America's Cup

Adjö, Artemis! Die Kiwis fordern Oracle zur Revanche

Das letzte europäische Team ist im Finale der Challenger Playoffs ausgeschieden: Artemis unterlag dem Emirates Team New Zealand 2:5

Tatjana Pokorny am 13.06.2017
35. America's Cup
ACEA2017/Ricardo Pinto

Challenger Playoffs, Finale: Neuseelands Teamchef Grant Dalton gratuliert seinem Steuermann Peter Burling

Dieser Montag war kein guter Tag für das schwedische Team Artemis Racing. Das erste von möglicherweise mehreren Rennen am Finaltag der Challenger Playoffs begann mit gruseliger Flautenschieberei und einem Wettkriechen mit dem Emirates Team New Zealand in Richtung Ziellinie. Glücklicherweise machte das Zeitlimit dem mitleiderregenden Gedümpel, in dem sich die Schweden mit einem knappen Frühstart und einem weiteren Fehler gleich zwei Penalties eingefangen hatten, ein gnädiges Ende: Abbruch durch die Wettfahrtleitung. Erst nach langem Warten konnte die siebte Begegnung der Schweden und der Neuseeländer um 21.25 Uhr deutscher Zeit in sehr leichten, aber segelbaren Winden um 7, 8 Knoten doch noch gestartet werden. Artemis Racing hätte darauf sicher gern verzichtet. Denn längst ist klar, dass die "Magic Blue" in schwachen Winden nicht die Rakete ist, die sie in mehr Druck schon bei den Vorregatten und auch in dieser Herausfordererrunde immer wieder war.

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Der Fotobeweis für den sehr knappen Frühstart der Schweden, der nach dem Rennabbruch schnell vergessen war

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Musste das Flautengeschiebe der Teams im ersten Rennen nach Überschreitung des Zeitlimits abbrechen, konnte dann aber doch das entscheidende Rennen starten: Renndirektor Iain Murray

Artemis-Skipper Nathan Outteridge und Taktiker Iain Percy verabschiedeten sich mit interessanten Analysen und Einblicken von der Cup-Bühne. Neuseelands Steuermann Peter Burling und Skipper Glenn Ashby riskierten einen Ausblick auf das mit Spannung erwartete Duell gegen die amerikanischen Cup-Verteidiger

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Am Finaltag der Challenger Playoffs Herren des Geschehens: Neuseelands Steuermann Peter Burling  und sein Emirates Team New Zealand hatten die Schweden zu jeder Zeit unter Kontrolle

Und tatsächlich dominierten die Neuseeländer die Schweden in diesem letzten Duell der Challenger Playoffs ohne Wenn und Aber. Peter Burling gelang – wie schon im abgebrochenen Zeitlupen-Rennen am Nachmittag – erneut ein guter Start. Damit bescherte er seinem Team bereits an der ersten so kritischen Wendemarke die Führung. Dazu hatten sich die Kiwis die Innenposition gesichert und die Schweden kurz vor Runden des Gates sogar noch in bester Matchrace-Manier einmal kurz hochgeluvt und verlangsamt, so wie es Artemis in vorherigen Rennen mit den Kiwis gemacht hatte. Es schien, als hätte Burling seine Lektionen gelernt und erfolgreich an seiner wohl einzigen kleinen Schwäche – den Starts – gearbeitet.

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Gaben alles und verabschieden sich mit Stolz, konnten aber am Montag gegen die dominanten Neuseeländer in leichten Winden nicht viel ausrichten: Artemis-Steuermann Nathan Outteridge und sein Team

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Dieses Kiwi-Sextett segelte und radelte das Emirates Team New Zealand am Montag ins Finale

Von diesem Zeitpunkt an enteilten die Neuseeländer den Schweden mit einem beneidenswerten Tempo. Artemis Racing hatte dem überlegenen Gegner in diesen Windbedingungen einfach nichts entgegenzusetzen. Es half keine gute Positionierung und auch nicht der gute Riecher von Steuermann Nathan Outteridge und Taktiker Iain Percy für Böenfelder. Der "Bahnrad-Vierer" der Kiwis und seine Afterguard segelten den Kurs fehlerfrei ab und erreichten die Ziellinie lange vor den deutlich geschlagenen Schweden. Kurz nach dem Cup-Aus sagte Nathan Outteridge: "Wir sind natürlich sehr enttäuscht. Doch wir gratulieren den Neuseeländern. Wir hatten ein paar tolle Kämpfe, aber sie waren einfach schneller. Wir sind als Team sehr zusammengewachsen und hoffen, dass wir auch beim 36. America's Cup dabei sein können. Darüber werden wir im Team in den kommenden Tagen sprechen."

