Rolex Sydney Hobart Yacht Race

Harte Jury-Bestrafung: "Wild Oats" verliert Sieg und Rekord

Mit drakonischer Bestrafung der Wegerechtsverletzung durch die "Wild Oats XI"-Crew kurz nach dem Sydney-Hobart-Start setzt die Jury ein Zeichen

Tatjana Pokorny am 28.12.2017
73. Rolex Sydney Hobart Yacht Race
Rolex/Studio Borlenghi

73. Rolex Sydney Hobart Yacht Race

Novum im Rolex Sydney Hobart Yacht Race: Über Nacht ist die zunächst siegreiche Crew der "Wild Oats XI" am grünen Tisch vom Thron gestürzt worden. Der schnelle 100-Fußer der Oatley-Familie – noch am Vortag stürmisch gefeierter Line-Honors-Gewinner und neuer Rekordhalter – hat infolge einer drakonischen Jury-Entscheidung sowohl den Sieg als auch den Rekord an "LDV Comanche" von Jim Cooney und seiner Ehefrau Samantha Gant verloren. Die internationale Jury hatte "Wild Oats XI" nach der Anhörung beider Parteien mit einer Zeitstrafe von einer Stunde belegt und dadurch für die Ergebnisveränderung gesorgt.

Hier noch einmal die spannende Schlussphase der 73. Auflage des Klassikers. Geholfen hat das gelungene Überholmanöver der "Wild Oats XI" in den flauen Winden am Ende nicht, denn inzwischen hat die internationale Jury ihr eine Zeitstrafe aufgebrummt. "Line Honors"-Siegerin und neue Rekordhalterin ist danach "LDV Comanche"

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"Black Jack" im Einsatz

Nun darf die Crew der "LDV Comanche" den Pokal für das "First Ship Home" bei der 73. Auflage des australischen Weihnachtsklassikers entgegennehmen – und sich über den neuen Rekord freuen. Den hat die "LDV Comanche"-Crew mit Skipper Cooney, Steuermann und America's-Cup-Gewinner Jimmy Spithill, Star-Navigator Stan Honey und insgesamt 18-köpfiger Mannschaft mit 1 Tag, 9 Stunden, 15 Minuten und 24 Sekunden aufgestellt. Nach der aufgebrummten einstündigen Zeitstrafe kam "Wild Oats XI" nur noch auf eine gesegelte Zeit von 1 Tag, 9 Stunden, 48 Minuten und 50 Sekunden. "Wild Oats XI" hatte "LDV Comanche" etwa 15 Minuten nach dem Start bei den Sydney Heads zu dicht unterwendet und zur Kursänderung gezwungen. Die Jury sah darin ganz offenbar auch eine vermeidbare Gefährdung der Besatzungen und Boote.

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Langstreckenklassiker vor Traumkulisse: Auch deshalb erfreut sich das Rolex Sydney Hobart Yacht Race so großer Beliebtheit

Der Jury-Vorsitzende John Rountree erklärte, dass die "Wild Oats XI"-Crew es nach dem Vorfall versäumt habe, die laut Reglement geforderten zwei Strafkringel zur eigenen Entlastung zu absolvieren. Die Bestrafung sei in Übereinstimmung mit den Punkten 20.1b und SI 22.1 der Segelanweisung erfolgt. Weil auch "LDV Comanche" die alte Bestmarke deutlich unterboten hatte, ist sie nun die neue Rekordhalterin. "LDV Comanche"-Eigner Jim Cooney sagte nach der Entscheidung: "Ich denke, die Vorgehensweise der Jury ist absolut fair und begründet. Wenn du es mit Booten dieser Größe und dieses Kalibers zu tun hast – wir bewegen uns hier auf dem höchsten Niveau unseres Sports –, dann müssen diese Boote verantwortungsbewusst und mit Respekt vor den gegebenen Bedingungen und möglichen Auswirkungen von Manövern gesteuert werden. Ich hatte das starke Gefühl, dass das hier nicht der Fall war. Die Regeln sind dazu gemacht, Menschen und die Boote zu schützen. Wenn wir uns darauf nicht verlassen könnten, wäre das ein Problem für unseren Sport."

