Barcelona World Race

Die erste Runde um die Welt geschafft

Nach 105 Tagen, 23 Stunden, 35 Minuten und 22 Sekunden ist die Weltumsegelung vollbracht: Jörg Riechers und Seb Audigane sind im Ziel!

Tatjana Pokorny am 16.04.2015
BWR 2014/2015: "Renault Captur" im Ziel

Barcelona World Race 2014/2015: "Renault Captur" nach Zeitlupenfinale endlich im Ziel

Zwischen 80 und 90 Tagen hätte die erste Runde um die Welt idealerweise dauern sollen. Am Ende waren es 105 Tage, 23 Stunden, 35 Minuten und 22 Sekunden inklusive eines kurzen Reparaturaufenthaltes in Neuseeland. Der Hamburger Extremsegler Jörg Riechers und sein französischer Co-Skipper Seb Audigane haben das Barcelona World Race am Donnerstagnachmittag mit Platz sechs abgeschlossen.

Ihre nicht zu allen Zeiten des Rennens zuverlässige "Renault Captur" kreuzte die Ziellinie am Donnerstagnachmittag nach Zeitlupenfinale um 13.35.22 Uhr Ortszeit. Flaue Winde hatten den Endspurt über Nacht noch einmal verlangsamt, doch dafür konnte das deutsch-französische Duo sein Finale und die Willkommensfeier bei Tageslicht genießen. Und das taten sie auch:

Riechers und Audigane hatten aufgrund ihrer technischen Probleme und des in Neuseeland nötig gewordenen Reparaturstopps das Ziel erst 21 Tage, 17 Stunden, 44 Minuten und 22 Sekunden nach den Siegern Bernard Stamm und Jean Le Cam auf "Cheminées Poujoulat" erreicht. Auf ihrem Kurs um die Welt legte die deutsch-französische Crew 29.701,24 Seemeilen über Grund mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 11,68 Knoten zurück.

Bei Kap Hoorn waren Riechers und Audigane in einen Orkan geraten, der die Crew in Lebensgefahr gebracht hatte. "Wir haben diesen Vorhof zur Hölle überstanden", berichtete der 46-jährige Riechers später von See. Mit dem Ergebnis, so Riechers, sei er alles andere als zufrieden. "Aber wir haben sehr viel gelernt. Und das ist mit Blick auf mein Ziel der Teilnahme an der Vendée Globe 2016/2017 das Wichtigste."

Barcelona World Race 2014

Ein Bild aus den Tagen vor dem Startschuss, der Silvester gefallen war

Die besten Zitate von Jörg Riechers im Barcelona World Race

Am 31. Januar im Indischen Ozean:

"Momentan ist der Indische Ozean noch nicht das, was wir erwartet haben. Aber sicher kommen irgendwann die stürmischen Winde und die großen Wellen, die man vom Südpolarmeer erwarten würde."

Am 3. Februar zum Thema Ernährung:

"Wir haben tonnenweise Essen an Bord. Manchmal essen wir drei oder vier Malzeiten am Tag. Die Chancen stehen also gut dafür, dass Sébastien und ich nach unserer Ankunft in Barcelona eine Diät machen müssen. Wir müssen das erste Team im Barcelona World Race sein, das zunimmt statt abzunehmen."

Am 9. März auf Kurs Kap Hoorn:

"Kap Hoorn ist der Vorhof zur Hölle. Das tropische Tiefdruckgebiet, das uns aus Neuseeland folgt, entwickelt sich gerade zu einem Wetter-Freak! Es wird an den Anden abprallen, sich südlich bewegen und 951 Millibar Druck absondern – einen echten Hurrikan! Für uns ist es ein Rennen gegen die Zeit: Wenn wir schnell genug sind und hier rechtzeitig rauskommen, dann werden wir in 45 bis 50 Knoten Wind vielleicht nur ein paar Federn lassen. Wenn wir zu spät dran sind oder das Tief sich schneller als erwartet bewegt, dann wird es die Hölle mit Winden um 65 bis 70 Knoten und bis zu 13 Meter hohen Wellen. Wir sind ein bisschen nervös. Die Stimmung ist gedrückt, aber es ist Sebs Geburtstag... Ich habe einen Kloß im Hals."

Am 11. März kurz nach der Hoorn-Passage:

"Wir haben überlebt. Es war nicht leicht. Kurz nach dem Kap dachten wir noch, es würde einfach sein. Stressfrei. Doch eine Seemeile nach dem Kap hat uns die erste Orkanbö mit 70 Knoten Wind erwischt. Das Boot wurde davon bei drei Reffs im Großsegel und unter J3 flach auf die Seite gedrückt. Wir hatten Sorge, haben uns aber davon erholt, die J3 eingerollt und sind mit drei Reffs im Groß weitergesegelt. Dennoch rasten wir mit 24, 25 Knoten voran. Die See war sehr weiß und gischtgeladen. Und es war frostig kalt. Meine erste Kap-Hoorn-Passage war also gleich eine ganz große."

Am 13. April nach Gibraltar:

"Wir segeln seit den Falklands am Wind. Noch nie in meinem Leben bin ich so viel am Wind gesegelt. Ich glaube, dass mein eines Bein jetzt länger ist als das andere, weil wir so viel am Wind-Anteile hatten und das Boot so schräg segelt. Wir hatten viele technische Probleme. Es war mehr ein Kampf gegen die technischen Probleme denn gegen das Wetter und die Wellen. Ich bin definitiv froh darüber, dass es jetzt zu Ende geht. Wir sind froh, dass wir es geschafft haben. Wir haben viel gelernt. Das ist gut. Aber, uffffffff, ich bin so froh, dass es fast vorüber ist."

Barcelona World Race 2014

Viel Glück hat "Renault Captur" Riechers und Audigane nicht gebracht. Aber immerhin heil um die Welt

Tatjana Pokorny am 16.04.2015

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