weitergeht, werden wir genau beobachten", sagte Match-Race-Germany-Mitgründer Eberhard Magg, dessen Veranstaltung sich nun auch noch den traditionellen Pfingsttermin vom 12. bis 16. Mai mit dem dänischen Tour-Event in Kopenhagen teilen muss. Während der Versuch der neuen Tour-Inhaber, ihre Katamarane als weltweite Tour-Boote zu etablieren, zunächst nur teilweise gelang, stiegen gleichzeitig die finanziellen Forderungen an die Veranstalter der Tour-Regatten in aller Welt. "Für uns gilt, was auch auf See klar ist: Man muss nicht jedes Manöver sofort mitmachen. Wir beobachten die Entwicklungen lieber von der Trainerbank aus", sagte Sportdirektor Eberhard Magg, "wir tragen Verantwortung für Deutschlands traditionsreichstes Matchrace und haben uns in diesem Jahr gegen eine Tour-Mitgliedschaft entschieden, weil die Forderungen der Betreiber deutlich an der Realität vorbeizielen und von kaum einem Veranstalter weltweit finanzierbar sind. So erklärt sich das arg dezimierte Tour-Programm in diesem Jahr, auf dessen Kalender nicht nur das Match Race Germany fehlt."

Mit ihrer Haltung kritisieren die deutschen Organisatoren die jüngste Entwicklung der World Match Racing Tour insgesamt, die sich laut Magg "immer mehr weg vom Sport" entwickle, die "Neueinsteigern und Ausnahmetalenten kaum mehr Chancen zum Ein- und Aufstieg" biete. Zwar haben die neuen Tour-Veranstalter heute eine Liste von zusätzlichen Qualifikations-Regatten veröffentlicht, doch auch diese finden nur in Australien, Bermuda (bislang ein Top-Event der World Match Racing Tour), USA und Dänemark statt. Tour-Regatten und Qualifikationsregatten der "alten" Tour 2015 gab es dagegen insgesamt 18 in elf Ländern rund um die Welt.

Match Race Germany 2015
Fotograf: © MRG/Nico Martinez

"Drahtseilakt" im Einsatz beim Match Race Germany auf dem Bodensee

Die MRG-Veranstalter wollen ein Zeichen und auf die eigene Tradition und Stärke setzen. Parallel dazu ist die Etablierung eines alternativen internationalen Monohull-Matchrace-Circuits ins Visier genommen. "Wir führen international vielversprechende Gespräche und prüfen die Optionen auch im Dialog mit dem Weltverband World Sailing, den wir dazu auffordern, den sehr alten Vertrag über die WM-Vergabe mit den neuen Tour-Organisatoren auf ihren Sinn hin zu überprüfen." Magg sagte weiter: "Wir glauben nicht, dass die ganze Regattawelt zukünftig auf zwei Rümpfen funktionieren wird. Fakt ist, dass mehr als 90 Prozent aller Segelsportler weltweit auf einem Rumpf unterwegs sind und sich dafür sehr interessieren." Deswegen sollten aus Maggs Sicht "Matchrace-Weltmeister von morgen die interdisziplinär besten Duell-Steuerleute und ihre Teams sein". Dafür fordert der Mitbegründer der ersten deutschen America's-Cup-Kampagne eine international neu entwickelte Struktur.

Eissegel-WM 2016
Fotograf: © privat

Will beim 19. Match Race Germany starten: der zehnmalige Eissegel-Weltmeister Karol Jablonski

Bis dahin soll das Match Race Germany aus eigener Kraft strahlen: Mit neuen Partnern, einer neuen Motorbootflotte, einem erweiterten Sport- und Infotainment-Programm, Schauspieler Simon Licht als Matchrace-Botschafter, ZDF-Reporter Nils Kaben als Kommentator und einer Reihe bekannter Steuerleute wie dem eben zum zehnten Mal gekürten Eissegel-Weltmeister und America's-Cup-Steuermann Karol Jablonski nehmen die Organisatoren Kurs auf ihre 19. Auflage über Pfingsten vor Langenargen am Bodensee.

Match Race Germany 2015
Fotograf: © MRG/Nico Martinez

Die Crew um Tomislav Basic hatte das 18. Match Race Germany gewonnen und plant auch einen Start bei der 19. Auflage

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