Mini-Transat 2017

Französische Frauenpower

Clarisse Crémer wird Zweite im Serienboot hinter dem jüngsten Transat-Teilnehmer Erwan le Draoulec. Kaum angekommen, sucht die Französin neue Herausforderungen

Kristina Müller am 17.11.2017
Mini-Transat 2017
Breschi/Mini Transat La Boulangère

Lange vor dem Startschuss zum Mini-Transat 2017 hatte Clarisse Crémer für Aufsehen in der Mini-Szene gesorgt – nun hat die 27-jährige Französin bewiesen, dass sie ihren Traum der Atlantiküberquerung nicht nur erfolgreich vermarkten kann, sondern auch auf sportlichem Niveau brilliert: Als Zweite in der Serienbootwertung segelte sie gestern über die Ziellinie vor Martinique. In der Gesamtwertung der Hochseeregatta erreicht sie damit ebenfalls Platz zwei. Eine außergewöhnliche Leistung der jungen Frau, die erst vor zwei Jahren mit dem Regattasegeln im Mini begonnen hat. 

Mini-Transat 2017

Die letzten Meter: Clarisse Crémer auf ihrer Pogo 3 "Pile Poile" vor Martinique 

"Ich habe in den letzten drei Stunden nur noch geheult, wie ein kleines Mädchen", sagte Crémer bei ihrer Ankunft über ihre Gefühle kurz vor Erreichen der Ziellinie – trotz Schlafmangels und Einsamkeit auf See war sie aber enthusiastisch und energiegeladen wie immer. Und offensichtlich überwältigt von ihrem guten Ergebnis. Kein Wunder, war es doch Crémers erste Atlantiküberquerung, die erste Teilnahme am Mini-Transat. Bis zu ihrem Einstieg ins Mini-Segeln vor zwei Jahren war sie nie zuvor einhand gesegelt.

14 Tage, 23 Stunden und sieben Minuten benötige Crémer mit ihrer Pogo 3 "TBS" für die Transatlantik-Etappe von Las Palmas nach Martinique, gut zehn Stunden länger als Etappensieger Erwan Le Draoulec (Pogo 3, "Emile Henry"), der sichtlich erschöpft ankam. Er habe das Rennen in keinem Moment genießen können, da er sein Boot ständig am Limit gesegelt habe, sagte er.

Mini-Transat 2017

Sieger der Serienbootwertung: der mit 20 Jahren jüngste Teilnehmer Erwan le Draoulec

Platz eins in der Gesamtwertung wird ihm niemand mehr nehmen können. Auch für Crémer ist Gesamtplatz zwei sicher. Für das Endergebnis werden die Zeiten der beiden Etappen des Mini-Transat addiert (La Rochelle–Las Palmas und Las Palmas–Le Marin/Martinique). Der Segler mit der niedrigsten Zeit gewinnt.

Mit dem Silberrang ist Clarisse Crémer eine von sehr wenigen Frauen, die bisher einen Podiumsplatz bei der Einhandregatta erreicht haben: Isabelle Autissier wurde 1987 Dritte, Justine Mettraux, die gerade im Rahmen Transat Jacques Varbre über den Atlantik jagt, 2013 Zweite in der Serienboot-Wertung.

Mini-Transat 2017

Karibische Begrüßung: Ti Punch und Früchte

Auf die Frage, was es ihr bedeutete, als erste Frau im Feld die Karibik erreicht zu haben, sagte Crémer unmittelbar nach der Ankunft jedoch schlicht: "Das ist gerade gar nicht wichtig." Sicher war dies ihr heimlicher Wunsch, wie sie im YACHT-Interview im Januar 2017 erzählt hatte, ebenso wie eine Top-Ten-Platzierung, doch formulierte sie ihn vor dem Rennen stets sehr vorsichtig: "Klar wäre das ein Traum, aber ich bin noch nie über einen Ozean gesegelt, wie kann ich da an die Top Ten denken."

Seglerisch war Crémer trotz ihres Newcomer-Status zwar letztlich vielversprechend ins Transat gestartet, mit einem ersten Platz beim Trans-Gascogne 2017 und Mini-Fastnet 2017. Dennoch war längst nicht klar, dass sie sich auf dem Atlantik gegen erfahrene Mini-Segler wie den Iren Tom Dolan durchsetzen würde. 

Clarisse Cremer Minitransat 2017

Vor dem Transat: Crémer (l.) und Gahinet auf Sponsorensuche

Bekannt geworden ist die selbstständige Jungunternehmerin aus Paris in der französischen Segelszene mit ihrer Medienkampagne "Clarisse sur l’Atlantique" (dt.: Clarisse auf dem Atlantik). Gemeinsam mit Freundin und Geschäftspartnerin Anne-Laure Gahinet, Frau des französischen Segelprofi Gwenolé Gahinet, hat sie mittels unterhaltsamer Videos sehr erfolgreich Sponsoren für ihre Mini-Kampagne gewonnen. Als Auszeichnung für ihr damit einhergehendes effektives Werben für den Wassersport hatte die junge Französin im Januar 2017 den Seamaster Award der boot Düsseldorf und des Delius Klasing Verlags erhalten (Porträt in YACHT 4/2017). Die finanziell erfolgreiche Vermarktung ihres Projektes ermöglichte Crémer die Anschaffung einer neuen Pogo 3 und eine intensive Vorbereitung auf das Mini-Transat.

Und dennoch gibt es etwas, das Clarisse Crémer vermisst hat in ihrem Rennen: "Was ich nach dem Mini-Transat mache? Ich weiß es nicht. Ich hatte gehofft, dass die Regatta die Erleuchtung bringen würde. Hat sie aber nicht. Es war ein geniales Projekt, in das ich zwei Jahre meines Lebens gesteckt habe. Jetzt muss ich ein neues, sinnvolles Projekt finden." Zuallererst wolle sie nun aber einmal richtig trocken werden – die vergangenen zwei Wochen seien nass genug gewesen. 

Kristina Müller am 17.11.2017

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online