Portimao Global Ocean Race

Mit Heizung ab ins Südmeer

Ein schwerer Südost-Sturm hält Boris Herrmann und Felix Oehme in Kapstadt fest – Start jetzt erst Sonntag

Jochen Rieker am 12.12.2008

Bereit, aber von einem Südoststurm gefangen gehalten: Class-40-Flotte in Kapstadt (3.v.l. die deutsche "Beluga Racer")

Eigentlich sollte es morgen losgehen auf die zweite Etappe der Weltregatta für Class-40-Yachten. Die beiden einzigen Deutschen im Feld waren vorbereitet. Doch Renndirektor Josh Hall hat einen Tag Zwangspause verordnet.

Seit Tagen bläst ein Südost-Sturm ums Kap, der noch den ganzen Samstag hin andauern soll. Er wäre eine extreme Prüfung geworden für die Crews und hätte vermutlich schon zum Auftakt einer der wohl schwersten Etappen dieses Rennens für Bruch gesorgt. Daher die Startverschiebung.

"Die Jungs in die Klauen eines schweren Sturms zu schicken wäre kaum die richtige Entscheidung gewesen", sagte Hall, selbst ein erfahrener Hochseesegler. "Die Strecke bis Neuseeland ist schon Herausforderung genug."

Tatsächlich machte der Wind den Teams selbst im Hafen zu schaffen. Einige hatten Probleme, ihren Mast zu stellen und das Rigg zu trimmen. An Probeschläge war nicht zu denken.

Boris Herrmann und Felix Oehme auf "Beluga Racer", die nach Ihrem Auftakterfolg bei der ersten Etappe als Favoriten gelten, sehen dem Start dennoch gelassen entgegen. Wie Boris im Interview mit YACHT online sagte, haben sie ihre Akilaria 40 speziell für den Southern Ocean umgebaut. "Wir haben jetzt sogar eine Heizung, damit wir in der Kälte des Südpolarmeers nicht so schnell entkräften und unter Deck annehmbare Bedingungen haben."

Dort, in der weißen, kargen Kunstoffhöhle des "Salons", der eigentlich mehr Navi-Zentrale ist, werden Boris Herrmann und sein Co Felix Oehme vermutlich die meiste Zeit während der 7500 Seemeilen langen Etappe bis Wellington verbringen. "Wir gehen davon aus, dass wir nur für Kontrollgänge und Segelwechsel sowie zum Trimmen an Deck sind", sagt der Skipper. Hintergrund für diese Überlegung ist die Tatsache, dass die Class 40 bei raumen Kursen zwar schnell, aber auch extrem nass segeln. Bei Lufttemperaturen um 0 bis 5 Grad ein Härtetest der extremen Art.

Noch nie führte eine Class-40-Regatta durch den Southern Ocean. So beschreiten die Teams Neuland auf ihren 12 Meter langen und bis weit über 20 Knoten schnellen Yachten. Die Regattaleitung hat den Kurs relativ weit nach Norden gelegt. Drei Wegpunkte sollen verhindern, dass sie in Eisberg-Regionen vordringen und unterhalb des 50. Breitengrads segeln, um die Wegstrecke zu verkürzen.

Der Start ist nun für Sonntag, 14. Dezember um 9.30 Uhr MEZ angesetzt. YACHT online berichtet fortlaufend von der Etappe.

Jochen Rieker am 12.12.2008

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