Rolex Sydney Hobart Race

"Mit Schleppanker und Sturmfock raus aus der Bass-Hölle"

Aufgabe nach Ruderbruch und "Pan Pan": Christopher Opielok und die "Rockall"-Crew in Sicherheit. Neuer Rennrekord nach Finalthriller, doch es droht ein Protest

Tatjana Pokorny am 27.12.2017
Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2017
Rolex/Studio Borlenghi

Der Traum vom Rennen seines Lebens ist geplatzt, doch "Rockall"-Eigner Christopher Opielok ist vor allem froh, dass es seiner Crew gut geht und sein Boot bei weniger hohem Seegang in der Abdeckung des südöstlichen Zipfels Australiens von der Küstenwache nach dem zweiten erfolgreichen Versuch in Schlepp genommen wurde. In der Nacht zum Mittwoch deutscher Zeit musste die Crew auf dem einzigen Boot eines deutschen Eigners aus Hamburg das Rolex Sydney Hobart Race aufgeben. 

Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2017

Nach bangen Stunden im Schlepp und in Sicherheit: "Rockall"-Eigner Christopher Opielok (rechts) schickte YACHT online dieses Bild mit Martin Klawon von See

Davor durchlebten die elf Männer an Bord bange Stunden. Bei 30 Knoten Wind und 25 Knoten Bootsspeed war das Ruder der TP52 mit einem kurzen schnappenden Geräusch fast komplett abgebrochen. Es folgte ein harter "Wipe-Out", ein Sonnenschuss, bei dem Taktiker Dee Smith beinahe über Bord gegangen wäre. Dabei flutete viel Wasser ins Boot. "Alles schwamm, auch der Computer. Das war eine üble und gefährliche Nummer. Wir mussten eine Pan-Pan-Meldung (Red.: Dringlichkeitsmeldung, die abgesetzt wird, wenn ein Fahrzeug oder seine Insassen konkret, aber nicht akut gefährdet sind) abgeben, haben sie dann aber widerrufen. Es war eine knappe Nummer", berichtet Christopher Opielok am Mittwochmorgen deutscher Zeit von See. "Jetzt haben wir alles unter Kontrolle, sind mit Schleppanker und Sturmfock raus aus der Bass-Hölle und werden von der Küstenwache nach Port Entrance Victoria geschleppt."

Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2017

Die grüne Linie zeigt den Kurs der "Rockall" und den Etwa-Punkt an, von dem aus das Team von der australischen Küstenwache in Schlepp genommen wurde

Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2017

Der zweite Schleppversuch glückte. Die australische Coast Guard bringt die "Rockall" nach Port Entrance Victoria

Während Opielok und seine Crew ihre nächsten Schritte planen, trug sich an der Spitze des Feldes ein packendes Final-Duell um die "Line Honors" und den neuen Rennrekord zu. "LDV Comanche" segelte knapp vor "Wild Oats XI" in den Derwant River hinauf nach Hobart ein. Doch rund 8,5 Seemeilen vor dem Ziel gelang der leichtfüßigeren "Wild Oats XI"-Crew mit schnellerer Geschwindigkeit in schwachen Winden der Durchbruch. Der Kampf der beiden 100-Fuß-Supermaxis – inzwischen beide unter australischer Flagge – dauerte bei quälend flauen Winden und Bootsgeschwindigkeiten zwischen 4 und 8 Knoten bis ins Ziel an. Dort jubelte zunächst die Oatley-Familie mit ihrer Mannschaft über den neuen Rekord: 1 Tag, 8 Stunden, 48 Minuten und 50 Sekunden. Zu den auf dem Wasser geschlagenen Profis auf der "LDV Comanche" zählten auch America's-Cup-Steuermann Jimmy Spithill und Star-Navigator Stan Honey.

Das Ziel-Video der Veranstalter. Das Spitzenduell auf dem Weg ins Ziel fand in den australischen Abendstunden statt – zu deutscher Mittagszeit

Ob es aber für "Wild Oats XI tatsächlich zum Titel "First Ship Home" reicht, blieb zunächst unklar. Denn der "Wild Oats XI"-Crew stand nach dem Einlaufen in den Hafen noch eine Verhandlung vor der internationalen Jury bevor. Die Australier hatten die "LDV Comanche" von Jim Clooney und seiner Ehefrau Samantha Gant, die als zweites Boot mit gesetzter Protestflagge über die Ziellinie ging, etwa 15 Minuten nach dem Startschuss behindert und sich den entsprechenden Protest der Rivalen eingefangen. Dabei hatte die Crew auf "Wild Oats XI" die Gegnerin (mit Wegerecht) zu nah unterwendet und sie zur Kursänderung gezwungen. Das Vergehen könnte entsprechend des Reglements mit einer Zeitstrafe von nicht unter fünf Minuten belegt werden, da sich "Wild Oats XI" nicht freiwillig bereinigt hat.

YACHT online wird die Berichterstattung an dieser Stelle nach der Protestverhandlung aktualisieren.

Tatjana Pokorny am 27.12.2017

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