Silverrudder 2017

Die Entdeckung der Langsamkeit: Nur 130 Solisten kamen durch

Das Silverrudder 2017 ist Geschichte: Die Ergebnislisten werden noch lange an diese langsamste aller Auflagen erinnern. 130 Boote erreichten das Ziel im Limit

Tatjana Pokorny am 24.09.2017
Silverrudder 2017
Andreas Lindlahr

Es war eine Härteprüfung der besonderen Art: Die langsamste Silverrudder-Auflage ihrer jungen Geschichte hat nicht nur die Skipper auf die Nervenprobe gestellt, sondern das Feld bis ins Ziel auch drastisch dezimiert. Nur 131 Startern gelang die Umseglung Fünens im Uhrzeigersinn. 177 ins Rennen gegangene Boote erreichten den Start- und Zielhafen Svendborg nicht im Zeitlimit oder hatten zuvor schon aufgegeben und Kurs auf den Heimathafen genommen. Weitere 107 Skipper mochten sich die Flautenschieberei bei dieser 6. Edition des Solo-Klassikers erst gar nicht antun.

"First Ship Home" war erwartungsgemäß der schnelle Trimaran "Black Marlin" mit dem dänischen Skipper Jan Andersen, der für den theoretisch 134 Seemeilen langen Kurs rund um Fünen in den teilweise extrem flauen Winden 29 Stunden, 33 Minuten und 53 Sekunden benötigte. An Rekorde war in diesem Jahr von Beginn an nicht zu denken. Andersen hatte die Ziellinie vor Svendborg am Samstagabend um 19.33 Uhr erreicht. Da lag vor vielen Startern noch die zweite Nacht auf See – in diesem Ausmaß ein Novum in der Historie der Einhandregatta. 

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Bei keinem bis wenig Wind war das 6. Silverrudder am Freitagvormittag gestartet worden

Den Sieg in der Gruppe der "Kielboote Mini" sicherte sich mit Per Cederberg auf der Seascape 24 "Danish Seascape II" (39 Stunden, 22 Minuten, 25 Sekunden) ebenfalls ein Däne vor Patrik Heinrichs T-24 "Jynx" (40:12:20) und Harald Müllers Platu 25 "Honk" (41:41:11). Auf Platz acht segelte in dieser Flotte der kleinsten Silverrudder-Herausforderer Piers Oest mit der Bente 24 "Goldensnatch" (42:54:47). Auch in der Division "Kielboote Small" setzte sich mit Allan Lester Kierkegaard ein Däne durch, er kam mit seiner X-79 "Charole" nach 40 Stunden, 16 Minuten und 18 Sekunden ins Ziel. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Peter Edmans schwedische Seascape 27 "My" (40:28:55) und Søren Juels dänische Albin Express "Explorer" (40:45:27). Der so virtuos gestartete französische Solosegler und Seascape-Designer Sam Manuard erreichte das Ziel auf der geliehenen schwedischen "Hammerscape" nicht im Zeitlimit.

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Keine leichte Aufgabe: Bei ein bis zwei Knoten Gegenstrom hatten sich die meisten Teilnehmer am Freitag überaus mühsam ins Rennen kämpfen müssen. Viele ankerten gar, um dem allgemeinen Rückwärtstreiben Einhalt zu gebieten

In der Medium-Gruppe setzte sich Per Svanbergs schwedische Fareast 31R - GRP "Kuài" mit einer gesegelten Zeit von 37 Stunden, 50 Minuten und 22 Sekunden durch. Zweiter wurde sein Landsmann Anders Bastiansen auf der X-332 "Taxim" (37:50:43) vor der X-332 "Dogmatix" (38:43:15) von Stefan Voss. Die ersten beiden Boote trennten im Ziel nach packendem Endspurt nur 21 Sekunden! 

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Peter Kohlhoffs "Gloria" auf Siegkurs im Silverrudder 2017

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"Large"-Sieger: Peter Kohlhoff auf "Gloria"

Der einzige deutsche Gruppensieg gelang Peter Kohlhoff mit seinem bildschönen Einzelbau und Familien-Cruiser "Gloria", die das Rennen in der Gruppe der "Kielboote Large" machte. Kohlhoff und sein 40-Füßer erreichten das Ziel nach 36 Stunden, 41 Minuten und 15 Sekunden. Kurz nach dem Zieldurchgang bei seiner dritten Teilnahme sagte der Kieler: "Es war das schönste aller Silverrudders! Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass so viele Boote aufgegeben haben. Ja, es war mental sehr anstregend. Man war immer auf der Suche nach dem nächsten Brisenstrich. Aber man macht das doch auch, um sich zu quälen und an seine Grenzen zu gehen." Zweite wurde in der großen Gruppe William Frijs-Møllers IMX 40 "Mandalay" vor Peter Wredes modifizierter J 39 "Yes!". Bei Wredes Silverrudder-Premiere war der Bootsname das Programm: der ehemalige Olympiateilnehmer segelte auf Anhieb aufs Gruppenpodium.

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Peter Kohlhoff und seine "Gloria" nach dem Zieldurchgang auf dem Weg nach Strande

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Die Start- und Ziellinie vor Svendborg

In X-Large hatte Martin Meredins dänische X-43 "Esbern Snare" nach 34 Stunden und 33 Sekunden die Bugspitze vorne. Rikard Roths schwedische Xp-44 "Xar" (36:32:47) kam gute zweieinhalb Stunden später ins Ziel. Als dritte folgte Stig Wittrups dänische First 40 "My Way" (36:47:15) etwa eine Viertelstunde später. Für einen weiteren dänischen Sieg sorgte in der Gruppe der kleinen Mehrrumpfer Peter Højlands Farrier F22r "Linet2" (35:39:54). Damit hat die dänische Minderheit der Teilnehmer die deutsche Mehrheit bei dieser Auflage deutlich geschlagen. Darum aber geht es den meisten Teilnehmern gar nicht. Für sie bleibt das Silverrudder Herausforderung und Abenteuer, bei dem Ankommen das wichtigste Ziel ist. Wem das in diesem Jahr nicht gelungen ist, der wird es vielleicht in einem Jahr wieder versuchen.

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Happy End der vielleicht schönsten Geschichte im Silverrudder 2017: Niels Thomsen (70) hat es geschafft, erreichte die Ziellinie mit seiner Scanmar 33 "Tustinne" nach 47 Stunden, 32 Minuten und 59 Sekunden auf See am Sonntagvormittag als vorletzter "Finisher" der Gruppe Medium. Damit ist der sympathische dänische Landwirt nun der einzige Segler, der an allen sechs Auflagen des Solo-Klassikers rund Fünen teilgenommen hat. Skål, Niels!

Tatjana Pokorny am 24.09.2017

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