Segeln olympisch

Miami-Gold für Jurczok/Lorenz: "Die scheinen zu fliegen!"

Die Berlinerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz haben die Saison mit einem Weltcup-Sieg eingeläutet. Und sie waren nicht als Einzige erfolgreich in Florida…

Tatjana Pokorny am 28.01.2018
Sailing World Cup Miami 2018
Jesus Renedo/Sailing Energy/World Sailing

Es war ein souveräner Sieg, mit dem Victoria Jurczok und Anika Lorenz die neue Saison vor Miami eingeläutet haben: Mit vier Rennsiegen in acht Wettfahrten und insgesamt gerade einmal 17 Punkten auf dem Konto waren die Berlinerinnen der durchaus starken Konkurrenz bei der Weltcup-Regatta vor Miami in zunächst leichten Winden schon früh enteilt. Und sie wackelten auch in den stärkeren Winden an den letzten Tagen der Serie nicht mehr. Die Erfolgs-Crew vom Verein Seglerhaus am Wannsee ist in der Olympiaklasse 49erFX vorerst das Maß der Dinge, so stark trumpften Victoria "Püppi" Jurczok und Anika Lorenz vor der Küste Floridas auf. "Wir konnten die Woche dominieren. Dazu hat insbesondere in den stärkeren Winden sicher auch unsere Erfahrung beigetragen", sagte Steuerfrau Jurczok, die mit ihrer Vorschoterin Anika Lorenz im Winter erfolgreich an der Steigerung des Crew-Gewichts gearbeitet hat. Drei Kilogramm fehlen jeder der beiden chronisch zu leichten Seglerinnen noch zum Idealgewicht, dem sie sich mit einem speziell entwickelten Ernährungs- und Fitness-Plan so mühsam nähern, wie andere Menschen mit einer Gewichtsabnahme zu kämpfen haben.

Sailing World Cup Miami 2018

In allen Bedingungen eindrucksvoll schnell: Vicky Jurczok und Anika Lorenz

Sailing World Cup Miami 2018

Die Datenanalyse zeigt es nur für das Medaillenrennen, doch das Bild passt zur gesamten Serie: Am schnellsten waren die Siegerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz unterwegs. Gleich dahinter liegen die Trainings-Partnerinnen Tina Lutz und Susann Beucke

Für ein auffallend gutes deutsches Gesamtergebnis im 49erFX sorgten die Teamkameradinnen Tina Lutz (Chiemsee-Yachtclub) und Susann Beucke (Hannoverscher Yacht-Club) als Sechste. Die beiden Frauen-Crews bilden eine Trainingsgruppe mit Coach Dave Evans und hatten schon bei der Europameisterschaft 2016 mit Gold und Bronze gezeigt, dass mit ihnen auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 zu rechnen sein wird. Damals hatten Tina Lutz und Susann Beucke die europäischen Titelkämpfe vor Kiel gewonnen. Die Leichtgewichte Jurczok/Lorenz waren in starken Winden im EM-Finale in der Strander Bucht gekentert, hatten aber Bronze retten können. Jetzt hielten sie den Starkwinden gut stand und sicherten sich mit Rang zwei im Finale Weltcup-Gold vor Miami. Doch auch Lutz/Beucke wussten zu Jahresbeginn mit einem Tagessieg, einem zweiten Rang und insgesamt vier einstelligen Ergebnissen zu glänzen. 

Sailing World Cup Miami 2018

Das Endergebnis für die Olympia-Disziplin 49erFX

Dem gegenseitigen Respekt der FX-Artistinnen verlieh Susann Beucke Ausdruck, die schon zur Regatta-Halbzeit sagte: "Vicky und Anika scheinen zu fliegen!" Beucke erklärte die Güte beider Mannschaften so: "Wir haben das Glück, dass wir jetzt nur noch vier Seglerinnen im Team sind und somit viel spezifischer trainieren können, als es vorher in der großen Gruppe der Fall war. Ein weiterer Punkt ist, dass wir sehr unterschiedliche Charaktere und Segeltypen sind. Daher können wir im Training sehr viel voneinander profitieren. Wir haben 15 Tage in Portugal trainiert, dort sehr intensiv miteinander gearbeitet, Crews, Boote, alles durchgetauscht. Das hat super viel gebracht." Beuckes Bilanz fällt klar aus: "Wir haben einen extrem guten Coach und zwei gute Boote, die besser sind als bei der EM."