Nun ist also die Neuauflage des Duells von 2013 perfekt: Die Kiwis bekommen ihre Chance zur Revanche gegen Larry Ellisons Oracle Team USA, das sie 2013 so grausam besiegt hatte. Damals hatten die Neuseeländer schon mit 8:1 geführt und sich damit sagenhafte acht Matchpunkte verdient. Der Sieg schien ihnen nicht mehr zu nehmen. Doch dann hatten die Amerikaner technisch nachgelegt, psychologisch provoziert und schließlich den Cup in Folge eines der größten Comebacks der Sportgeschichte noch mit 9:8 gewonnen. "Darüber kommt man nie hinweg", hatte Neuseelands Sportchef Grant Dalton noch vor dieser 35. Cup-Auflage ehrlich gesagt. Er war es aber, der Dean Barker als Steuermann und Skipper entthronte und auf den Jungstar Burling setzte, den er am Montagabend wie ein stolzer Vater umarmte.

Vielleicht gelingt den Kiwis jetzt der Sieg über das Team, das vor vier Jahren im Endspurt zu stark war. Das Emirates Team New Zealand greift mit seinem neuen Steuermann und Olympiasieger Peter Burling nach der Kanne. Das Jahrhundert-Talent, im Alter von 26 Jahren bereits mit olympischem Gold und Silber im 49er dekoriert und außerdem  Motten-Weltmeister und Foil-Zauberer, wirkt in seiner ruhigen, zurückhaltenden Art menschlich wie der krasse Gegenentwurf zum forschen und seglerisch wie verbal äußerst angriffslustigen Jimmy Spithill, der unter amerikanischer Flagge seinen dritten Cup-Triumph in Folge ansteuert.

35. America's Cup

Der Weg der Neuseeländer ins 35. Match um den America's Cup

Im Jubel der Neuseeländer verabschiedeten sich die Schweden als faire Verlierer von Bermudas am Montag wolkenverhangener und phasenweise sogar verregneter Cup-Bühne. Die Sympathieträger mit ihrem australischen Steuermann Nathan Outteridge, ihrem britischen Taktiker und Teamchef Iain Percy und der Crew, die mit dem Unfalltod ihres Kameraden und besten Percy-Freundes Andrew "Bart" Simpson 2013 einen so schweren Schicksalsschlag hinnehmen mussten, hat die Fans in den vergangenen Wochen begeistert. Es war toll anzusehen, dass Nathan Outteridge nach seinem unfreiwilligen Abgang von Bord in einem vorentscheidenden Rennen trotzdem noch lachen konnte. Es war wunderbar zu hören, wie fair sich Outteridge und Percy immer wieder über ihre Rivalen äußerten und guten Leistungen viel Respekt zollten. Für den America's Cup wäre es ein Gewinn, wenn dieses schwedische Team einen dritten Cup-Zyklus ins Visier nehmen dürfte. Die Entscheidung darüber steht noch aus.

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Heitere Kiwis: Ihr Traum vom Revanche-Match gegen das Oracle Team USA hat sich erfüllt

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Champagner für die Gewinner der Herausfordererrunde: Die Kiwis feiern ihren Etappensieg in den Challenger Playoffs

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Live-Bild aus dem entscheidenden siebten Rennen gegen die Kiwis: das Artemis-Afterguard-Trio mit Steuermann Outteridge, Iain Jensen und Taktiker Iain Percy

Bei der Abschluss-Pressekonferenz der Schweden am Abend gab es großen Applaus für Outteridge und Percy, als sie auf dem Podium Platz nahmen. Outteridge sagte: "Wir haben da draußen alles gegeben. Wir sind Seite an Seite mit den Kiwis über den Kurs gerauscht, und das alles ist ein guter Lohn für unser Team und die Jahre der harten Arbeit, die wir in diese Kampagne gesteckt haben." Percy sagte: "Als Sportler bin ich enttäuscht, weil ich das Gefühl hatte, dass wir dieses Mal reif fürs Finale waren. Gleichzeitig sind wir stolz auf das Erreichte. Diese beiden Gefühle ringen gerade in mir." Doppel-Olympiasieger Percy verabschiedete sich trotzdem mit Freude: Seine Freundin Alex erwartet in England das erste gemeinsame Kind. "Der errechnete Geburtstermin war heute", verriet der kurz vor der Abreise stehende Percy in Hamilton strahlend, "ihr werdet verstehen, dass ich jetzt etwas unter Druck stehe..." Ein Kernteam von Artemis Racing aber bleibt zur Beobachtung der Rennen bis zum Cup-Ende auf Bermuda. Das 35. Match um den America's Cup zwischen dem Emirates Team New Zealand und dem Oracle Team USA beginnt am 17. Juni.

35. America's Cup

Bislang ein starkes Duo: Skipper Glenn Ashby und Steuermann Peter Burling für das Emirates Team New Zealand

Tatjana Pokorny am 13.06.2017

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