Kieler Woche

Der König kentert und siegt

Wolfgang Hunger musste nach zwei Kenterungen heftig kämpfen, doch mit Julien Kleiner gelangen 505er-Sieg sechs in Folge und ein neuer Rekord

Tatjana Pokorny am 30.06.2013
Hunger/Kleiner

Mussten um ihren sechsten gemeinsamen 505er-Sieg in Folge kämpfen: Wolfgang Hunger und Julien Kleiner

Es war eine nasse Kieler Woche für den König: Am Samstag kenterten Rekordsieger Wolfgang Hunger und sein Vorschoter Julien Kleiner zum ersten Mal in stürmischen Winden um 6 Beaufort. Am Sonntag folgte im vorletzten Rennen der 505er-Serie die zweite Kenterung mit reichlich Segelchaos an Bord. Das Doppel-Malheur forderte Hunger und Kleiner viel Kraft ab. Sie konnten die Wettfahrt nicht beenden, musste dann im elften und letzten Durchgang unbedingt punkten, um den 21. Kieler-Woche-Sieg für Hunger doch noch zu sichern.

Meike Schomäker/Holger Jess

Zu viel Wind für die Europameister: Steuerfrau Meike Schomäker und Holger Jess

Im Finale wehten erneut bis zu 25 Knoten Wind auf dem Stollergrund, versetzt mit einer heftigen Welle, die eher den schweren Crews entgegen kam. Keine Chance für die zu leichten Europameister Meike Schomäker und Holger Jess, die Gesamt-Sechste wurden. Und auch keine Chance für die Hamburger Weltmeister Claas Lehmann und Leon Oehme, die mit Platz acht zufrieden sein mussten.

Im Finale vermieden Hunger/Kleiner erfolgreich eine dritte Kenterung und kreuzten die Ziellinie als Dritte. Das reichte zum neuen Kieler-Woche-Rekord, zum 21. Hunger-Sieg und zum sechsten Triumph in Folge für die Erfolgs-Crew Hunger/Kleiner. "Es war heute echt ruppig da draußen", sagte Hunger, "die Kenterung in der zehnten Wettfahrt hat es schwer gemacht für uns. Wir bekamen es auf dem Stollergrund mit 5 bis 6 Beaufort und reichlich Welle zu tun. Julien und mir fehlte ein wenig die gemeinsame Segelpraxis in solchen Bedingungen. Umso schöner, dass es am Ende doch noch mit dem Sieg geklappt hat."

Neben Hunger/Kleiner konnten sich deutsche Teams in weiteren neun der insgesamt 17 internationalen Klassen durchsetzen. Für Organisationsleiter Peter Ramcke bot seine erste Kieler Woche in Alleinverantwortung Grund für Optimismus: "An der Temperaturschraube müssen wir zwar noch etwas drehen, aber mit über 400 Wettfahrten in neun Tagen haben wir ein anspruchsvolles Programm geboten, hatten vor allem in den Jugendklassen sehr gute Meldezahlen und sind bei unserem Vorhaben, die Segler mehr in den Mittelpunkt zu stellen, auf einem guten Weg. Dieses Ziel werden wir weiter verfolgen."

Die beste Serie aller Teilnehmer segelten im Formula18-Katamaran die Brüder Helge und Christian Sach. Erst am letzten Tag bekamen sie einen winzigen Fleck auf die weiße Weste, als sie einmal hinter dem insgesamt drittplatzierten Team Sven Lindstädt/Maren Odefey (Norderstedt/Lübeck) nur als Zweite die Ziellinie passieren konnten. In den weiteren zehn Rennen waren die Brüder aus Zarnekau eine Klasse für sich und gewannen die Serie vor Arne Gosche und Michael Walther aus Kiel. In den acht Jahren, in denen der F18-Kat vor Kiel Teil der internationalen Hälfte ist, ist es der sechste Erfolg für die Sachs.

"Wir hatten das Boot auf Sturm getrimmt und dann Glück, dass die ganze Zeit Wind war", sagte Vorschoter Christian Sach. Steuermann Helge Sach stellte den Organisatoren ein gutes Zeugnis aus: "Der Segler steht wieder mehr im Mittelpunkt. Es ist wirklich geil, hier zu segeln."

FD Kilian König

Kilian König und Johannes Brack siegten im Flying Dutchman

Hochspannung herrschte am letzten Tag auch bei den "Fliegenden Holländern". Trotz souveräner Vorstellung hatten sich Kilian König und Johannes Brack (Edersee) mit einer Frühstart-Disqualifikation am vorletzten Tag noch einmal selbst in Bedrängnis gebracht. Mit einem ersten und einem zweiten Platz zum Abschluss glichen sie ihren Patzer aber wieder aus. Auf das letzte Rennen verzichten konnte Christoph Nielsen aus Berlin bei den Folkebooten, der sein 40. Kieler-Woche-Jahr mit dem vierten Sieg vor Schilksee krönte.

Wachablösung dagegen bei den Hobie 16: Stefan Wiese-Dohse und Susanne Gehrmann (Sütel) verteidigten mit zwei Tagessiegen am letzten Tag ihre Führung gegenüber Seriensieger Detlef Mohr aus Reinfeld mit seiner Vorschoterin Karen Wichardt (Hohwacht). "Das waren hier optimale Bedingungen für uns. Wir lieben den starken Wind und sind da fast unschlagbar. Seit neun Jahren segeln wir zusammen, und da läuft die Arbeit auf dem Boot natürlich rund", freute sich Wiese-Dohse über den ersten Kieler-Woche-Sieg. Als neue starke Kraft in der OK-Jolle segelt André Budzien von Sieg zu Sieg. Im vergangenen Jahr gewann er die Deutsche Meisterschaft und die Weltmeisterschaft, in diesem Jahr sicherte er sich mit beständig guten Leistungen den Kieler-Woche-Titel.

Jasper Steffens

Starker dritter Platz für Jasper Steffens und Tom Lennart Brauckmann im 29er

Im 29er dagegen musste sich der deutsche Nachwuchs bei der Generalprobe für die Europameisterschaft im kommenden Jahr im Rahmen der Kieler Woche noch geschlagen geben. Die Franzosen Lucas Rual und Emile Amoros setzten ihre beeindruckende Siegesserie fort und hatten am Ende der 14 Wettfahrten zwölf Siege und zwei zweite Plätze auf dem Konto. Auf Rang drei aber demonstrierten Jasper Steffens und Tom Lennart Brauckmann aus Kiel, dass mit ihnen im kommenden Jahr zu rechnen sein wird.

Fast hätte der Nachwuchs aus dem Audi Sailing Team Germany die Erfolge der deutschen Segelnationalmannschaft aus dem ersten Teil der Kieler Woche eingestellt. Im Laser 4.7 setzte sich Eric Toralf Malach souverän durch, ebenso wie Jan Borbet mit seinem Vorschoter Kilian Northoff im 420er.

Tatjana Pokorny am 30.06.2013

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