Barcelona World Race

Zwischen Triumph und Trauer

Jörg Riechers und Seb Audigane haben das Orkantief bislang gut überstanden und Kap Horn passiert. Die BWR-Flotte trauert um Florence Arthaud

Tatjana Pokorny am 10.03.2015
Barcelona World Race 2014/2015

Nach zwei Monaten auf See: Gesichter und Hände von Jörg Riechers und Seb Audigane sind gezeichnet. Nicht zuletzt vom Sturm, den die beiden Co-Skipper auf "Renault Captur" aktuell abzuwettern haben

Nach 68 Tagen, 23 Stunden und 47 Minuten war es am Dienstagmittag um 12.48 Uhr deutscher Zeit geschafft: Jörg Riechers und sein französischer Co-Skipper Seb Audigane haben Kap Hoorn passiert und den Atlantik ins Visier genommen. Das deutsch-französische Duo hatte in Winden um 40 Knoten nur etwa zweieinhalb Seemeilen Abstand zum berüchtigten Kap, die stürmischen Bedingungen aber bislang unbeschadet überstanden.

Hinter sich haben Riechers und Audigane ihre bislang schwerste Nacht im Barcelona World Race seit dem Start am 31. Dezember 2014 – ein Sturmtief hatte den Kurs der "Renault Captur"-Crew auf dem Weg zum Kap gekreuzt. Vorhergesagt waren von unterschiedlichen Wetterprognosen Winde bis 70 Knoten und Wellen in einer Höhe von zehn bis 13 Metern. Glücklicherweise kam es so schlimm nicht, doch die Mannschaft hatte dennoch alle Hände voll zu tun.

Barcelona World Race 2014/2015

Seb Audigane in grüblerischer Stimmung: Die Wetterbedingungen fordern der "Renault Captur" bei Kap Hoorn alles ab

Schnellstmöglich hatten sich Riechers und Audigane nach Osten vorgearbeitet, um das Kap vor dem Orkantief zu erreichen. Dabei galt es aber, bei Geschwindigkeiten von 16 bis 17 Knoten mit achterlichen Winden die Kontrolle über das Boot und die Ruder zu behalten. Bislang hat diese Taktik funktioniert. Die Crew hat die böigen Winde mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 50 Knoten gut abwettern, dabei die eigene Geschwindigkeit mit drei Reffs im Groß und der J3 so weit reduzieren können, dass es keine großen Schäden gab.

Riechers und Audigane erwarteten auch am Dienstagnachmittag noch Orkanböen, jedoch am Abend mit dem Eintauchen in den Atlantik eine zunehmende Beruhigung der Wetterlage. Die letzten 24 Stunden zählen zu den härtesten seiner Karriere, berichtete Jörg Riechers in einem kurzen Telefonat mit der Rennleitung.

Der Dienstagmorgen markierte für die Segler im Barcelona World Race aber auch ein Tag der Trauer, denn mit Florence Arthaud war eine der ihren, war die Ikone des französischen Hochseesegelsports bei einem Helikopter-Crash in Argentinien ums Leben gekommen. Die Organisatoren des Rennens widmeten der "Kleinen Verlobten des Atlantiks" einen großen Bericht und drückten Familie und Freunden der Route-du-Rhum-Siegerin von 1990 ihre Anteilnahme aus. Was Jean Le Cam, Co-Skipper auf Spitzenreiterin "Cheminées Poujoulat", der Zeitung "Le Monde" vor sechs Jahren in einem Interview gesagt hatte, brachte die Leistungen der Ausnahmeseglerin am Tag nach dem tödlichen Helikopter-Crash in Argentinien (YACHT online berichtete) am besten auf den Punkt: "Sie ist immer noch ein Monument." Le Cam hatte gemeinsam mit Florence Arthaud im AG2R 1996 Platz zwei belegt und segelt aktuell mit Bernard Stamm dem Sieg im Barcelona World Race entgegen.Share on jappy

Tatjana Pokorny am 10.03.2015

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