DCNAC-Spezial

Nudeln mit Ketchup statt Geflügelfrikassé

DCNAC-Tageszusammenfassung: Die kleinen Boote haben alle Point Alpha gerundet, "Uca" ist beste Großyacht

Lars Bolle am 24.06.2003

Blick ins Cockpit der "World of Tui" bei schwerem Wetter

Während die Spitzengruppe der DCNAC ihre Plätze verteidigt, gab es am Dienstag im Verfolgerfeld spannende Positionskämpfe. Ganz vorne zieht die "Zaraffa" (USA) schon mehr als 700 Seemeilen vor dem nächsten Boot einsame Kreise und könnte bereits am Wochenende im Ziel in Cuxhaven einlaufen.

Auch nach berechneter Zeit führt sie mit mehr als zwei Tagen vor der "Discoverer" (England). Die britischen Soldaten hielten die "Zukunft IV" vom Kieler Yacht-Club noch um gut eine Stunde auf Distanz. Dagegen hatten die letzten beiden Yachten des ersten Starts, die "Brigantia" (Lindau) und die "Frisco" (Kanada) erst am Dienstag früh den Punkt Alpha gerundet, eine imaginäre Bahnmarke südlich der Treibeisgrenze.

Bei den eine Woche später gestarteten Großyachten führte die "Uca" von Klaus Murmann (Kiel) vor der vermeintlich schnelleren "Zephyrus V" (USA) und klar vor der "Windrose" (Cayman Islands), lag berechnet allerdings knapp hinter der "Team 888" (England).

"Von dem erhofften Tiefdruckgebiet haben wir noch nicht viel gespürt", berichtete die "Uca"-Crew aus Flaute und Nebel. Das bescherte dem neuen Maxiracer nach 484 Seemeilen hochgerechnet vorübergehend nur den 27. Platz unter 59 noch im Rennen befindlichen Teilnehmern. Die "Uca" will in jedem Fall die "Zaraffa" nach gesegelter Zeit schlagen und die Ehre des schnellsten Schiffes einheimsen. Nach der Aufgabe der "HSH Nordbank" mit einem Mastschaden am Montag hat sie dabei einen starken Gegner weniger. Mut machte ihnen die "Zukunft IV": "Mit zehn bis elf Knoten geht es voran, wir schließen nach vorne auf, und vergrößern nach achtern den Abstand. Unsere Teampartner von der Uca schlagen sich ebenfalls sehr gut (jedenfalls nach IMS), und die Wetterprognosen sehen mal wieder recht viel versprechend aus."

Zwei Tage nach dem schweren Sturm, der durch das Teilnehmerfeld fegte, waren die Aufräumarbeiten abgeschlossen und die Vorbereitungen auf das nächste Schlechtwettergebiet getroffen. Die "World of TUI Hamburg" hatte schon wieder starken Nordwestwind. Skipper Björn Woge berichtet: "Nach einer Ladung Müsli und einer Tasse Kaffee fassen wir neuen Mut und ziehen unseren Sturmspinnaker hoch. Damit geht für die nächsten Stunden die Post ab! Die Wellen werden höher, und das Schiff surft diese hinab. An Deck ist alles still, und jeder sitzt für den Fall der Fälle an seiner Position. Der tritt dann ein, wenn das Schiff durch zu starke Winde und hohe Wellen plötzlich unkontrolliert rechtwinklig abbiegt. Man nennt das "in die Sonne schießen" und liegt dann zumeist flach auf dem Wasser. Es zeigt sich, dass das Konditionstraining nicht vergebens war. Schließlich sind wird von Platz 25 auf Platz 17 geklettert. Also, geht doch..."

So günstige Bedingungen hatten längst nicht alle. Eine "immer noch hoch motivierte Regattacrew" von der "Peter von Seestermühe", dem ältesten Schiff von 1936, das auf den 29. Rang zurückgefallen war, schrieb: "Totenflaute um uns herum. Kurz vor uns ziehen die anderen Boote mit gutem Wind gen Schottland — wir bleiben noch ein bisschen... Nach Einsatz der modernsten Wetterelektronik ist es uns bisher nicht gelungen, den Wind zu lokalisieren. So entschließt sich die Schiffsführung, ein freiwilliges Suchkommando mit dem Schlauchboot auszusenden, um nach Altvätersitte die rettende Brise aufzuspüren. Die Anweisung für die Bootsmannschaft lautet, in konzentrischen Kreisen das Seegebiet bis 500 sm vor England abzusuchen, jedoch spätestens in einer Woche zurück zu sein."

Die "Arcadia" vor Newport

Viele Meldungen von Bord kreisen immer wieder um das Thema Speiseplan. Die kurioseste: "Auf der Arcadia gibt’s heute Geflügelfrikassé: Was diverse fliegende Fische nicht geschafft haben, vollbrachte heute Nacht ein Vogel nicht mehr bestimmbarer Art. Er flog durch den Windgenerator (der macht Strom aus Wind, leider nicht umgekehrt) und bezahlte diesen Versuch mit dem Leben. Selbst ein erfolgreicher Stunt wäre brotlose Kunst geblieben: Es hätte ja keiner gesehen. ("Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein!" Grüße von der Arcadia-Crew. P.S.: Es gab dann doch nur Nudeln mit Ketchup. Irgendwie fressen diese Seevögel das Falsche, um kulinarisch irgendwas herzumachen. Kann jemand 1 kg tranigen Vogelmatsch gebrauchen? Gratis abzuholen bei 41°16' Nord 046° 26 West. Ab morgen auch bei Ebay. (Presserechtlich verantwortlich: H. Dick. Die Meinung der Schiffsführung deckt sich nicht in allen Punkten mit den hier gemachten Äußerungen)
SY Arcadia /Arnulf Dörner."

Lars Bolle am 24.06.2003

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