Barcelona World Race

Solidarität von den Brüdern auf See

Viel Mitgefühl nach dem Mastbruch auf "Hugo Boss". "Neutrogena"-Skipper" Altadill: "Wenn ein Freund geht, stirbt ein Stück deiner Seele"

Tatjana Pokorny am 15.01.2015
Reaktionen nach dem Mastbruch auf "Hugo Boss"

Er ist selbst ein Großer und hat mehr als eine Million Seemeilen absolviert: Mit viel Respekt und einer Portion Trauer sagt Guillermo Altadill den havarierten Konkurrenten und Freunden Adieu

Einen knappen Tag nach dem Mastbruch auf "Hugo Boss", der die Top-Favoriten im Barcelona World Race zur Aufgabe zwang, erreicht die betroffenen Co-Skipper Alex Thomson und Pepe Ribes eine Welle der Anteilnahme aus den Reihen der Konkurrenz.

Neutrogena-Skipper Guillermo Altadill schrieb in einer E-Mail von Bord: "Wie es in einem bekannten spanischen Lied heißt: 'Wenn ein Freund geht, dann stirbt ein Stück deiner Seele.' So fühlen wir uns heute. Alex und Pepe sind unsere Gegenspieler. Wir haben mit ihnen gekämpft und sind auf dem Wasser gegeneinander angetreten. Doch wir wollten diese Auseinandersetzung bis ins Ziel fortführen. Wenn uns ein Konkurrent verlässt, dann bedeutet das auch, dass da draußen einer weniger ist, der im Notfall helfen kann. In der Geschichte des Seesegelns finden sich unzählige Geschichten epischer und hilfreicher Rettungsaktionen, bei denen ein Konkurrent dem anderen geholfen hat. Ihr könnt Alex oder Jean Le Cam fragen: Es waren ihre eigenen Konkurrenten und Freunde, die sie aus den Klauen des allgegenwärtigen Feindes gerettet haben, gegen den wir alle ankämpfen: die See und ihre Kräfte. Alex und Pepe: Wenn ihr daraus Trost ziehen könnt, dann kann ich euch sagen, dass ich niemals Zweifel gehegt habe, dass dieses Rennen euch gehören würde. Die einzige Möglichkeit, dass euch dieser Sieg genommen werden könnte, bestand in einem Unglück, das uns alle in diesem Sport treffen könnte. Es ist dieser allgegenwärtige Feind, der auf dem Weg in jedes Wellental, mit jeder Bö und am Ende eines Surfs auf uns lauert. Alex und Pepe, wir werden euch vermissen! Und wir fühlen uns heute etwas einsamer." Guillermo Altadill bezeichnete Thomson, Ribes, die anderen Konkurrenten und sich selbst als "Brüder auf See".

Reaktionen nach dem Mastbruch auf "Hugo Boss"

Es sollte sein Rennen werden und endete mit einem Mastbruch mitten im Südatlantik: Alex Thomsons Siegträume sind im Barcelona World Race geplatzt

Reaktionen nach dem Mastbruch auf "Hugo Boss"

Auf der Pressekonferenz noch fröhlich, heute in Gedanken bei den Havaristen und "etwas nervöser" als sonst: Jörg Riechers

Auch Jörg Riechers bedauert das Ausscheiden der Spitzenreiter. Auf Anfrage von YACHT online schrieb der 40-jährige Hamburger Extremsegler und "Renault Captur"-Skipper: "Es ist wirklich schade, Konkurrenten wie Alex und Pepe auf diese Art zu verlieren. Zumal sie so ein super Rennen gefahren haben. Wenn man die ganze Energie sieht, die in so ein Rennen fließt, dann ist eine solche Nachricht tieftraurig; allerdings ist Hochseesegeln ein mechanischer Sport wie die Formel 1, und da sind Ausfälle nun einmal dabei. Es ist immer wichtig, den Cursor richtig zu positionieren. Seit wir die Nachricht vom Mastbruch erhalten haben, segeln wir etwas nervöser. Sonst ist alles gut bei uns. Wir sind dabei, den Code 5 zu reparieren, was sehr gut aussieht, sodass wir dieses wichtige Segel für den Southern Ocean wieder zur Verfügung haben."

Alex Thomson hat inzwischen der englischen BBC ein erstes Interview gegeben. Am Morgen nach dem Mastbruch sagte er dem Sender: "Wir befinden uns jetzt etwa 350 Seemeilen entfernt von Brasilien in der Mitte des Südatlantiks. Alles lief brillant. Wir hatten den Rekord nach Gibraltar gebrochen und den Rekord zum Äquator. Wir haben das Rennen mit guten 60 oder 70 Seemeilen Vorsprung angeführt. Wir hatten gerade einen Segelwechsel in absolut moderaten Bedingungen absolviert. Ich war auf dem Vorschiff. Am Vorstag, das den Mast in aufrechter Position hält, ist ein Segel befestigt. Ich habe gerade den Beschlag der Rollanlage kontrolliert, der in genau diesem Moment brach. Das Segel flog hoch, und der Mast wackelte für ein paar Sekunden. Ich wusste, was passieren würde. Er fiel einfach ins Wasser."

Thomson hat schon ein neues Ziel: "Wir werden die Vendée Globe gewinnen"

Thomson sagte weiter: "Es ist einfach eins dieser Dinge, die passieren, aber nicht passieren sollten. Es gab nichts, was wir dagegen hätten unternehmen können. Es handelt sich um den inneren Beschlag der Rollanlage.  Es ist einfach etwas, das nicht hätte passieren sollen. Wir haben den Motor gestartet und kommen mit sechs Knoten in der Stunde vorwärts. Das ist schade, denn vorher waren wir mit 20 Knoten Geschwindigkeit unterwegs. Wir nehmen Kurs auf Salvador de Bahia und sollten es in etwa drei Tagen erreichen. Wenn wir dort sind, dann – so nehme ich an – werden wir die 'Hugo Boss' auf ein Schiff verladen, sie nach Hause bringen und einen neuen Mast bauen."

Thomson gab auch tiefe Einblicke in seine Gefühlwelt: "Es sind schreckliche Nachrichten für Pepe und mich. Wir sind zutiefst enttäuscht. Auf der Haben-Seite aber ist die Tatsache, dass wir gerade in Southampton eine neue 'Hugo Boss' bauen, die in vier, fünf Monaten fertig sein wird. Wir werden mit dem Ereignis leben lernen. Und daraus lernen. Wir werden uns als Team gegenseitig unterstützen, immer wieder da raus gehen und die Vendée Globe gewinnen."

Während das Rennen für Thomson und Ribes beendet ist, ringen die Teams im Südatlantik um die Führung, die zunächst "Cheminées Poujoulat" mit Bernard Stamm und Jean Le Cam übernommen haben. Jörg Riechers und Seb Audigane liegen nach dem Ausfall von "Hugo Boss" auf Platz vier. Hier der aktuelle Zwischenstand vom 15. Januar, 15 Uhr deutscher Zeit:

BWR 2014/2015, Positionsreport 15-01-2015

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Reaktionen nach dem Mastbruch auf "Hugo Boss"

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Tatjana Pokorny am 15.01.2015

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