Barcelona World Race

Wie ein Tanz auf der Achterbahn

Jörg Riechers und Seb Audigane bekommen auf "Renault Capur" die Macht des Südpolarmeeres zu spüren. Ihre Angriffslust bremst das nicht

Tatjana Pokorny am 26.01.2015
BWR 2014/2015, Positionsreport 26-01-2015, 10 Uhr

BWR 2014/2015, Positionsreport 26-01-2015, 10 Uhr: Die Reihenfolge bleibt vorerst unverändert, doch Riechers/Audigane konnten ihren Abstand etwas verringern

Endlich haben Jörg Riechers und Seb Audigane den drei führenden Booten im Barcelona World Race wieder ein paar Seemeilen abknöpfen können. Zwar beträgt der Rückstand von "Renault Captur" auf die Spitzenreiterin "Cheminées Poujoulat" von Bernard Stamm und Jean Le Cam immer noch mehr als 1000 Seemeilen, doch in den aktuellen Bedingungen scheint eine Aufholjagd zumindest in kleinen Schritten möglich. Das schreibt auch Seb Audigane in seinem neuen Blog zum Ende des 26. Regattatags auf See:

Der Karneval beginnt: Tanzen auf kleinen Achterbahnen

Riechers/Audigane

Seb Audigane

"Renault Captur" segelt unmittelbar südöstlich der Insel Tristan da Cunha. Nach einer Aufwärm-Nacht unter Code 5 und J 2 segeln wir in Richtung der 40er-Breitengrade. Das Meer war in dieser Nacht chaotisch. Die Wassertemperatur bewegt sich im freien Fall abwärts. Gleichzeitig bringt uns die kalte Luft des im Süden liegenden Tiefdruckgebiets frische Optionen. Die Frage "Crocks und Shorts?" stellt sich nicht mehr. Obligatorisch: Polarstiefel, damit wir trocken und warm bleiben. Im Inneren des Bootes ist es jetzt schwer, einen Kaffee zu kochen. Auch das Entsalzungsgerät muckt in jeder Welle, aber noch funktioniert es. 

Was für eine Wohltat es dann ist, in seinen Schlafsack schlüpfen zu können, in seiner Koje eingekeilt binnen Sekunden in Tiefschlaf versinken zu dürfen wie in einer Wiege! Man hört dabei den Lärm, das Pfeifen des Kiels, das Vibrieren des Riggs und fühlt die Stöße am Rumpf. Es ist eine Geräuschkulisse, die Kindern wie Erwachsenen Angst macht. Doch für uns ist sie wichtig, denn sie gibt uns präzise Informationen zum Verhalten und zum Zustand unseres Bootes. Es mag sein, dass die vielen Geräusche irgendwie bedrohlich klingen. Wir aber empfinden sie als Wiegenlied für müde Skipper.

Mittlerweise zwingen uns die Wetterbedingungen dazu, Schutz unterm Dog House zu suchen, denn in unser Cockpit ergießt sich das Wasser tonnenweise. Dazu am Rande ein großes Dankeschön an Julien und sein Team, die uns den Dodger gebaut haben, sodass wir den Autopiloten trocken und trotzdem aus der Nähe beobachten können. 

BWR 2014/2015

Das Südpolarmeer in seinem typisch grauen Kleid: "Poujoulat Cheminées" führt das Feld an

Leider sind noch zu viele Konkurrenten vor uns. Der nächste hat 500 Seemeilen Vorsprung. Wir müssen vorsichtig angreifen. Die dürfen davon möglichst wenig mitbekommen. Es gilt hellwach und konzentriert zu sein. Das Revier macht es nicht einfach.

Ein Beispiel vom letzten Abend: Die Wetterprognosen sagten maximal 22 Knoten voraus. Doch wir segelten in bis zu 38 Knoten Wind, im Schnitt 28 Knoten. Die Wettermodelle können Zeit und Ort nicht exakt vorhersagen, es kommt immer wieder zu Verschiebungen. Das zwingt uns zu erhöhter Wachsamkeit, denn wir wollen ja in einem Stück in Barcelona ankommen. 

Seb & Jörg, Renault Captur, 48'000S 35 ° / 009 ° 31'235W.

Und hier geht es zu den aktuellen Ergebnissen:

http://www.barcelonaworldrace.org/en/race-live/barcelona-world-race-2014-15-tracker

BWR 2014/2015

Barcelona World Race 2014/2015, Regattatag 26: "One Planet, One Ocean / Pharmaton" mit Alex Gelabert und Dídac Costa hat das graue Südpolarmeer noch vor sich

Tatjana Pokorny am 26.01.2015

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online