Barcelona World Race

Kap Hoorn als Vorhof zur Hölle?

Jörg Riechers und Seb Audigane segeln einem schweren Sturm vor Kap Hoorn entgegen. Audigane hätte sich zum Geburtstag Schöneres gewünscht

Tatjana Pokorny am 09.03.2015

Wird sich Kap Hoorn für Jörg Riechers und Seb Audigane als Vorhof zur Hölle erweisen? Diese Frage stellt sich der Hamburger Hochseesegler Jörg Riechers am 47. Geburtstag seines Co-Skippers Seb Audigane. In seinem aktuellen Blog für YACHT online schreibt Riechers etwa einen Tag vor Erreichen des berüchtigten Kaps:

BWR 2014/2015

"Renault Captur" ist auf dieser Wetterkarte vom Morgen des 9. März als grüner Punkt auf Kurs Kap Hoorn zu erkennen

Kap Hoorn – der Vorhof zur Hölle? Für uns könnte Kap Hoorn genau das werden! Im Norden von uns holt das alte Tropentief, welches uns vor Neuseeland schon unsere Aufholjagd vereitelt hat – in inniger Kooperation mit dem Ruder natürlich – noch einmal tief Luft und entwickelt sich zu einem meteorologischen Monster. Es trifft auf die Anden, zieht an ihnen entlang nach Süden und vertieft sich dabei auf 951 mb! Damit hat es sich zum Orkantief entwickelt. Für uns ist es ein Rennen gegen die Zeit. Wenn wir schnell genug sind, kommen wir mit gerupften Federn und einem blauen Auge davon. Dann werden wir mit 45 bis 50 Knoten Wind und sieben Meter Welle rechnen müssen. Wenn wir Pech haben und spät dran sind – oder das Tief etwas früher –, dann wird es finster mit 65 bis 70 Knoten Wind und 13 Meter Welle. Das ist ein Szenario, das auch uns nervös macht. Die Stimmung an Bord ist seltsam gedrückt, obwohl es Sebs Geburtstag ist. 

Kap Hoorn aus der Luft: So dicht werden Riechers/Audigane der berüchtigten Landmarke nicht kommen. Und so ruhig wird sich das Revier nicht zeigen...

BWR 2014/2015

Macht sich Sorgen über die Kap-Hoorn-Passage: Jörg Riechers

Wir versuchen, Witze über die Situation zu machen. Wir sagen: So schlecht, wie das Barcelona World Race für uns gelaufen ist, müssten wir mit unseren Booten beim Vendée beide auf dem Podium landen. Wegen der ausgleichenden Gerechtigkeit und so. Als ich eben allein an Deck stand, sah der Himmel aus wie von Caspar David Friedrich gemalt. Automatisch kommen einem Gedanken an Filme wie "Der Sturm" mit George Clooney. Glücklicherweise habe ich aber mit ihm null Ähnlichkeit – rein äußerlich … Aber die Situation hinterlässt schon Spuren. Wir hätten auch auf See beidrehen und warten können, bis der Sturm durchgezogen ist, doch bei diesem Rennen geht es für uns immer noch um die Ehre und die Möglichkeit, uns doch noch zwei Plätze nach vorn zu kämpfen. Es geht um den Kampfgeist! Wir wollen zeigen, dass wir besser sind als der Platz, auf dem wir uns befinden. Deshalb gehen wir dieses Risiko ein. Außerdem sind wir Profis. Es ist unser Job...? Ok, drückt uns uns die Daumen, dass wir da durchkommen. Wohl ist uns nicht. Zurzeit aber ist noch alles ruhig. Viele Grüße, Jörg

Und hier geht es zum letzten Video von Bord

BWR 2014/2015

Müssen sich auf stürmische Zeiten einrichten: Jörg Riechers und Seb Audigane auf "Renault Captur"

Am 68. Tag des Zweihand-Rennens um die Welt trennten die vom Pech verfolgten Riechers und Audigane 4123 Seemeilen von den Spitzenreitern auf "Cheminées Poujoulat", die noch 3100 Seemeilen bis ins Ziel zurückzulegen hatten. Die auf den Rängen zwei und drei liegenden "Neutrogena" und "Gaes Centros Auditivos" jagten dem führenden Boot am Montagmorgen mit 1500 und rund 1700 Seemeilen Rückstand hinterher. Rund 750 Seemeilen hat die auf Rang sechs platzierte "Renault Captur" mit Jörg Riechers und Seb Audigane gutzumachen, soll sie die vor ihnen auf den Plätzen vier und fünf dicht beeinander liegenden liegenden Boote "We are Water" und  "One Planet, One Ocean / Pharmaton" noch einholen.


Tatjana Pokorny am 09.03.2015

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