America's Cup

Spithill: "Es ist schön, auf dem schnelleren Boot zu sitzen"

Kaum hat er nach fünf Niederlagen den ersten Sieg erkämpft, ist er wieder der Jimmy Spithill, der er während des Comebacks 2013 war: selbstbewusst und provokant

Tatjana Pokorny am 24.06.2017
35. America's Cup
ACEA2017/Ricardo Pinto

Das Oracle Team USA und Steuermann Jimmy Spithill freuen sich nach fünf Niederlagen in Folge über den ersten Siegpunkt

Beim Anblick der Freudenszenen hätte man meinen können, dass den Titelverteidigern am Samstag der ganz große Coup gelungen war. Doch es war vor allem überbordende Erleichterung, die zu den Jubelszenen an Bord des amerikanischen Katamarans geführt hatte. Skipper Jimmy Spithill ging zu jedem einzelnen seiner Crew-Mitglieder, klopfte den Männern auf den Rücken und gratulierte. Die Erkenntnis, von den Kiwis nicht zu null vom Great Sound vor Bermuda gefegt zu werden und sogar selbst Siegchancen zu haben, muss Jimmy Spithill zutiefst beglückt haben. Die Amerikaner haben ihren Rückstand im 35. Match um den America's Cup am Samstag auf 1:4 verkürzt, nachdem sie zuvor im Duell mit dem Emirates Team New Zealand die fünfte Niederlage in Folge kassiert hatten. Weil die Kiwis einen Minuspunkt aus der Herausforderer-Runde zu egalisieren hatten, haben sie vier Zähler auf ihrem Cup-Konto, Larry Ellisons Verteidiger nun immerhin einen. 

35. America's Cup

Gratulierte jedem seiner Mitsegler persönlich: Jimmy Spithill nach dem ersten Siegpunkt für das Oracle Team USA

35. America's Cup

Jimmy Spithill steuerte mit bandagiertem Handgelenk, weil er sich nach eigener Schilderung bei einem kleinen "Crash" verletzt habe. Das habe ihn allerdings nicht behindert

Was die beiden Steuermänner nach den Rennen 5 und 6 und dem unentschieden beendeten dritten Renntag sagten und wie unterschiedlich sie auf die Fragen der Journalisten reagierten

"Es ist schön, auf dem schnelleren Boot zu sitzen", vermeldete Jimmy Spithill nach der gewonnenen sechsten Begegnung umgehend und für jedermann hörbar. Tatsächlich wirkte die "17" der Amerikaner im Vergleich zum desaströsen Auftritt am vergangenen Wochenende an diesem Samstag schneller, Spithills Crew weniger fehleranfällig. Was genau sein Team in der langen Rennpause verändert hat, wollte Spithill natürlich nicht enthüllen: "Es waren zu viele Dinge, um sie aufzuzählen. Wir haben 24-Stunden-Schichten absolviert. Die Belohnung dafür war dieser Sieg." Sichtbar war das entsorgte BMX-Rad, auf dem Taktiker Slingsby sonst mit in die Pedalen getreten war. Darüber hinaus habe man, so Spithill, den AC50-Katamaran um einiges Gewicht erleichtert. Prompt feuerte Jimmy "Spitfire" Spithill auch wieder Verbalschüsse in Richtung Neuseeland ab: "Wir haben in der fünftägigen Rennpause fünfmal so hart gearbeitet wie die anderen." 

35. America's Cup

35. Match um den America's Cup: Der dritte Renntag brachte erstmals Spannung ins Geschehen und präsentierte hochattraktiven Segelsport

Sein Kontrahent Peter Burling nahm die verbale Muskelschau gelassen auf; er blieb sich und seinem meist nüchternen Erzählstil treu. Burling sagte, das Emirates Team New Zealand sei sehr zufrieden mit dem Stand der Dinge: "Es ist doch gut, dass sie jetzt besser segeln. Jetzt haben wir endlich die erwartete Schlacht, auf die wir eingestellt sind." Eine kleinen Seitenhieb gönnte sich der 26-jährige 49er-Olympiasieger aber auch in Richtung Spithill: "Diese Schlacht hatten wir eigentlich schon am letzten Wochenende erwartet." Die Schwächen seines Teams, das im verlorenen Rennen dreimal leicht bis stärker von den Foils gefallen war, nannte Burling offen: "Wir haben nicht so gut gesegelt wie letztes Wochenende. Damit sind wir selbst nicht zufrieden. Aber wir haben immer noch ein sehr schnelles Boot und weiterhin sehr viel Luft nach oben."

35. America's Cup

"Touch Down": Die Rümpfe der "Aotearoa" tauchen kurz in den Great Sound vor Bermuda ein

35. America's Cup

Hatte in der Pressekonferenz seinen Spaß. Hier als Reaktion auf eine Frage an Spithill nach der Altergrenze für Steuerleute im America's Cup

Wie ein Ausrufezeichen hinter der von Spithill beschriebenen neuen Aufbruchstimmung im Oracle Team USA wirkte die Ankündigung, sein Team würde direkt nach der Pressekonferenz wieder aufs Wasser gehen. "Wir wollen noch etwas testen", sagte er absichtlich geheimnisvoll und lächelte. Er ist zurück, der Provokateur, der das sogenannte "Jahrhundert-Comeback" der Amerikaner 2013 ganz ähnlich eingeläutet hatte. Ob die Wirkung dieser Art der Spithill-Magie oder die Optimierungen des amerikanischen Bootes weiterhin für Erfolge sorgen werden, wird sich bereits am Sonntag zeigen, wenn die Rennen 7 und 8 auf dem Programm stehen und wieder ab 19 Uhr deutscher Zeit bei Servus TV (schon ab 18.55 Uhr) und bei Sky Sport übertragen werden. Viele Experten waren sich nach dem Unentschieden am Samstag einig in der Einschätzung, dass gewonnene Kiwi-Starts wahrscheinlich immer noch zu Kiwi-Siegen führen würden, gewonnene Oracle-Starts aber im Stile des umkämpften und von mehreren Führungswechseln geprägten Rennens 6 nun offener seien und mit seglerischer Güte gewonnen oder mit teuren Fehlern verloren werden könnten. 

35. America's Cup

Das Protokoll für die Abstände beim Start, den Rundungen der Wendemarken und im Ziel dokumentiert die Führungswechsel – und den 11-Sekunden-Sieg der Amerikaner

35. America's Cup

Hatte die ersten Begegnungen im 35. Match um den America's Cup als "langweilig und einseitig" bezeichnet und damit auch sein Oracle Team USA kritisiert: Cup-Boss Russell Coutts. Am Samstag hatte er mehr Grund zur Freude, denn vor allem das zweite Rennen bot mit seinen Führungswechseln und Penalties sehr viel Spannung – und am Ende den ersten Siegpunkt für die Titelverteidiger

Tatjana Pokorny am 24.06.2017

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