Rund Skagen

Crew muss nach Flaute aufgeben

Für die "Ole Marie" bedeutete der fehlende Wind das Aus. Über die Hälfte des Regattafeldes hat inzwischen die Ziellinie gequert

Ricarda Richter am 20.05.2016
Die "Ole Marie" auf dem Trucker

Die "Ole Marie" ist laut Tracker in ihrer Startgruppe führend – der Wertung entspricht dies jedoch nicht

Der Große Belt wurde gestern für viele Crews der Pantaenius-Rund-Skagen-Regatta zur Geduldsprobe. Mehrere Stunden hingen die Yachten mit weniger als einem Knoten Fahrt vor Langeland fest. Die "Ole Marie" musste aufgrund der zehrenden Flaute aufgeben. Die Hallberg-Rassy, die bereits seit Höhe Sylt das Schlusslicht des Regattafeldes bildete, traf es schon am Mittwoch in der Jammerbucht, als die Konkurrenten bereits in der Ostsee waren. "Vor Skagen war plötzlich der Wind weg, und wir haben uns in zehn Stunden bis zur Tonne durchgekämpft", sagte Skipper Udo Wischhusen am Telefon. An der Nordspitze Dänemarks lief es zunächst wieder etwas besser für die Crew, bis zum Abend hin erneut die Flaute einsetzte. "Uns läuft die Zeit davon, sonst würden wir das sehr gern aussitzen." Die Crew entschied sich, den Motor anzuwerfen und befindet sich inzwischen vor Nyborg. Der Tracker hat ihr mittlerweile das Krönchen aufgesetzt – danach liegt sie in ORCC Delta auf dem ersten Platz. Der offiziellen Wertung entspricht das jedoch selbstverständlich nicht.

Crew der "Amuse Bouche" nach Zieleinlauf

Die "Amuse Bouche" kann zufrieden sein – sie erreichte in der ORCC Bravo den ersten Platz

Einige Yachten schafften es am Abend auch trotz der Flaute noch nach Strande. Kurz nach 18 Uhr lief die "Imagine", nur zwanzig Minuten später die "Sunbird" ein. Es folgten die "Amouse Bouche", die "halbtrocken Xpress" und "Asia de Cuba", die ihren ersten Platz in der Startgrupp ORCi Bravo behaupten konnte. "Wir haben nach zweimaligem First Ship Home tatsächlich einen Berechnungssieg. Dass dieser mit einer Hanse erfolgt ist, bei der Rumpf, Kiel und Mast dem Serienstandard entsprechen, freut uns besonders", berichtet Skipper Oliver Schmidt-Rybandt der YACHT. Die stets mit Favoritenrolle startende "Elan" hingegen musste sich auch gegen die Swan 46 "Rarotonga" geschlagen geben und landete auf dem dritten Platz.

Die "Roaring Forty" von Jan Hamester wird auf dem Tracker noch immer auf ihrer Position von gestern Mittag kurz hinter der Großen-Belt-Brücke angezeigt – das Duo an Bord ließ jedoch über seine Facebook-Seite wissen, dass der Tracker ausgefallen sei und sie wieder Fahrt machten.

Wer noch nicht im Ziel ist, muss die Regatta nach dem aktuellen Wetterbericht von Meeno Schrader so beenden, wie sie begonnen hat: mit Wind genau von vorn.

Trucker heute Morgen

Der Tracker zeigt, dass über die Hälfte der Yachten inzwischen in Strande angekommen ist

Den Tracker zum Pantaenius Rund Skagen finden Sie hier.

Den vollständigen Bericht von Oliver Schmidt-Rybandt, dem Skipper der "Asia de Cuba" lesen Sie hier:

"Rund Skagen ist ein Klassiker. Wir sind gern dabei. Einmal habe ich mit Freund Henrik Masekowitz das kleinste Boot der Flotte gestellt. Dann mit meinem Teamchef Felix eine sehr kurzfristig gechartert IMX. Dann fuhren wir Volvo. Einmal ‚SEB’ und einmal ‚Illbruck’, mit der wir in einem Herzschlagfinale die starke ‚Varuna’ um zwei Minuten schlagen konnten. Was nun? Für dieses Jahr wollten wir keinen Volvo losbinden. Zu kurzfristig hinter dem Rennen wäre ein Event, bei dem die Boote gebucht sind. Mal wieder ein kleineres Boot? Teamchef Felix Hauß überredet mich, es mal nach berechneter Zeit zu versuchen. Die Hanse 400 ‚Asia de Cuba’ von unserem Freund Jörg Krohn sei bestens geeignet. Die eine oder andere Streckenregatta konnten wir mit ihr schon gewinnen. Aber mit einer Hanse 400 Rund Skagen? Es könnte hart werden.
Wurde es auch. Es gibt keine Seekojen. Wir bauen uns welche. Die Segel sind schon 5 Jahre alt. Aber noch sehr schnell. Unter Deck kann man sich kaum festhalten. Dann muss man eben auf allen Vieren vorwärts kommen. So lasse ich mich breitschlagen. Die Crew rekrutiert sich teils aus dem Stamm der ‚Asia’ und teils aus Freunden von ‚speedsailing’. Zu siebt gehen wir an den Start. Die Liste an zu erledigenden Arbeiten ist lang gewesen. Viel Wind ist vorerst angesagt. Das mag die schwere Hanse gern. Was folgt hätte ich nicht erwartet. Einerseits nicht, dass sich das Boot in der Welle des Skagerrak kaum unter Kontrolle halten lässt. Aber auch nicht, zu welcher Gangart wir das Boot animiert bekommen. Der Topspeed im freien Fall eine große Welle hinunter beträgt 19,7 Knoten. Unglaublich! In der Gruppe hängen die Trauben hoch. Es ist die ORCi bravo. Hier sind die engsten Kämpfe mit ähnlichen Booten zu erwarten. Wer hier gewinnen will muss an Rund Skagen Urgestein Harald Baum nebst Freunden und Familie auf der Swan 48 ‚Elan’ vorbeikommen. Schwierig. Aber der Rest ist auch nicht von Pappe. Sechs Swan Yachten, drei X, eine Luffe und eine Hanse streiten sich um die besten Plätze. Wir fahren ein gutes Rennen. Taktiker Otto bekommt uns vor dem Feld über die Startlinie, die Nordsee entlang laufen wir weiterhin vorn im Feld.
Im Skagerrak bekommen wir Schwierigkeiten. Die achterlich einfallende See erreicht beeindruckende Größe und lässt das Boot schwer kontrollierbar werden. Unter kleinem asy Kite legen wir uns zwei Mal heftig hin, dann entscheiden wir uns doch lieber für eine Genua. Unvorstellbare 19,7 Knoten werden geloggt (im Nordostsee Kanal hatten wir extra kalibriert) bevor sich nach dem x-ten Sonnenschuss die Genua verabschiedet. Die letzten Meilen vor Skagen siegt der Wunsch, das Boot im Ganzen nach Hause zu bringen über die Sehnsucht nach einer guten Platzierung. Wir reduzieren Fläche und sortieren uns.
Ohne Vorsegel und mit gerefftem Groß humpeln wir um das Kap und verlieren locker eine Stunde. Im Kattegat und im Belt haben wir Glück. Die Kreuzschläge passen und die asymmetrischen Spinnaker von Oleu ziehen uns an manchen Konkurrenten vorbei. Ab der Brücke über den Belt wird das Rennen zum Pokerspiel. Dicht unter Land finden wir etwas Wind und weniger Gegenstrom. Zu der Zeit liegen wir nach Berechnung vorn. So manches schnelleres Boot hat sich hinter uns eingereiht. 15 Meilen voraus kämpft Vereinsfreund Holger Streckenbach mit seiner X41 gegen die Flaute.
Gibt es das eigentlich? Rund Skagen ohne Flaute? Ich nehme mir vor, Harald Baum danach zu fragen. Es kommt noch knüppeldick. Vor uns bekommt die ‚Halbtrocken Xpress’ Wind, fährt los und wir bleiben im Öl liegen. Das geht so über zwei Stunden. Der Konkurrenten enteilt und wir quälen uns aus der Flaute bei Keldsnor. Endlich erwischen wir den Windstrich, reißen den Masttopreacher hoch und rauschen Kiel entgegen. Bei der Einfahrt in die Förderung noch zwei Peelings, dann ist die Ziellinie eine Meile voraus. Das Leaderboard führt uns noch auf Platz eins und wir machen nach dem Schuss überglücklich das Boot fest. Keiner kann uns noch berechnet gefährlich werden. Wir haben nach zweimaligem First Ship Home tatsächlich einen Berechnungssieg. Dass dieser mit einer Hanse erfolgt ist, bei der Rumpf, Kiel und Mast dem Serienstandard entsprechen, freut uns besonders. Nächstes Jahr wollen wir wieder dabei sein. Bin gespannt, was Felix als Boot vorschlägt."

Ricarda Richter am 20.05.2016

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