America's Cup

"Eine ziemlich aufgepumpte Geschichte"

Werbe-Gag oder journalistischer Coup? Ex-Wallstreet-Reporter bezichtigt die America's-Cup-Verteidiger des Betrugs – eine kaum haltbare These

Tatjana Pokorny am 09.03.2016
34. America's Cup

Gepumptes Großsegel oder aufgepumpte Werbung für ein Buch? Laut Experten gab das Reglement des 34. America's Cup kein Pumpverbot her. Und damit ist auch der Betrugsvorwurf von "The Comeback"-Autor Knecht nicht haltbar

Es klingt wie der Stoff, aus dem America's-Cup-Thriller schon des Öfteren gemacht waren: Ein Verteidiger siegt in fulminantem Stil, macht aus einem 1:8 gegen die starken Herausforderer aus Neuseeland noch einen 9:8-Sieg, beeindruckt die Welt mit einem Jahrhundert-Comeback – und wird dann Jahre später doch des Betrugs überführt. Doch ganz so einfach, wie es der ehemalige Wallstreet-Reporter G. Bruce Knecht in seinem neuen Buch "The Comeback" suggeriert, lässt sich ein etwaiges Vergehen des amerikanischen Oracle Team USA im 34. Cup-Duell gegen das Emirates Team New Zealand nicht feststellen. 

Jimmy Spithill nach dem Sieg beim 34. America's Cup

Hatte nach dem Cup offen über das Pumpen des Flügelsegels in seinem Team gesprochen: Cup-Skipper Jimmy Spithill

Im Kern des Vorwurfs geht es um das im Segelleistungssport immer wieder diskutierte "Pumpen", wobei mithilfe eines geplanten, vielfachen und schnell hintereinander bewegten Segels zusätzlicher Vortrieb erzeugt wird. Dieses "Pumpen" ist je nach Klassen- und Regattaregeln mal erlaubt (wie beispielsweise bei den olympischen Windsurfern) und mal nicht. Der Autor von "The Comeback" unterstellt in seiner Argumentation den Amerikanern regelwidriges "Pumpen". Die Crew habe im 34. America's Cup ihr Flügelsegel auf diese Weise eingesetzt, also aus der optimalen Position zum Wind etwas aufgemacht und wieder dichtgeholt und diesen Prozess mehrfach und schnellstmöglich wiederholt. 

Der Autor geht davon aus, dass dieses "Pumpen" unter den Regeln im 34. America's Cup verboten war. Seiner Argumentation nach hätte der Vortrieb des Bootes ausschließlich durch die "normale" Interaktion des Bootes mit Wind und Wasser erzeugt werden dürfen. Dabei hätte die Crew das Flügelsegel, Ruder, Schwerter und Rumpf optimal einsetzen, aber eben nicht bewusst und geplant "pumpen" dürfen. Knecht räumt in seinem Buch zwar ein, dass es mit Oracles technologischer Optimierung des Bootes, dem Crew-Wechsel (Sir Ben Ainslie ersetzte den glücklosen US-Taktiker John Kostecki) und dem unbedingten Siegeswillen verbunden mit viel Risikofreude weitere Gründe für das Jahrhundert-Comeback und die sportliche Wiedergeburt des Teams von Larry Ellison gegeben habe. Doch den Betrugsvorwurf erhält er aufrecht.

Experten mögen Knecht in seiner Beweisführung dennoch nicht folgen. Ihre Argumentation ist so einfach wie die von Knecht: Die Regeln im 34. America's Cup haben das Thema "Pumpen" nicht explizit verboten. Festgelegt war lediglich: "Eine Yacht soll bei der Teilnahme ihre Geschwindigkeit nur unter Nutzung von Wind und Wasser steigern, beibehalten oder drosseln dürfen. Ihre Crew darf das Flügelsegel, die Segel, Ruder, Schwerter und Rümpfe dazu justieren oder andere seglerische Handlungen ausführen …"

Damit scheint klar, dass zwar keine Motoren, Paddel oder sonstige segelfremde Methoden zur Beschleunigung, die vorhandene Ausrüstung des Bootes aber sehr wohl zum Trimm der Yacht eingesetzt werden durften. Zusätzliche Beschränkungen zum Thema "Trimm" enthielt das Regelwerk damals nicht. "Das ganze Konstrukt des Autors halte ich für eine ziemlich aufgepumpte Geschichte", sagt der zweimalige America's-Cup-Teilnehmer Tim Kröger, "es fällt so ein bisschen unter das Thema Verschwörungstheorien. Wer glaubt denn ernsthaft, dass Jimmy Spithill öffentlich in einem Interview über das Pumpen seines Teams spricht, wenn das verboten gewesen wäre?"

Tatjana Pokorny am 09.03.2016

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online