America's Cup

Deutsche Firma fertigt Kiel-Finne für BMW Oracle Racing

Der US-Herausforderer für den 32. America’s Cup setzt auf die Technologiekompetenz aus Thüringen

Lars Bolle am 22.11.2005

Der Kiel von "USA 76", wie er im Herausfordererfinale 2003 eingesetzt wurde

Eines der wichtigsten Bauteile der neuen Yacht von Oracle BMW Racing wird in Eisenach gefertigt. Die Kielfinne, die die Bombe mit dem Rumpf verbindet und gleichzeitig zur Verminderung der Abdrift beiträgt, ist eines der am meisten beanspruchten Bauteile eines America's Cuppers.

Mit herkömmlichen Fahrtenyacht-Kielen, meist aus einem Stück gegossen, haben Cup-Kiele kaum eine Gemeinsamkeit. Die technologische Herausforderung bei diesem Bauteil besteht darin, es so leicht wie möglich und so strömungsgünstig wie möglich zu fertigen. Das gesparte Gewicht kann, wie auch beim Rumpf, in die Bleibombe einfließen und kommt so einer Gewichtskonzentration am tiefsten Punkt zugute und damit einem erhöhten aufrichtenden Moment der Yacht. Gleichzeitig muss diese Finne, die mit Aufhängung im Rumpf über drei Meter lang ist und an der eine Bleibombe von zirka 20 Tonnen hängt, extrem schmal und dünn sein, um so wenig hydrodynamischen Widerstand wie möglich zu produzieren.

Strukturanalytiker Thomas Hahn

Umgesetzt wird dies auf verschiedenen Wegen. Die Finne kann aus einem Stück gegossen und anschließend geschmiedet werden. Sie kann aber auch aus einem Stahlrahmen bestehen, der dann mit Gusseisen umhüllt wird. Oder sie ist einfach ein viereckiges Stück gewalzter Stahl, das mit einem Schumkern und Karbonschalen umhüllt wird. Die wohl aufwändigste Variante ist, den Kiel aus zwei gegossenen Halbschalen zu fertigen, die innen durch Stege miteinander verbunden sind.

Die Kiele der drei Top-teams des vergangenen Cups. Die großen Unterschiede zeigen deutlich, wieviel Entwicklungspotenzial in diesem segment noch steckt

Welche Variante bei BMW Oracle Racing zum Einsatz kommt, wollte Thomas Hahn (39), gegenüber YACHT-online nicht verraten. Hahn ist Luft- und Raumfahrtingenieur und beim im Konstruktionsteam für die Kielfinne sowie für Materialoptimierung beim Rumpf zuständig. Dass das BMW Werk Eisenach den Zuschlag für die Fertigung der Finne bekam, begründet Hahn mit der Kompetenz der Werkzeugmanufaktur im Automobilbau. Gerade Großbauteile sowie Design-Modelle und Prototypenteile werden dort für die BMW-Serienfertigung gebaut. Das Werk wird laut Hahn ein Positiv-Modell der späteren Finne fertigen, das Gießen selbst soll dann in einer noch nicht benannten Gießerei in Westdeutschland erfolgen. Damit ist aber immerhin klar, dass es sich bei der Finne um eine Variante mit Gusseisen handeln wird.

Geplant ist, dass im Frühjahr 2006 der Kiel in der neuen Rennyacht des Teams vor Valencia zum Einsatz kommen wird. Zu sehen wird sie jedoch nicht sein. Denn ab 1. Januar 2006 dürfen die Unterwasserschiffe der Cupper wieder verhüllt werden.

Lars Bolle am 22.11.2005

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