Minitransat-Qualifikation

"Lilienthal" fast abgestürzt: Aufholjagd nach Kollision

Jörg Riechers hatte bei der Trophée Map eine schwere Kollision. Nach großem Rückstand beendete er die wichtige Regatta als Dritter

Lars Bolle am 12.06.2017
Minitransat
Christophe Breschi

Jörg Riechers auf seinem Mini "Lilienthal"

"Lilienthal" heißt der neue Mini-Prototyp des Offshore Team Germany. Fliegen soll das nur 6,50 Meter lange Geschoss auf Foils in ein paar Wochen. Noch segelt es mit konventionellen Schwertern, und fast hätte der Hamburger Jörg Riechers eine Bruchlandung hingelegt.

Offshore Team Germany

"Lilienthal" mit der Einschlagstelle an Steuerbord

Für den 48-Jährigen war die Trophée Map, eine Einhand-Regatta an der Küste der Bretagne, der wichtigste Test des Jahres vor dem Start zum Minitransat im Herbst. Riechers musste dort seine Qualifikationspunkte einfahren. Das wäre fast schiefgegangen: Eine schwere Kollision am Start hätte um ein Haar das vorzeitige Aus des engagierten Projektes bedeutet. Kein Zieleinlauf bei der Trophée Map wäre gleichbedeutend mit einem Startverbot beim Minitransat gewesen.

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Der lange Riss im Rumpf, darüber das mit Tape verschlossene Loch

Riechers beschreibt die bangen Minuten: "Den Start bei guten 20 Knoten Wind wollte ich sehr ruhig angehen, um ja keine Kollision zu riskieren – in Luv am Startschiff in sechster oder siebter Reihe. Leider sind im hinteren Mini-Feld aber immer einige Kamikaze-Piloten unterwegs, so auch diesmal. Mit vollen sechs Knoten fuhr einer dieser Bruchpiloten (Kann Chuh mit der "Vmax", d. Red.) in unseren nagelneuen 'Lilienthal'. Resultat: ein überschaubar großes Loch im Boot, aber ein einen Meter langer Riss im Außen- und Innenlaminat direkt unter den Mast-Püttingen. Die Chancen, den Mast zu verlieren, standen bei 50/50."

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Das Loch im Rumpf von innen fotografiert

Weitermachen und das Risiko eingehen, das Boot völlig zu zerstören, oder aufgeben und damit die Startberechtigung für das Minitransat verlieren? "Als ich den Schaden sah, dachte ich, das war es jetzt – ein Jahr Arbeit in den Sand gesetzt. Aber ich erinnerte mich an das Minitransat 2011, das ich auch mit einem großen Loch im Boot begonnen hatte. Also auf der ersten Kreuz kurz getaped, um auf dem anderen Bug nicht zu sinken..."

An der ersten Marke war Riechers nur 40. "Dann kam die erste Sternstunde des noch jungen 'Lilienthal' – wie entfesselt segelte unser neuer Mini durch das Feld. Resultat: Zweiter Platz am Ausgang der Bucht von Douarnenez."

"Eines ist schon mal sicher: Auch ohne Foils ist das Boot sehr schnell und kann ganz vorn mitsegeln. Dass ich am Ende Dritter wurde (bei 15 Startern), lag zum einen an meinen noch nicht ganz eingeschliffenen Manövern nach vier Jahren Pause vom Einhandsegeln und natürlich auch daran, dass ich das Boot wie ein rohes Ei um den Parcours getragen habe, immer mit einem weit offenen Ohr, ob es ein unnatürliches Geräusch gibt."

Außer Jörg Riechers waren noch zwei Deutsche am Start, alle in der Gruppe der Serienboote (33 Starter). Oliver Tessloff wurde Neunter, Andreas Deubel 21.

Alle Ergebnisse

Lars Bolle am 12.06.2017

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