Sailing World Cup Miami 2018

Beide deutsche 49erFX-Crews auf einen Blick: Links mit der Segelnummer 9 Tina Lutz und Susann Beucke, in der Mitte mit der Segelnummer 55 Vicky Jurczok und Anika Lorenz

Sailing World Cup Miami 2018

Die glücklichen Siegerinnen Vicky Jurczok und Anika Lorenz

Den ersten von zwei Finaltagen beim Weltcup vor Miami nutzten am Samstag auch Tim Fischer und Fabian Graf für einen formidablen Auftritt. In Abwesenheit der beiden erfolgreichsten deutschen 49er-Crews, Erik Heil/Thomas Plößel (Bronzemedaillengewinner von Rio) und Justus Schmidt/Max Boehme (Europameister), segelten der 23 Jahre alte Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein und sein 21 Jahre alter Vorschoter vom Verein Seglerhaus am Wannsee mit Rang fünf im Medaillenfinale auf Platz vier und nur knapp am Podium vorbei. Damit hatten auch sie nicht gerechnet. Tim Fischer sagte: "Wir sind selbst überrascht. Aber wir scheinen uns zu guten Allroundern zu entwickeln." Mit neuem Boot im Einsatz konnte das deutsche Duo der Konkurrenz gut Paroli bieten.

Sailing World Cup Miami 2018

Die 49er-Segler Tim Fischer und Fabian Graf im Einsatz vor Miami

Die Weltcup-Regatta geht am Sonntag mit weiteren Medaillenrennen zu Ende. Dann kämpft Vizeweltmeister und Aktivensprecher Philipp Buhl im Laser um Silber oder Bronze. Weil der Spitzenreiter und Olympiasieger Tom Burton aus Australien schon vor dem Finale nicht mehr einholbar ist und das Weltcup-Gold sicher hat, geht es für fünf seiner Verfolger um die verbleibenden zwei Podiumsplätze. Buhl startet als Dritter in den Showdown, hat einen Punkt Rückstand auf den vor ihm liegenden Doppel-Weltmeister Nick Thompson aus Großbritannien und drei Punkte Vorsprung vor Rio-Bronze-Gewinner Sam Meech aus Neuseeland. "Ich war nicht besonders zufrieden mit meinem Vorschlusstag, bin aber immer noch in der Position, im Finale eine Medaille gewinnen zu können", sagte Buhl kampflustig. Bei den 470er-Männern haben sich mit Simon Diesch/Philipp Autenrieth und Malte Winkel/Matti Cipra gleich zwei Teams für das Medaillenfinale am Sonntag qualifiziert.

Die ersten Weltcup-Sieger von Miami waren am Samstag neben Jurczok/Lorenz die Franzosen Louis Giard und Hélène Noesmoen in den RS:X-Surfdisziplinen der Männer und Frauen, die Briten Dylan Fletcher-Scott und Stuart Bithell im 49er sowie die Australier Jason Waterhouse und Lisa Darmanin im Nacra17, die bei den Olympischen Spielen 2016 noch Silber hinter Santi Lange und Ceci Carranza Saroli gewonnen hatten, die beiden Argentinier im Rahmen ihrer jeweils zweiten gemeinsamen Olympiakampagne vor Miami aber nun auf Platz zwei verweisen konnten.

Noch einmal zum Genießen: Die Finalrennen vom Samstag

Tatjana Pokorny am 28.01.2018

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