"Wild Oats XI"-Eigner Sandy Oatley und sein Skipper Mark Richards reagierten fair auf die Bestrafung und den Verlust von Sieg und Rekord. Richards sagte: "Wir sind natürlich sehr enttäuscht, doch die internationale Jury hatte ihren Job zu machen. Sie haben den Vorfall so gesehen, wie sie ihn gesehen haben. Wir haben ihn etwas anders gesehen. Doch das Ergebnis ist das Ergebnis, und wir haben die Entscheidung der Jury zu akzeptieren." Sandy Oatley sagte: "Wir möchten einfach Jim Cooney und seiner Crew zu ihrem Erfolg gratulieren und das nun hinter uns lassen."

Inzwischen hat etwa ein Drittel der Flotte den Zielhafen Hobart erreicht. Fünf der gestarteten 102 Boote sind ausgeschieden, darunter auch als Erste die TP52 "Rockall" des Hamburger Eigners Christopher Opielok, die das Rennen nach Ruderbruch und gefährlichem Sonnenschuss in 30 Knoten Wind hatte aufgeben müssen und inzwischen von der australischen Coast Guard erfolgreich abgeschleppt wurde. Die Mannschaft hat das Boot in Lakes Entrance (Bullok Island) klariert und plant den Rücktransport. Die Aufgabe ist doppelt bitter, denn der Blick auf die Zwischenstände verrät, welche Möglichkeiten die "Rockall"-Crew ohne den Ruderbruch gehabt hätte: Mit "Ichi Ban" und "Quest" liegen aktuell gleich zwei TP52-Yachten in der IRC-Wertung und – in umgekehrter Reihenfolge auch in der ORCi-Wertung – in Führung. Kurz vor dem Ruderbruch hatte die "Rockall"-Crew gerade zum Angriff auf die "Quest" angesetzt.

Klappt es mit dem Gesamtsieg nach berechneter Zeit? "Ichi Ban"-Eigner Matt Allen berichtet vom Rennen. Sein Team liegt in der IRC-Wertung nach Eintreffen des ersten Drittels der Flotte in Führung

"Rockall"-Eigner Opielok: "Wir wollen unsere Geschichte zu Ende bringen!"

YACHT online berichtete Opielok: "Uns geht es sehr gut. Das Schiff ist aufgeklart. Ohne Ruder... Die Polizei hatte uns heute morgen vor dem Hafen abgeliefert. Spider (Red.: Martin Klawon) und ich sind gerade in Hobart angekommen. Wir haben den Tracker im Rucksack und wollen unsere Geschichte damit zu Ende bringen, das Ding hier bei der Wettfahrtleitung abgeben und dann mal schauen, ob wir nicht doch noch angekommen sind... Für uns ist die Sache nicht geplatzt, sondern mit dem abgegebenen Tracker dann doch irgendwie zu Ende gebracht. Das Schiff wird jetzt für die Verladung nach Melbourne vorbereitet. Wir haben zum Glück ein Cradle, können die Kiste rausholen und nach Melbourne bringen. Am 15. Januar wird sie vermutlich nach Newport verschifft."

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Christopher Opieloks "Rockall" nach Ruderbruch im Hafen von Lake Entrance (Bullok Island). Von hier geht es auf dem Landweg nach Melbourne, von wo das Boot nach Newport verschifft wird

Auf ihren Einsatz blicken die Segler der "Rockall" versöhnt zurück. Mit Augenzwinkern berichtete Opielok: "Wir haben von Anfang an bewiesen, dass wir mit vorn liegen können. Am Ende wäre es vielleicht eine Top-Ten-Platzierung geworden, weil uns im Abgleich zu einigen Profi-Crews die Erfahrung fehlte. Aber das Schiff ist irre schnell. Und als es knallte, waren wir noch unter den Top Fünf... Nun kommt der Tracker an. Was will man mehr?"

Rolex Sydney Hobart Yacht Race 2017

"Rockall"-Eigner Christopher Opielok (r.) und Martin "Spider" Klawon

Tatjana Pokorny am 28.12.2017

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