Barcelona World Race

Hoch Helena kennt kein Erbarmen

Während die Spitzenreiter davonbrausen, quälen sich die Verfolger mit der flauen Helena. Riechers Rückstand: fast 1000 Seemeilen

Tatjana Pokorny am 21.01.2015
BWR 2014/2015, Positionsreport 21-01-2015

Positionsreport vom 21. Januar, 20 Uhr deutscher Zeit

Die Regatta-Realität im Südatlantik kann grausam sein. Besonders dann, wenn Hoch Helena sich den Crews entgegenstellt und sie mit ihren flauen Winden gefangennimmt. Allein Bernard Stamm und Jean Le Cam haben dieses bewegliche und oftmals schwer zu lesende Hindernis auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung erfolgreich umschifft und preschen am 22. Tag der Zweihand-Weltumsegelung mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 20 Knoten voran. So hatten sich der Schweizer und sein französischer Co-Skipper am Mittwochabend einen Vorsprung von 200 Seemeilen vor ihrer hartnäckigsten Verfolgerin "Neutrogena" erarbeitet. Bereits 440 Seemeilen hinter Stamms und Le Cams "Cheminées Poujoulat" liegt die Mixed-Crew mit Anna Corbella und Gerard Marín auf "Gaes Centros Auditivos" zurück. Auch die Spanier hatten als drittes Boot der Flotte mit teilweise nur ein, zwei Knoten Geschwindigkeit nervenzerrende Phasen zu ertragen.

BWR 2014/2015

"We are Water": Die Garcia-Brüder setzen einen verirrten fliegenden Fisch in Szene

Jörg Riechers und Seb Audigane würden trotzdem gern mit Corbella und Marín tauschen: Der Hamburger Extremsegler und sein französischer Co-Skipper sind inzwischen fast 1000 Seemeilen hinter die führende "Cheminées Poujoulat" zurückgerutscht. Man könnte es Riechers nicht verdenken, wenn er sich derzeit sein "altes" Boot zurückwünschen würde. Einst war das die "Cheminées Poujoulat", bevor er sie nach Verlust seines ehemaligen Sponsors abgeben musste und das aktuelle Boot erst kurz vor dem Rennen charterte.

Und mit diesem Boot haben Riechers und Audigane nun ihre liebe Mühe. Seinen Frust schrieb sich Riechers in einem kurzen Blog für YACHT online von der Seele. Seine Hoffnung auf bessere Zeiten hat Riechers im Reparatur-Marathon aber nicht aufgegeben:

BWR 2014/2015

Ein fast schon idyllisches Bild, obwohl Anna Corbella und Gerard Marín mit allen Mitteln um Anschluss an die Spitzenreiter kämpfen

"Manchmal entwickeln sich Regatten ganz anders, als man eigentlich denkt. So hätte ich mit Blick auf das Barcelona World Race ein sehr strategisches Rennen erwartet, in dem wir interessante Optionen wählen, um unsere Gegner unter Druck zu setzen. Interessant ist das Rennen für uns ohne Frage, aber leider auf einem anderen Gebiet: der Reparatur-Front! Seit zwei Wochen jeden Tag etwas Neues. Und diese Schäden schlagen sich leider auf unsere Taktik nieder. So hat uns der Ruder-Kick-Up bei den Kapverden unseren Code 5 gekostet, sodass wir bei 30 Knoten kein Downwindsegel mehr hatten, also höher fahren mussten; deshalb unsere östliche Position in den Doldrums und auch jetzt. Na ja, als wir am letzten Freitag eigentlich letzte Rille segeln mussten, um einer Flaute zu entfliehen, verabschiedete sich die Mastschiene – 30 Stunden mit drei Reffs oder ganz ohne Groß bei 2 bis 3 Beaufort waren die Folge. Obwohl: Wir sind Vierte und die Strecke ist noch lang. Da kann noch viel passieren – nur bitte, bitte: keine Reparaturen mehr! Ich will endlich richtig segeln und nicht mehr reparieren! Viele Grüße, Jörg."

BWR 2014/2015

Schwindelfrei muss man für diese Perspektive schon sein: Blick vom Mastopp nach unten

Tatjana Pokorny am 21.01.2015

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