Offshore Team Germany

Jungfernflug verschoben: "Lilienthal" hebt (noch) nicht ab"

Mit seinem Mini 6.50 wollte Jörg Riechers über den Atlantik fliegen. Das klappt erst einmal nicht. Die Gründe für die Startverschiebung

Lars Bolle am 31.08.2017
Minitransat
Jörg Riechers

"Lilienthal" wurde der Neubau des Mini 6.50 des Offshore Team Germany nicht ohne Grund genannt. Der Hamburger Jörg Riechers wollte mit ihm beim Mini-Transat, das am 1. Oktober startet, als Erster überhaupt mit einem regelkonformen Boot über den Atlantik fliegen und das Race gewinnen. Doch daraus wird vorerst nichts – die Zeit wurde zu knapp.

"Im Juni wurde uns klar, dass das Zeitfenster für die Foils sehr klein werden würde", so Riechers. "Wir hätten vier Wochen Zeit gehabt, die Foils mit all ihrer Mechanik und Trimmmöglichkeiten in den Griff zu bekommen. Seglerisch hätten wir das hinbekommen, jedoch hätten wir bis zum Start des Transats die Zuverlässigkeit nicht gewährleisten können." So blieb nur ein Kompromiss. "Wir standen vor der Wahl, ein Boot zu haben, welches das Transat dominieren könnte, allerdings mit einer großen Chance auszuscheiden. Oder ein Boot zu haben, welches weniger schnell ist – aber immer noch schnell genug für einen Podiumsplatz –, von dem wir wissen, dass wir alles ausgiebig testen konnten, um die Chance des Ausscheidens zu minimieren."

Minitransat

"Lilienthal" im Hafen von Lorient

Doch auch der Schritt zurück zu herkömmlichen Schwertern statt Foils machte aufwändige Umbauten nötig. Da das Boot zunächst auf Foils abgestimmt war und die Schwertkästen und der Kielanstellwinkel entsprechend ausgelegt, mussten diese modifiziert werden. "Wir haben die Schwertkästen und damit den Winkel und Anstellwinkel der Schwerter geändert", so Riechers. "Weiterhin haben wir den Kielanstellwinkel um zwei Grad erhöht, damit der Kiel mehr Lift generiert. Erste Trainings haben gezeigt, dass das Boot jetzt einfacher zu segeln ist, vor dem Wind und raumschots gutmütiger. Am wichtigsten aber: Es ist schneller geworden!"

Riechers konzentriert sich in der verbleibenden Zeit bis zum Start auf das Finetuning des Bootes. "Da wir wissen, dass wir ein schnelles Boot haben, geht es jetzt darum, es zuverlässig zu machen. Alle Systeme – wie den Autopiloten – immer wieder zu testen. Backups für alles, was beim Transat kaputtgehen kann, zu installieren und zu testen. Parallel erstellen wir die Sail-Crossovers und Polardiagramme, hier können wir glücklicherweise auf die Daten aus der Zeit mit dem Mare Racing Team zurückgreifen, das spart eine Menge Stunden ein. Weiterhin suchen wir die Sweet Spots des Bootes und versuchen, es so gut wie möglich kennenzulernen."

Offshore Team Germany

Jörg Riechers

Beim Mini-Transat geht Riechers in der Gruppe der Prototypen an den Start, die deutlich schneller als die Serienboote sind, aber auch aufwändiger zu segeln. Einen Podiumsplatz hält der Hamburger für möglich: "Beim Transat haben wir an die sechs Boote, die sehr gut performen können. Allen voran Ian Lipinski – der Top-Favorit für das Mini-Transat –, der seit zwei Jahren alle Rennen gewonnen hat. Weiterhin sollten wir auf 'Arkema' achten, einen innovativen Semi-Foiler mit Flügelrigg. Die '888' von Simon Kostner – eine weitere Scow – hat beim Mini-Fastnet gezeigt, dass sie schnell ist. Aber wir wissen, dass wir alle bis auf Ian Lipinski schlagen können. Unser Ziel ist ein Podiumsplatz, und vielleicht können wir Lipinski ein wenig unter Druck setzen."

Fliegen bleibt das Ziel

"Lilienthal" soll aber dennoch fliegen, nur zu einem späteren Zeitpunkt. "Die Foils und Bedienungen wurden von Martin Fischer bereits fertig konstruiert", sagt Manager Jens Kuphal. "Nach dem Mini-Transat soll das Boot zum einen als Ausbildungsboot für kommende Transat-Segler dienen. Zum anderen ist es unser Technologieträger für die Vendée Globe." Das Offshore Team Germany hat mit der ehemaligen "Acciona" einen Open 60 gekauft, mit dem Riechers 2020 an der Einhand-nonstop-Regatta um die Welt teilnehmen will. Zuvor sind weitere große Regatten, wie das Barcelona World Race, zusammen mit seinem Teampartner Robert Stanjek geplant. Der Berliner, ehemaliger Starboot-Weltmeister, kümmert sich derzeit um das Open-60-Projekt. "Die Erfahrungen, die wir im Anschluss an das Transat mit einem fliegenden 'Lilienthal' sammeln werden, sollen dann in einen fliegenden Open 60 einfließen", so Kuphal.

Offshore Team Germany

Lars Bolle am 31.08.2017

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