Mini-Transat 2017

Junge, komm bald wieder – Teil 2: Warten auf Lina und Andreas

Jan Heinze am 13.10.2017

Lina und Andreas trennen noch 55 bzw. 35 Semeilen vom Ziel. Nur hat leider der Wettergott kein Erbarmen. Während ich diese Zeilen tippe, läuft Andreas mit nur 1,5 Knoten Bootsgeschwindigkeit auf Gran Canaria zu. Ich hoffe für ihn, dass er auf seinem GPS die ETA-Anzeige nicht einblendet, denn die großen Schwankungen in der Ankunftszeit wären die reinste Quälerei für die Psyche.

In jedem Fall darf man aber annehmen, dass er jetzt auch durchaus einverstanden wäre, die Sache zeitig abzuschließen, an Land zu stehen und erst einmal Abstand zu der ganzen Angelegenheit Mini-Transat zu gewinnen. Zu sehr hat ihm die Flaute zugesetzt, als seit fast einer Woche östlichstes Boot in der Flotte.

Wenn er und natürlich auch Lina wenigstens wüssten, wie sehr die deutsche Mini-Community an sie denkt – so sehr, dass wir spontan die Classe Mini gebeten haben, heute am Freitag den alten Freddy-Quinn-Song "Junge, komm bald wieder" vor dem Wetterbericht über den Kurzwellenkanal abzuspielen (wobei wir alternativ noch "It’s a hard life" von Queen und "Ich war links" von Frank Schönfeldt diskutiert haben). Ob unser Song Lina und Andreas erreicht hat, werden wir vermutlich erst heute Nacht oder morgen erfahren.

Ungeachtet davon werden sich die nun fast 70 bereits auf Gran Canaria feiernden Segler einen guten Empfang für die Nachzügler ausgedacht haben. Der Esprit-Mini, der Mini-Geist – wir berichteten – wird sich auch hier deutlich bemerkbar machen, da bin ich mir sicher. Und ich erinnere mich noch, wie wir damals nach der ersten Etappe im Jahr 2015 auf den russischen Segler Yuri gewartet haben, der sich in den letzten zwei Tagen mit der Geschwindigkeit der Erdrotation dem Ziel näherte, während an Land eine Bootsparty nach der anderen startete.

Zuletzt stand Yuri nachts stundenlang weniger als eine Meile vor der direkt hinter einer hohen Hafenmole liegenden Ziellinie. Wie es organisiert wurde, weiß ich auch nicht mehr, aber die gesamte Flotte an Land – Freunde, Familien und Offizielle – sind irgendwann auf einen großen Ausflugskatamaran gestiegen und haben das Boot für ihn nicht sichtbar direkt hinter die Mole gelegt. Als Yuri in der Nacht den ersten Zentimeter Spibaum über die Ziellinie geschoben hat, ist der Kat um die Ecke gebogen, hat eine ohrenbetäubende Musik- und Lichtershow gestartet, und fast hundert Segler haben ihn überwältigend gefeiert.

Wünschen wir Lina und Andreas so einen Empfang. Es ist gut jetzt, ihr beiden. Kommt heim!

Über Jan Heinze    Der Unternehmer aus Hamburg, Fahrtensegler seit Kindesbeinen, ist viele Jahre im Mini-Zirkus gesegelt und hat sein Boot "Lonestar" auf dem Mini-Transat 2015 trotz einer schweren Havarie mitten auf dem Atlantik ins Ziel gebracht. Über seine Jahre in dieser Seglerszene und seine besondere Reise über den Ozean hat er das Buch "Atlantikfieber – ein Mann, ein Boot, ein Ziel" geschrieben. Er hält seitdem Vorträge über Motivation und Sinn solcher Abenteuer, wenn er nicht gerade selber eine neue Unternehmung auf See plant.

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Jan Heinze am 13.10.2017

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