Barcelona World Race

Der zähe Kampf zurück zur Spitze

Jörg Riechers macht mit seiner "Renault Captur" 25 Meilen auf die Spitze gut. Doch der aktuelle Wetterbericht verheißt nichts Gutes

Andreas Fritsch am 05.01.2015
BWR

Hat 25 Seemeilen aufgeholt: Jörg Riechers' "Renault Captur"  

Es war ein Start mit Hindernissen: Erst bremste den Deutschen und Co-Skipper Seb Audigane ein Problem mit dem Spifall aus, dann kollidierten die beiden kurz hinter Gibraltar mit einem schwimmenden Objekt und schossen mit ihrem Boot unkontrolliert in den Wind. Die Zeit, die für die Reparaturen gebraucht wurden, kosteten das Duo rund 70 Meilen Rückstand auf die Spitze, die zurzeit Alex Thomsons Open 60 "Hugo Boss" anführt.

Doch mit einer klugen Wetter-Taktik machte der Deutsche beim Ranking heute Morgen rund 25 Meilen wieder gut, lag nur noch 45 Meilen hinter der Spitze. Riechers war nach Gibraltar viel früher auf Südkurs gegangen als die Spitze, die  weit nach Westen ausholte, und konnte gestern, als die Spitze von einem aus Norden heranziehenden Hoch eingeholt wurde, am Südrand desselben etwas mehr Speed machen.

Screenshot bwr

Der Stand des Rennens heute Morgen

Doch die Wettervorhersage lässt vermuten, dass sich der Spieß wieder umdreht: Nachdem das Spitzentrio von "Hugo Boss", Guillermo Atadills "Neutrogena" und Anna Corbellas  "Gaes" auf Südkurs gegangen ist und dem bereits etablierten Passatwind auf Höhe der Kanaren immer näherkommt, dürfte "Renault Captur" in den nächsten Stunden im Hochdruck, der von Norden mit dem Team gen Süden zieht, für einige Stunden langsamer werden. Dann dürfte der Abstand wieder anwachsen. Doch wer Riechers kennt, weiß, dass er um jeden Zehntel Bootsspeed fighten wird.

An der Spitze ist es nach wie vor spannend. "Hugo Boss" und "Neutrogena" segeln praktisch gleichauf in Sichtweite, doch die größte Überraschung gelang in der letzten Nacht Anna Corbella und Gerard Marin auf der "Gaes". Sie segelten etwas weiter östlich als die Führenden, fanden dort mehr Wind und konnten von fast 45 Meilen Rückstand auf nun noch 8,5 Meilen herankommen.

Während das Führungstrio ziemlich direkt Weg gen Süd macht, wählen Bernard Stamm und Jean Le Cam mit ihrer "Cheminées Poujoulat" eine andere taktische Variante: Sie segeln weiter im Westen, wollen offensichtlich versuchen, die Kanaren zu umfahren. Die Winddüsen und Abdeckungszonen zwischen den Inseln dort gelten als tückisch. Doch der direkte Weg durch den Archipel kann sich auch auszahlen, wie die Vendée Globe in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat. Abgerechnet wird meist erst kurz vor der Passage des Äquators.

Fast schon tragisch mutet das Los der Letztplatzierten Nando Fa und Conrad Coleman auf ihrer "Spirit of Hungary" an. Nachdem sie als Letzte vor Gibraltar von der Flaute eingeholt wurden, dem die Boote davor entkamen, kämpfen sich die beiden noch immer aus dem Mittelmeer heraus. Der Abstand beträgt bereits über 400 Seemeilen. 

Andreas Fritsch am 05.01.2015

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